Erlebnisse fürs Leben

Spurensuche am ehemaligen Schullandheim des Landkreises Münden in Pelzerhaken

Jugend- und Schullandheim Pelzerhaken: Diese Aufnahme aus dem Jahr 1960 zeigt Gebäude und Außenanlagen der Einrichtung des damaligen Landkreises Münden.
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Jugend- und Schullandheim Pelzerhaken: Diese Aufnahme aus dem Jahr 1960 zeigt Gebäude und Außenanlagen der Einrichtung des damaligen Landkreises Münden.

Generationen haben Erinnerungen an Pelzerhaken, jenen Ostsee-Ort, an dem das Landschulheim des Landkreises Münden stand. Christian Mühlhausen hat vor Ort Zeitzeugen getroffen, die wir in loser Folge vorstellen.

Hann. Münden – Wer heute nach Pelzerhaken fährt, einem kleinen Dorf an der Ostsee halbwegs zwischen Lübeck und Fehmarn in Ostholstein gelegen, findet einen Ort vor, wie es viele dort gibt: Meer und Strand, historischer Ortskern mit Kirche und alten Häusern, darum ein mächtiger Speckgürtel, der die touristische Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte in diesen Orten sichtbar macht. Ferienhäuser, Appartements, Campingplätze mitsamt der nötigen Infrastruktur wie Restaurants und Läden, Fahrradverleihen und Surfschulen.

Und doch ist für Südniedersachsen – insbesondere für die Altkreis-Mündener – etwas anders in Pelzerhaken. Erinnerungen werden wach an unbeschwerte Sommertage an der Ostsee, an Sport und Freizeit, an erste Liebeleien, an Aktivitäten außerhalb des ungeliebten Suchradars der Eltern. Und besorgte Mütter erinnern sich vielleicht noch an die alte Postleitzahl 2430, wenn sie den Sprösslingen Wäsche oder andere Utensilien nachschickten – oder einfach nur einen Gruß und Neuigkeiten aus der Heimat in einer Zeit, in der es weder E-Mail noch Handy gab.

Ein halbes Jahrhundert

Pelzerhaken mit seinem damaligen Landschulheim des Landkreises Münden, später Göttingen, war für ein halbes Jahrhundert die Destination für Generationen von Schulklassen aus der Region, für Schülerfreizeiten des Kreissportbundes in den Sommerferien, aber auch für etliche Vereine, Verbände und Gruppen. Auch für den Autor.

Mit dem Verkauf und schließlich dem Abriss des Heims 2014 endete eine Ära, an die sich noch heute Menschen in der Region erinnern.

Wer sich heute auf die Suche macht nach der Stätte, wo einst schöne Sommertage verbracht wurden, steht etwas ratlos an der Strandpromenade östlich von Ortskern und Seebrücke. Keine Spur, keine Erinnerungstafel, keine Hinterlassenschaft verweist heute mehr auf dieses auch für das Dorf Pelzerhaken prägende Kapitel.

Nur ein paar Kiefern haben die alte Zeit überdauert.

Man hat diese Vergangenheit, die zum Schluss etwas unrühmlich war, offenbar deutlich weniger berührt hinter sich gelassen als in Hann. Münden. Statt Unterkunftsbauten und dem markanten achteckigen Speisesaal, Schwimm- und Sporthalle prägen heute moderne, vierstöckige Bauten mit Ferienwohnungen und Läden im Erdgeschoss die erste Reihe zur Strandpromenade. Gebaut vom Hamburger Bauunternehmen Wulff und an Investoren verkauft, locken heute die unter dem neuen Kunstnamen „Südkap“ vermarkteten Wohnungen zahlungskräftige Kunden an. Eine Woche im Juli kostet je nach Lage dort zwischen 800 und 1400 Euro pro Woche.

Nur ein paar Kiefern haben die alte Zeit überdauert. Daneben, wo sich einst der Tennisplatz und das zum Landschulheim gehörige „Haus am Meer“ befand, stehen heute Ferienhäuser mit Kunst-Reetdächern. Und gegenüber, wo lange Zeit direkt am Strandweg ein altes U-Boot stand, wurde stattdessen ein großer Anker aufgebaut.

Pelzerhaken: Blick auf das Gelände heute von der Seebrücke aus.

„Die Schauende“ jetzt auf dem Doktorwerder

Die lange vor der Anlage an der Promenade wachende Skulptur „Die Schauende“ des Mündener Künstlers Heinz Detlef Wüpper ist fort, sie steht heute in der Dreiflüssestadt auf dem Doktorwerder und blickt statt auf die Ostsee nun auf die kleine Weser.

Geblieben sind in Pelzerhaken nur die malerischen Dünen vorm Haus und der wunderschöne, im übrigen einzige tatsächliche Südstrand an der Lübecker Bucht mit ihrer Ostsee, die sich offenbar nicht im Geringsten darum schert, welche Bauten an ihren Ufern stehen. (Christian Mühlhausen)

Schicken Sie uns Ihre Erinnerungen 

Haben auch Sie, liebe Leserinnen und Leser, schöne Tage im Landschulheim am Ostseestrand erlebt? Haben Sie Anekdoten oder Geschichtliches zu erzählen, etwa als Teilnehmer, Betreuer oder Lehrer? Berichten Sie von Ihren Erlebnissen, vielleicht haben Sie ja auch noch Fotos von damals, die wir veröffentlichen dürfen. Wir freuen uns über Ihre Zuschriften per Mail (hann.muenden@hna.de), Post (Kirchstraße 3, 34346 Hann. Münden) oder Telefon (05541/983915).

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