"Variabilie" ist wie ein Puzzle, dass man immer neu zusammensetzen kann

Therapie-Spielzeug aus Hann. Münden: Kein richtig oder falsch

Hann. Münden. Nina Geling und Ekkahart Bouchon haben ein Holzspielzeug entwickelt, das auch therapeutisch eingesetzt werden kann. Jetzt wollen sie ein größeres Publikum erreichen.

Es ist wie ein Puzzle, nur, dass es weder „richtig“ noch „falsch“ gibt, wenn man die Holzteile dieses Spielzeugs zusammenfügt. Es entsteht immer wieder Neues, solange die Balance stimmt.

„Variabilie“ haben Nina Geling und Ekkahart Bouchon ihr künstlerisches Spielzeug genannt, das ein russischer Psychologe auch als „Art-Therapie“ bezeichnete, wie Geling berichtet. Denn: Weil es wie nebenbei Kreativität, Konzentration und Kommunikation fördert, lasse es sich auch gut zu therapeutischen Zwecken einsetzen. Damit wollen die Künstler und Erfinder nun auch in Deutschland ein größeres Publikum erreichen als bisher und sind auf der Suche nach Kooperationspartnern.

Bei einer Spielemesse in Bremen haben sie gerade Kontakte zu zwei Firmen geknüpft, auf deren Antworten warten sie noch. Aber auch sonst strecken die Erfinder ihre Fühler aus. Gesucht wird ein Spielzeughersteller, der Variabilie produziert, ohne jedoch das Künstlerpaar einzuschränken. „Ich möchte es dann trotzdem auch weiter selbst herstellen und damit arbeiten können“, sagt Ekkahart Bouchon. An Projekte mit Flüchtlingen denkt er dabei, die in der Werkstatt mitarbeiten können, auch eine Zusammenarbeit mit den Göttinger Werkstätten kann er sich vorstellen.

Ein Patent hat das Ehepaar bereits auf Variabilie und erhielt in Russland auch eine Expertise, die dem Spielzeug das Prädikat „pädagogisch wertvoll“ bescheinigt. Dort haben die Künstler auch, wissenschaftlich begleitet, mit ihrem Spielzeug mit behinderten Kindern gearbeitet und vor allem bei Autisten seien große therapeutische Erfolge erzielt worden, berichten sie. „In Russland wird das Thema erforscht“, sagt Nina Geling, und sie und ihr Mann seien in diese Forschung eingebunden, haben ihr Spielzeug auf Fachtagungen vorgestellt. In Deutschland hingegen gebe es von Therapeutenseite bisher kaum Interesse, bedauern sie.

Ein Puzzle für Kreativität: Variabilie heißt das pädagogische und therapeutische Spielzeug, das Künstlerin Nina Geling (Foto) und ihr Mann Ekkahart Bouchon entwickelt haben.

Dabei seien die Experten aus der ersten Reihe total begeistert: In Kindergärten im Altkreis Münden ist das Spielzeug schon im Einsatz und komme bei Kindern wie Erzieherinnen super an.

„Wir sind keine Therapeuten, wir sind Künstler“, sagt Nina Geling, sie könnten selbst natürlich keine „Therapie“ anbieten. Aber Erfahrungen zeigten immer wieder, wie der Umgang mit Variabilie „die Seele öffnet“, Blockaden löse, so Geling. In einer psychologischen Praxis liege das Spielzeug auf dem Tisch. Patienten, die damit nebenher spielten, sei dadurch das Reden leichter gefallen, nennt Geling ein Beispiel.

Sie hätten nicht die Absicht, mit einer größeren Vermarktung Geld verdienen zu wollen, betonen Bouchon und Geling. Vielmehr gehe es ihnen darum, ihre Idee, ihre Methode weiter zu verbreiten.

Ein Puzzle und doch kein Puzzle: Diese Holzteile lassen sich eng aneinander legen, aber es bleiben immer auch Lücken. Es gibt keine Norm, kein „perfekt“, aber viel „schön“.

Sie hätten dieses Spielzeug nun Variabilie genannt, beschreibt es Nina Geling, in Anlehnung an die Begriffe „Mobile“ und „Stabile“ in der Kunst - und das sei neu. Aber eigentlich gebe es „Variabilie“ schon immer: Im Tanz oder beim Singen seit frühester Zeit gingen Menschen aufeinander zu und kombinierten einzelne Teile frei zu etwas Neuem - das sei eine natürliche Form der Kommunikation.

Kontakt: Galerie Dreiklang, Hannoversche Straße 2, Hann. Münden, www.galerie-dreiklang.de, Tel. 05541/955636 oder Tel. 0162/3588969.

Rubriklistenbild: © Sangerhausen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.