Situation für Schüler sehr schwer

So meistert die Förderschule im Auefeld die Pandemie

Schulleiterin der Schule im Auefeld Anke Herzmann
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Schulleiterin Anke Herzmann und ihr Team versuchen, den Schülern die ungewohnte Situation so angenehm wie möglich zu gestalten.

Die Coronapandemie stellt viele Schüler und Lehrer vor Herausforderungen – besonders schwer wird es jedoch, wenn die Umstände für die Kinder nicht greifbar sind. So geht es seit Beginn der Pandemie den Schülern mit dem Förderschwerpunkt Geistige Entwicklung (GE) an der Schule im Auefeld.

Hann. Münden – „Die Situation ist schwer erklärbar“, sagt Schulleiterin Anke Herzmann mit Blick auf ihre Schüler. Sie erinnert sich daran, wie zwei Schüler sofort aus dem Unterricht genommen werden mussten, weil eine Mitarbeiterin Kontakt mit einem Corona-Infizierten hatte. „Das war schrecklich für die zwei Schüler. Und auch bei allen anderen Schülern herrschte vollkommenes Unverständnis“, berichtet Herzmann, die seit 2019 Schulleiterin ist. „Solche plötzlichen Veränderungen sind für die Schüler einfach nicht greifbar.“

Sie ist sehr erfreut darüber, wie gut die Schüler die Hygienevorkehrungen schon zu Beginn der Pandemie verinnerlicht haben. Das liegt laut Herzmann aber auch daran, dass das Hygienekonzept der Schule auch bei Lockerungen der Corona-Regelungen unverändert bleibt. „Bei uns tragen alle Maske, auch die Kinder im Grundschulalter. Alles andere würde nur verwirren.“ Außerdem entstünden so für die Schüler keine weiteren Veränderungen zu der eh schon gewöhnungsbedürftigen Situation.

Schüler können ihren Wunsch nach sozialen Kontakten nicht äußern

Schüler mit Autismus kommen laut Herzmann beispielsweise mit dem Wechselunterricht nur sehr schwer zurecht. „Es dauert zwei bis drei Tage, bis sich die Kinder wieder an den Schulalltag gewöhnt haben. Und dann ist die Woche im Präsenzunterricht auch schon wieder rum und sie verstehen nicht, wieso sie wieder ins Homeschooling müssen“, berichtet die Schulleiterin. Diese wechselhaften Bedingungen seien viel zu abstrakt.

Die Kinder äußerten ihr Unverständnis dann auf ganz unterschiedliche Weise, sagt Herzmann. „Manche ziehen sich stark zurück, andere zeigen sich aggressiv. Das ist jedoch nicht böswilliger Natur. Sie können die Sehnsucht nach dem sozialen Miteinander nicht kommunizieren.“ Diese und ähnliche Herausforderungen zu bewältigen, sei ohne die Hilfe von Mitarbeitern des Deutschen Roten Kreuzes nicht möglich.

Doch die Pandemie bringt auch die Schulleiterin häufiger an ihre Grenzen. „Ich trage sehr viel Verantwortung für die Schüler und Kollegen.“ Deshalb ist Herzmann auch froh, dass die Schule verhältnismäßig klein ist. „Der Verwaltungsaufwand ist enorm. Wir leben hier quasi nur noch in Listen.“ Deshalb ist Herzmann sehr froh über ein Kollegium, dass ihr besonders in dieser Zeit den Rücken stärkt. „Und die Kollegen sind in der IT fitter als ich“, womit Herzmann auf die vermehrte Nutzung von digitalen Medien wie Tablets eingeht.

Geometrische Formen nachbauen: So sieht eine Aufgabe für die Förderschüler aus, die sie auf den Tablets erledigen können.

Bereits vor der Coronapandemie ist die Schule vom Landkreis mit Tablets ausgestattet worden. „Der Markt für Lern-Apps ist gut“, sagt Herzmann. Neben mathematischen Aufgaben können die Schüler mit dem Förderschwerpunkt GE Übungen zum Lesen lernen aufrufen. „Unser Fokus liegt darauf, dass jeder Schüler nach 12 Jahren diese Schule lesend verlässt“, sagt Herzmann.

Die Motivation der Schüler sei sehr hoch, mit den Tablets zu arbeiten. „Für die Kinder ist das Teilhabe am wirklichen Leben“, sagt Herzmann. „Das ist der inklusive Gedanke, den wir hier leben.“

Wichtig sei bei allen digitalen Aufgaben eine Belohnung am Ende, sagt Julia Löber, Lehrerin an der Schule. „Die Apps bieten den Schülern nach Abschluss der Aufgabe, die Möglichkeit zu spielen.“ Gerade sei im Unterricht die Übung an der Reihe, die Tablets nach dem Spielen auch wieder selbstständig auszuschalten. Für das kommende Schuljahr sei auch eine AG geplant, um die Schüler auf Gefahren im Internet vorzubereiten.

Trennung der Förderschwerpunkte nicht immer eindeutig

Schüler mit einem Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung können nach Angaben des Landes Niedersachsen Förderschulen mit den Schwerpunkten Geistige Entwicklung, Emotionale und Soziale Entwicklung, Sehen, Hören, körperliche und motorische Entwicklung, Lernen oder Sprache besuchen.

Der Schwerpunkt Lernen, der auch an der Mündener Schule im Auefeld beschult wird, laufe in den kommenden Jahren aus, sagt Schulleiterin Anke Herzmann. Wie die Sprachheilklassen werde dieser Förderschwerpunkt dann an inklusiven Grund- und Gesamtschulen unterrichtet. Klare Grenzen zwischen den einzelnen Förderschwerpunkten zu ziehen, sei häufig nicht machbar, sagt Herzmann. (William Abu El-Qumssan)

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