Naturschützer kritisieren Pläne am Gaußturm

Nächste Hürde zur Freizeitanlage am Gaußturm ist genommen

Gaußturm aus der Vogelperspektive
+
Der Gaußturm soll das Zentrum der Freizeitanlage werden. Von dem Turm soll Freefall angeboten werden. Bestehende Parkplätze sind im Hintergrund zu erkennen.

Seit einigen Jahren ist eine Freizeitanlage rund um den Gaußturm am Hohen Hagen in Dransfeld im Gespräch. Nun wurde eine wichtige Hürde auf dem Weg zur Umsetzung genommen.

Hann. Münden - Auf der jüngsten Kreistagssitzung wurde der Antrag der Stadt Dransfeld auf Entlassung des entsprechenden Gebietes aus dem Landschaftsschutzgebiet „Weserbergland-Kaufunger Wald“ mehrheitlich beschlossen.

Vor der Kreistagssitzung hatte der Antrag einen Monat lang im Rathaus Dransfeld und im Kreishaus ausgelegen. Kritik an der Entlassung aus dem Landschaftsschutzgebiet hatte es unter anderem von Naturschutzverbänden gegeben. Sie bemängelten vor allem, dass der vorgelegte Plan nicht detailliert genug sei.

Aus Schutzgebiet entlassen

Bei dem zuvor nicht benannten Investor handelt es sich um die Firma Schattenspringer aus Bielefeld. Diese betreibt unter anderem den TreeRock Abenteuerpark Hochsolling in Silberborn bei Holzminden.

Die Entlassung aus dem Landschaftsschutzgebiet sei die Grundlage für die weitere Planung, sagt Geschäftsführer Christoph Brand. „Wir sind in einem sehr frühen Stadium und es war uns wichtig, alle mit ins Boot zu holen“, sagt der Diplom-Pädagoge. Eine detailliertere Planung gebe es bisher nicht, da diese mit hohen Investitionen für das kleine Unternehmen verbunden seien. Die Entlassung aus dem Schutzgebiet mache Mut, diese nun in Absprache mit Behörden und Verbänden zu tätigen.

Freizeitanlage am Gaußturm: Umweltverträglichkeitsprüfung nötig

Die Fertigstellung eines Parks variiere von Projekt zu Projekt und könne mehr als ein Jahr dauern. Nach der Entlassung des für das Freizeitgelände geplanten Gebiets sollen nun der Flächennutzungsplan angepasst und ein Bauplan aufgestellt werden, sagt Stadtdirektor Mathias Eilers. Parallel werde eine Umweltverträglichkeitsprüfung stattfinden. Bereits im Vorfeld zur Entlassung des Gebiets habe die Stadt mit Naturschutzverbänden in der Region Kontakt aufgenommen und werde auch weiterhin den Kontakt suchen, so Eilers. Kritikpunkte bezüglich Details und Nutzungsgröße sollten durch den Investor geklärt werden.

Dransfeld – Bevor das Freizeitgebiet auf dem Landschaftsschutzgebiet am Hohen Hagen entlassen wurde, äußerten Naturschutzverbände und Bürger Kritik an den dafür vorgelegten Plänen.

Kritik vor Entlassung

Der BUND und der Nabu kritisieren unter anderem die geplante Größe von 22 Hektar. Beide Verbände empfahlen eine Reduzierung auf weniger als zehn Hektar, da Freizeitanlagen über dieser Größe zu einer Umweltverträglichkeitsprüfung verpflichtet seien. Durch eine Verkleinerung sei es möglich Kosten zu sparen und die Natur zu schonen. Empfohlen wurden weniger als vier Hektar. Die Kreistagsfraktion der Grünen hatte beantragt, das für die Entlassung geplante Gelände auf etwa 16 Hektar zu verkleinern, um dem Naturschutz mehr Gewicht zu verleihen.

Samtgemeindebürgermeister und Stadtdirektor Mathias Eilers weist daraufhin, dass das Gebiet auch das Haus Hoher Hagen umfasst, welches nicht zum Freizeitgelände dazugehört und ebenfalls aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen werden sollte. Schatenspringer-Geschäftsführer Christoph Brand erklärt, dass die meiste Flächennutzung bei einem Kletterpark aus Seilen bestehe, worunter die Natur bestehen bleibe. Es würden also nicht 22 Hektar am Hohen Hagen versiegelt.

