Neuer Wald per Lkw-Lieferung

Stadtwald Münden wird nach Sturm aufgeforstet

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Die Pflanzunternehmer Martin Küpperbusch (links), Torben Füllgrabe und Petra Dewald pflanzen Sätzlinge am Blümer Berg in Hann Münden, der durch Borkenkäfer und Sturm Friderike beschädigt wurde.

Trockenheit, Borkenkäferbefall und Sturmschäden sind die Themen, mit denen die Landesforsten seit vergangenem Herbst zu kämpfen haben.

Nun kommt eins hinzu: Corona. Doch wie gehen sie damit um und wie groß sind die Schäden? Die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.

Was beschäftigt die Landesforsten zur Zeit?

Dürre, der Borkenkäfer und Stürme haben den Wald stark geschädigt. Laut Michael Rudolph, regionaler Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten müssen insgesamt 10 000 Hektar kahle Stelen im Süden von Niedersachsen in den kommenden vier Jahren wieder bewaldet werden. Die Aufforstung laufe schon seit vergangenem Herbst. Die acht Forstämter in Harz, Solling und der Region Göttingen wollen insgesamt 2,2 Millionen neue Bäume in der laufenden Pflanzsaison bis Ostern in den Boden setzen.

Inwiefern schränkt die Coronakrise die Arbeit ein?

„Corona betrifft auch die, die draußen arbeiten“, so Rudolph. Beim Pflanzen auf den Kahlflächen könne man aber gut einen Abstand einhalten, zumal die Reihen sowieso zwei Meter auseinander seien. Um die Jungpflanzen zu setzen, greife man jetzt auch auf die Mitarbeiter, Praktikanten und Freiwillige zurück, die sonst in den geschlossenen Waldpädagogikeinrichtungen arbeiten. Auch Forststudenten der HAWK in Göttingen helfen.

Was ist dieses Jahr noch schwierig?

„Wir haben ein schmales Zeitfenster“, sagt Rudolph. Da es kaum Frost und keinen Schnee gab, beginne jetzt der Endspurt der Aufforstung. Die warmen Temperaturen seien ungünstig und könnten die Zeit bis Ostern noch verknappen. Bestes Pflanzwetter sei eigentlich eher kühl und nass. Wenn die Bäume austreiben, sei Schluss.

Aufforstung in Coronazeiten: Die Zwangspause im Hörsaal nutzen fünf Göttinger Forststudenten, um bei der Wiederaufforstung zerstörter Harzwälder zu helfen. Nahe der Okertalsperre laden sie 20 000 Minibäume vom Lkw und pflanzen daraus klimastabile Mischwälder.

Wo sind die Schäden besonders groß?

Mit 110 Hektar die größte zusammenhängende Kahlfläche haben Stürme und der Borkenkäfer in der Försterei Ellershausen in der Samtgemeinde Dransfeld hinterlassen, teilen die Niedersächsischen Landesforsten mit.

Wie läuft die Aufforstung?

Die Landesforsten „ernten“ ihre eigenen Bäume, erklärt Rudolph. Das bedeutet, sie ziehen aus den Samen ihrer Bäume Saatgut und bereiten dieses auf. Dann geben sie es an Baumschulen, die daraus Bäume ziehen und sie zwei bis drei Jahre später an die Landesforsten abgeben. Ganze Lkw-Ladungen neuer Waldbäume werden derzeit auf die Pflanzflächen im Harz, nach Holzminden und Dassel im Solling oder in die Reviere zwischen Northeim und Hann. Münden geliefert.

Was kostet das?

Die Kosten der Aktion hängen von der Baumart ab, denn es gibt unterschiedlich teure Arten, so Rudolph. Ein Hektar Aufforstung kann demnach in etwa zwischen 8000 und 20 000 Euro kosten. Eichen seien momentan sehr gefragt, sagt die Leiterin des Hann. Mündener Stadtwalds, Susanne Gohde. Die Preise des wärmeresistenteren Baums seien um 30 Prozent gestiegen und das Saatgut werde knapp, da in den vergangenen zwei Jahren wegen der Trockenheit keins gewonnen werden konnte.

Petra Dewald schützt die Sätzlinge gegen Wildtiere. 

Wie sieht es im Mündener Stadtwald aus?

Auch im Stadtwald wird aufgeforstet, „im riesigen Stil“, bestätigt Gohde. Insgesamt seien durch Trockenheit, Sturmschäden und den Borkenkäfer 500 Hektar Kahlfläche entstanden. Das entspricht 20 Prozent des Mündener Stadtwalds. „In dieser Saison wollen wir 100 Hektar aufforsten“, erklärt Gohde. Dafür werden schätzungsweise 500 000 Bäume benötigt. „Ab November konnten wir fast durchpflanzen, sonst hätten wir das gar nicht geschafft“, sagt Gohde. Die Pflanzzeit ende an Ostern. Bis 2021 sollen 300 der 500 Hektar aufgeforstet sein. Gohde rechnet damit, dass 2024 alles aufgeforstet ist. Die Kosten schätzt sie auf 3 Millionen Euro.

Werden beständigere Bäume gepflanzt?

Ja, auch. Allerdings weist Rudolph darauf hin, dass der Wald nicht wie die Landwirtschaft funktioniert, bei der im Folgejahr das Feld mit etwas anderem bestellt werden kann. Die Planungszeiträume seien viel länger. „Wir können aber gegensteuern“, sagt Rudolph. Beispielsweise würden mehr Eichen in Mischwäldern eingesetzt, die seien wärmeresistenter. Für den Harz gelte das nicht, da würde die Eiche erfrieren.

„Wir wollen eigentlich keine Kahlflächen“, sagt Rudolph. Aber sie böten die Chance, bei Null anzufangen und so auch angepasstere Arten zu pflanzen.

Welche Folgen hat Corona noch?

Rudolph schätzt, dass jetzt mehr Menschen wieder eher im Wald Erholung suchen, wenn Fitnessstudios zu haben. Für Rudolph eine positive Entwicklung.

Wie lange dauert es, bis die nachgepflanzten Bäume wieder wie ein Wald aussehen?

Das kommt auf die Baumart an, erklärt Rudolph. Fachleute sprechen von der Umtriebszeit, also die Zeit, bis Holz geerntet werden kann. Bei einer Fichte dauert das bis zu 100 Jahren, eine Buche kommt auf bis zu 140 Jahren und die Eiche kann bis zu 300 Jahren brauchen.

„Der Borkenkäfer erwacht jetzt aus der Winterruhe“

Ab 17 Grad Celsius beendet der Borkenkäfer seine Winterruhe, erklärt Michael Rudolph, regionaler Sprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Er komme dann aus seinem Winterversteck, dem Waldboden oder der Baumrinde und beginne mit dem Schwärmflug. „Er sucht sich dann ein Brutrevier, was in der Regel ein schwacher Baum ist.“ 50 bis 60 Jahre seien diese Bäume alt, die die Borkenkäfer bevorzugt als Brutplätze nutzen. „Jede Baumart hat andere Borkenkäfer“ erklärt Rudolph. Hat der Käfer einen Baum gefunden und nistet sich dort ein, reagiert der Baum mit Harz, um sich zu schützen. 

Das hat laut Rudolph dann zur Folge, dass die Bäume austrocknen. Das Harz ist auch ein Zeichen, an dem Waldarbeiter befallene Bäume erkennen können, sie fällen und so schnell wie möglich aus dem Wald herausschaffen müssen, um so die erste Generation des Käfers zu bekämpfen. Bereits gefällte, tote und junge Bäume seien für den Käfer übrigens uninteressant.

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