Mündener Stadtwald

Buchensaat mit zwei PS: Försterin setzt wieder Pferde ein

Kraftvoll: Die Kaltblüter Lukas und Löki zogen mit ihrem Führer Daniel Hoffmann den Pflug durch den Wald. Fotos: Huck

Hann. Münden. Die Arbeit mit Pferden im Wald ist selten geworden. Jetzt setzte Försterin Susanne Gohde aber zwei Kaltblüter bei der Buchensaat im Stadtwald ein.

860 Kilogramm, so viel wie zehn erwachsene Männer und fast so viel wie ein Pkw, wiegen die Pferde von Daniel Hoffmann aus Kirchheim. Die beiden Rheinisch-Deutschen Kaltblüter waren am Freitag und Samstag im Stadtwald im Revierteil Blümer Berg im Einsatz.

Lukas und Löki sind beide zwölf Jahre alt und erfahrene Rückepferde. In Hann. Münden wurden sie jetzt bei der Buchensaat eingesetzt. Sie verstehen Kommandos wie „weiter links“ sowie „vorwärts“ und „zurück“ und hören genau darauf, was ihr Führer sagt. Darum müssen sie auch nach einigen Stunden eine Pause einlegen. Nicht weil den imposanten Tieren die Kraft fehlt, sondern weil ihre Konzentration nachlässt, erklärt Kirsten Wipke, Fachfrau für die Arbeit mit Pferden in der Forstwirtschaft, die ebenfalls an der Pflanzaktion teilnahm.

Christoph Schmitz baut moderne Zuggeräte für Rückepferde. Er war mit einem Pflug und einer Sämaschine gekommen, um zusammen mit den Pferden von Daniel Hoffmann Bucheckern in Fichtenbeständen zu säen. „In Zukunft soll hier ein Mischwald aus Buche und Fichte mit Lärche wachsen“, erklärt Susanne Gohde, Leiterin des Betriebs Stadtwald. Sie hatte das Team engagiert, um in kurzer Zeit möglichst viele neue Bäume zu säen, ohne dabei den Boden zu beschädigen.

Wie beim Holzrücken auch richten schwere Maschinen einen weitaus größeren Schaden im Erdreich an, als arbeitende Pferde. „Waldboden, der durch das Befahren mit Maschinen geschädigt wurde, braucht bis zu 70 Jahre, um sich wieder zu akklimatisieren“, berichtet Försterin Gohde.

Aussaat: Mit einer Sämaschine bringt Christoph Schmitz die Bucheckern in den Boden.

Keine Bodenschäden

Pferde richten diesen Schaden bei ihrer Arbeit nicht an und sind deshalb die bessere Wahl. Allerdings ist der Einsatz von Tieren seit den 90er Jahren immer weiter zurückgegangen. Maschinen arbeiten meist schneller und kostengünstiger.

Lukas und Löki zogen am Freitag und Samstag einen Pflug durch das Areal am Blümer Berg, um den Boden von der dicken Streuschicht aus Nadeln zu befreien. Erst im weniger sauren Boden unter der Nadeldecke kann das Saatgut erfolgreich keimen.

Im Anschluss fuhr Christoph Schmitz mit einer Sämaschine über die zwischen 20 und 40 Zentimeter breiten Pflugstreifen und säte im Abstand von etwa zehn Zentimetern vorgekeimte Bucheckern in den freigelegten Oberboden ein.

Der Betrieb Stadtwald erhofft sich eine Erfolgsquote von etwa 50 Prozent. Das bedeutet: Aus etwa der Hälfte der gesäten Bucheckern werden später tatsächlich Bäume. „Das Verfahren der Freisaat von Saatgut ist schon so alt wie die Forstwirtschaft selbst“, sagt die Expertin Kirsten Wipke.

In den vergangenen Jahren sei diese Methode allerdings immer mehr in Vergessenheit geraten, sodass viel Wissen wieder neu aufgebaut werden muss.

Je nach Witterung soll der Erfolg in etwa zwei bis vier Wochen zu sehen sein, wenn die ersten gekeimten Buchensämlinge ihre Köpfe aus der Erde stecken.

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