Freizeitanlage am Gaußturm: Sorge um Größe und Lärm

Auch der Kreisnaturschutzbeauftragte Prof. Dr. Ulrich Heitkamp sprach sich gegen die Entlassung aus dem Landschaftsschutzgebiet aus. Die geplante Freizeiteinrichtung würde die bereits vorhandenen Störungen durch den Ausflugsverkehr auf dem Hohen Hagen erweitern. Der zu erwartende Lärmanstieg wurde auch durch Nabu und BUND kritisiert. Ebenso sorgten sich Bürger um die Lärmbelästigung am Hohen Hagen, der als Wander- und Erholungsgebiet wertgeschätzt werde.

Nabu und BUND betonen den Schutz des am Hohen Hagen ansässigen Grauspechts, der vom Aussterben bedroht ist. In dem Gebiet kommen außerdem weitere geschützte Arten vor, wie Zauneidechsen und Fledermäuse. Nicht alle Tierarten seien im Plan bedacht worden.

Aus unserer bisherigen Erfahrung ist Lärm kein Problem

Christoph Brand

„Aus unserer bisherigen Erfahrung ist Lärm kein Problem“, sagt Christoph Brand. Beispielsweise hätte das Unternehmen in seinem Kletterpark am Steinhuder Meer Fledermausnisthöhlen installiert. Vor dem Bau des Parks sei die Population nicht eindeutig nachweisbar gewesen. Nun werde jährlich ein Gutachten erstellt und die Fledermäuse lebten im Park. Im Kletterpark Hochsolling seien morgens oft Spuren von Dammwild und Wildschweinen zu sehen.

Natur wertschätzen

Auch der Sinn eines Landschaftsschutzgebietes wurde angesprochen. So schrieb der Nabu, es wäre bei einer Entlassung „kritisch zu hinterfragen, ob die Bezeichnung „Landschaftsschutzgebiet“ der vorgeblichen Zielsetzung eines wirksamen und nachhaltigen Landschaftsschutzes in der Realität auch gerecht werden könne.

Ein beständiger Verlust solcher Gebiete ohne angemessenen Ausgleich sei auf Dauer nicht mit diesem Ziel vereinbar. „Mir ist es wichtig, Menschen die Natur und die Wertschätzung dafür nahe zu bringen“, sagt Christoph Brand. Das gelinge bei vielen Menschen durch Action und Spaß.

Freizeitanlage am Gaußturm: Forderungen an Planer

Nachdem das Gelände nun aus dem Landschaftsschutzgebiet entlassen wurde, fordern Nabu und BUND von der Bauleitplanung eine natur- und landschaftsschonende Vorgehensweise, schreibt Jürgen Endres vom NABU Samtgemeinde Dransfeld auf Nachfrage. Außerdem sollen die planungsrechtlichen Anforderungen und Vorgaben „voll erfüllt“, der „exorbitanten Flächenbedarf“ auf ein unerlässliches Maß reduziert und der Eingriff in mindestens gleichem Umfang und außerhalb des Entlassungsgebietes kompensieren werden. Zudem müsse ein ausreichender Mindestabstand zum angrenzenden FFH-Gebiet eingehalten, die geologisch hochwertigen Basaltterassen geschont und die ruhige Erholungsfunktion weiterhin gewährleistet werden.

Das soll am Hohen Hagen entstehen

Wie dem Antrag der Stadt Dransfeld zu entnehmen ist, plant der Investor ein Freizeit- und Abenteuergelände im Bereich des ehemaligen Steinbruchs Hoher Hagen. Das Konzept umfasst einen Hochseilgarten, Seilrutschen, Rutschen, Wallrunning und Freefall. Auch umweltpädagogische Elemente sollen das touristische Angebot in der Region stärken. Der Gaußturm soll als zentrale Infrastruktur dienen, hier soll auch ein Imbiss eingerichtet werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.