Sparen ist im Städtischen Museum schon Alltag

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Ans Licht geholt: Das Gemälde von Heinrich Pforr aus dem Jahr 1918 mit dem Hasen präsentierte Museumsleiterin Martina Krug kürzlich in der Sonderausstellung „Süße Löffel“.

Hann. Münden. Laut Sparvorschlag für den städtischen Haushalt sollen Archiv, Bücherei und Museum mit der Hälfte Geld auskommen. Wir haben nachgefragt: Wie sind die Einrichtungen derzeit aufgestellt? Heute: Das Museum.

Martina Krug ist als Leiterin des Städtischen Museums im Welfenschloss für fast 1000 Quadratmeter Fläche zuständig. Dabei sind in der Ausstellung nur knapp fünf Prozent der Schätze des Museums zu sehen, alles andere schlummert in Depots und muss auch dort immer wieder kontrolliert und gepflegt werden.

Rund 8000 Objekte gebe es in Museum und Magazin, davon seien inzwischen 6500 fotografiert und katalogisiert. Der Heimat- und Geschichtsverein Sydekum hat das Inventarisierungsprojekt im vergangenen Jahr unterstützt.

Ein einziges Objekt zu inventarisieren - fotografieren, digital bearbeiten, registrieren und in einem speziellen Sammlungsmanagementsystem dokumentieren - das könne schnell mal eine halbe Stunde dauern, sagt Krug. Das Ganze muss schließlich so gemacht werden, dass all diese Zeugnisse der Stadt- und Zeitgeschichte auch in Zukunft wiedergefunden, in den richtigen Zusammenhang eingeordnet und genutzt werden können.

Objekte angekauft habe das Museum in den vergangenen Jahren „nur minimal“. Überhaupt sei die Kapazitätsgrenze erreicht: Größere Sachen könne man gar nicht mehr annehmen, weil dann zusätzlicher Depotraum angemietet werden müsste - dazu ist kein Geld da. Theoretisch müsste man jetzt anfangen, Gegenstände aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu sammeln, aber das sei gar nicht möglich.

Die Dauerausstellung habe mittlerweile 20 Jahre auf dem Buckel und müsste eigentlich modernisiert werden. Doch auch dazu fehlt das Geld.

Insgesamt sind vier Personen in Teilzeit unter Vertrag: Museumsleiterin Martina Krug mit 25 Stunden pro Woche, zwei Kräfte mit je zwölf Stunden pro Woche und eine weitere mit 7,5 Stunden pro Woche, erläuterte Jürgen Wiemer, Leiter des Bereichs Gesellschaft und Soziales bei der Stadtverwaltung. Diese werden durch zwei Ehrenamtliche unterstützt.

Wenn das Museum geöffnet ist, müssen zwei Personen anwesend sein, um Aufsicht zu führen. Dieser Aufsichtsdienst, so geht aus dem Jahresbericht des Museums für 2014 hervor, wurde voriges Jahr an 29 Tagen von den Ehrenamtlichen unterstützt.

Sonderausstellung Apfelkultur: Ein alltägliches Obst in den Blickpunkt gerückt.

Rund 85 Prozent der Besucher, so Museumsleiterin Krug, seien Touristen. Schon jetzt werde sie immer wieder gefragt, warum dienstags nicht geöffnet ist, denn die meisten Museen haben typischerweise nur montags Ruhetag. Müsste man aus Spargründen die Öffnung noch stärker einschränken, ließe man die Touristen noch öfter vor der Tür stehen - nicht gut für eine Stadt, die so stark vom Tourismus abhängt wie Hann. Münden. 3124 Erwachsene sowie 775 Kinder und Jugendliche wurden im vergangenen Jahr als Besucher gezählt.

Über die Eintrittspreise erzeugt das Museum auch Einnahmen. Die Preise seien mit 2,50 Euro für Erwachsene und 1,80 Euro für Kinder (ab sieben Jahre) moderat, so Museumsleiterin Martina Krug. Würde man die Dauerausstellung modernisieren, dann könnte man auch die Eintrittspreise erhöhen.

In der Vergangenheit stand auch schon einmal der Vorschlag im Raum, Einnahmen zu erzielen, indem man Objekte aus dem Magazin verkauft. Das aber, so Bereichsleiter Wiemer, sei sehr umstritten und oft auch gar nicht möglich: Viele der Dinge wurden dem Museum von Privatleuten überlassen mit der Absicht, teils auch vertraglich festgelegt, dass sie im Museum für die Nachwelt erhalten bleiben.

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