Stadtarchivar Stefan Schäfer fordert Unterstützung

Stadtarchiv Hann. Münden: Schimmel bedroht Akten

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Die Macher der Ausstellung „Aufbruch in die Demokratie – Revolution zwischen Weser und Leine“ Wolfgang Schäfer, Stefan Schäfer, Daniel Althaus und Bürgermeister Harald Wegener (von links).

Das Stadtarchiv Hann. Münden hat mit zwei Problemen zu kämpfen: Viele Akten sind von Schimmel, Verschmutzung und Papierzerfall bedroht und die Erhaltung digitaler Bestände hapert.

Hann. Münden – Hann. Mündens Stadtarchivar Stefan Schäfer sorgt sich gleich in zweifacher Hinsicht um den Erhalt des Stadtgedächtnisses: Viele Akten seien von Schimmel, Verschmutzung und Papierzerfall bedroht. Außerdem werde die Erhaltung digitaler Bestände „nicht systematisch angegangen“.

Diese geharnischte Kritik äußerte er in seinem Jahresbericht 2019, den er jetzt dem Gesellschaftsausschuss der Stadt vorlegte. Schäfer wird in seinem Bericht konkret: „Fakt ist, dass mehrere hundert Regalmeter bereits im Archiv liegender Unterlagen noch konservatorisch und erschließungstechnisch aufgearbeitet werden müssen.“

Stadtarchiv Hann. Münden: Neuverpackung und Einlagerung von Beständen

Allerdings gibt es auch Lichtblicke. So „erbte“ die Stadt von Göttingen Schwerlastregale mit einem Umfang von rund 300 Regalmetern, die die Uni-Stadt nicht mehr benötigte. Ein Teil davon wird in einem frei gewordenen Magazinraum im Erdgeschoss des Welfenschlosses aufgestellt, der bislang zur Stadtbücherei gehörte. Damit werden die Neuverpackung und Einlagerung von Beständen fortgesetzt, mit der eine komplette Revision aller vor 2001 geleisteten Arbeiten verbunden ist.

„Seinerzeit wurden zu kleine und zudem säurehaltige Kartonagen angeschafft. Die oft nicht in den Karton hineinpassenden Aktendeckel wurden beschnitten. Eine Reinigung der Akten, meist von Rußablagerungen geschädigt, erfolgte nicht nachhaltig.“ Ziel ist unter anderem eine bessere Übersicht über die Bestände und über den Grad der Schädigung.

Gute Lagerung der Bestände ist wichtig

„Nur wer die Akten in der Hand gehabt und gesichtet hat, kann alle weiteren Maßnahmen konservatorischer Natur zielgerichtet steuern. Eine gute Lagerung gehört hier an erste Stelle.“ Nutzbar macht das Archiv Unterlagen durch die Erfassung in einer Software. Zum Stichtag 31. Dezember 2019 waren 14.536 Unterlagen erfasst.

Zur Sicherung von elektronischen Daten, schreibt Schäfer, werde das „Feld der Übernahme digitaler Daten aus Fachverfahren nicht systematisch angegangen“. Diese Grundlagenarbeit könne nur durch eine Arbeitsgruppe gelöst werden. Die digitale Langzeitarchivierung müsse aktiv angegangen werden

Online im Stadtarchiv Hann. Münden forschen

Wer sich online über den Bestand des Mündener Stadtarchivs einen Einblick verschaffen will, kann dies auf der Homepage der Stadt hann.muenden.de unter dem Reiter Stadtarchiv tun. Dort ist unter dem Button Dokumente das „Findbuch - Mittlere Registratur“ als PDF-Datei eingestellt.

Wer sich beispielsweise für das Vereinsleben interessiert, entdeckt in der rund 950 Seiten umfassenden Sammlung vieles, was in der Stadtdebatte eine wichtige Rolle gespielt hat.

Stadtarchiv und Stadtmuseum in Hann. Münden arbeiten zusammen

Die Zusammenarbeit von Hann. Mündens Stadtarchiv und dem Stadtmuseum bei Ausstellungen hat sich bewährt. Das wurde in den Berichten der beiden Leiter Stefan Schäfer und Martina Krug im Gesellschaftsausschuss der Stadt deutlich.

Zu einem Publikumsrenner entwickelte sich die Ausstellung „Willkommen in Hannoversch Münden – Eine Stadt im Aufbruch in die Moderne – Münden 1959 bis 1969.“ Grundlage war der Nachlass der Mündener Hobbyfotografen Walter Sterner (1925–2014) und Georg Prochnow (1920–1989), deren Schätze erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurden.

Ausstattungsgegenstände wie Möbel, stammten aus einigen Mündener Haushalten, dem hiesigen Museumsbestand und dem Museum Uslar. 1315 Besucher zählte die Ausstellung nach Angaben von Museumsleiterin Martina Krug.

Ausstellung zum Thema „Insekten am Limit – Das leise Verschwinden der Arten“ geplant

Anspruchsvoll war die zweite Schau „Aufbruch in die Demokratie -– Revolution zwischen Weser und Leine“, die in Zusammenarbeit mit dem Museum der Stadt Uslar entstand.

In ihr ging es um die Zeitenwende nach dem 1. Weltkrieg. Die Ausstellung war sowohl in Hann. Münden als auch in Uslar zu sehen. Sie wollten 611 Interessierte sehen. Die Ausstellung „Heimat ist…“ zählte 481 Gäste.

In diesem Jahr plant das Museum vom 5. April bis zum 16. August eine Exposition zum hochaktuellen Thema „Insekten am Limit – Das leise Verschwinden der Arten“. Sie wird in Zusammenarbeit mit dem Naturkundemuseum Kassel sowie dem Arbeitskreis „Wildbiene Göttingen & Bürgerinitiative Münden blüht und summt“ gezeigt.

Dieses Thema wird auch am Internationalen Museumstag am 17. Mai im Mittelpunkt stehen. Vom 5. September bis 20. Dezember gibt es einen Überblick und eine Annäherung an das Leben und Werk des Mündener Künstlers und Ortsheimatpflegers Alfred Hesse in Kooperation mit dem Mündener Kunstnetz.

Erfolg auch in Bonn und Düsseldorf mit Eberlein

Im vergangenen Jahr lag die Besucherzahl des Museums bei 3403. Im Jahr davor waren es 2166 Gäste. Die Sammlungsdatenbank wies Ende 2020 einen Dokumentationsstand von 7325 Objekten, 948 Büchern und 23 audiovisuellen Medien auf.

Der Entwurf des Goethe-Denkmals des eng mit Hann. Münden verbundenen Bildhauers Gustav Eberlein (1847-1926), der vom 17. Mai bis 15. September 2019 in der Sonderausstellung „Goethe. Verwandlung der Welt“ in der Bundeskunsthalle Bonn gezeigt wurde, steht jetzt als Dauerleihgabe im Goethemuseum Düsseldorf, wie Museumsleiterin mitteilt

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