Besuch von Olaf Lies

Stall mit Ausblick in Hann. Mündener Ortsteil: Landwirt schafft neuen Platz für 100 Tiere

Weithin sichtbar: der neue Stall von Denis Schmahl in Lippoldshausen.
+
Weithin sichtbar: der neue Stall von Denis Schmahl in Lippoldshausen.

Der Landwirt Denis Schmahl aus Lippoldshausen (Ortsteil von Hann. Münden) hat einen neuen Stall bauen lassen. Dieser hat für bis zu 100 Tiere Platz. Möglich machte dies ein Programm des Landes Niedersachsen und der EU.

Lippoldshausen – Über eines können sich die Rinder von Denis Schmahl ab November zumindest schon mal nicht beklagen: eine schlechte Aussicht. Denn weit reicht der Blick vom gerade neu gebauten Stall über große Teile der Gemarkung bis in den Kaufunger Wald, ins Werratal nach Laubach und nach Wiershausen im Westen. Fast hat es den Charakter einer Alm.

Stall für bis zu 100 Tiere in Lippoldshausen (Hann. Münden)

Handwerker sind mit den letzten Arbeiten beschäftigt, Elektroleitungen werden verlegt, Wandplatten festgeschraubt. In wenigen Wochen soll der große, luftige Stall für bis zu 100 Tiere fertig sein und die Bullen sowie 40 Mutterkühe mit Kälbern hier einziehen, die von Frühling bis Herbst auf den Weiden der Region grasen und bisher im Winter auf dem Hof in den Altgebäuden untergebracht waren: Dort ist wenig Platz, in den Ställen wenig Tageslicht, arbeitswirtschaftlich mit viel Handarbeit für eine Person am Rande des Machbaren und auch keine Perspektive für eine sinnvolle Erweiterung.

Seit knapp einem Jahr baut Denis Schmahl mit Unterstützung seiner Familie daher nördlich des Dorfes einen neuen Stall mit Heu- und Stroh- sowie Mistlager.

Programm der EU und des Landes Niedersachsen

Möglich macht das auch das Programm ELER, ein von EU und dem Land Niedersachsen finanziertes Förderprogramm, das über die Richtlinie „EELA“ (Erhaltung, Entwicklung und Wiederherstellung von Lebensräumen und Arten der ländlichen Landschaften) das Stallbau-Projekt mit 80 Prozent der anrechenbaren Kosten unterstützt - schwerpunktmäßig in Natura-2000- (wie etwa die FFH-Gebiete) sowie Naturschutzgebieten Niedersachsens. Hinter dieser Förderung steht auch eine Gegenleistung: Schmahl ist der letzte Rinderhalter im Dorf und muss sich mit der Förderung für 15 Jahren verpflichten, den Stall auch so zu nutzen.

Er sorgt mit seiner Herde dafür, dass viele Flächen des wertvollen so genannten „mesosphilen Grünlands“ weiterhin genutzt und damit gepflegt werden. Oft sind das unbefahrbare Lagen, an denen kein Schlepper mit Mähwerk vordringen kann, aber ein Rind. Unterbleibt dort die Nutzung, so verbuschen diese Flächen innerhalb von wenigen Jahren und der Lebensraum geht verloren. Rund 55 der 80 Hektar, die Schmahl bewirtschaftet, sind mesophiles Grünland. Ergänzt wird die Beweidung in Teilen von Schafen und Ziegen, die die aufkommende Verbuschung kurz halten.

Lippoldhausen ist ein „Highlight“

Die Pflege solchen wertvollen Grünlands sei ein weitreichendes Problem in der Region, zumal die Mutterkuhhaltung an sich unwirtschaftlich sei, erläuterte Ute Grothey kürzlich bei einem Ortstermin mit Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies. Wertvoll sei sie aber für den Naturschutz. Und der brauche unverzichtbar die Landwirte mit Weidevieh. „Wenn wir auch künftig Weidetierhaltung wollen, dann müssen wir das unterstützen.“

Es gehe darum, die verbleibenden Tierhalter in der Fläche zu halten und so die Weidetierhaltung in Südniedersachsen zukunftssicher zu gestalten. Gerade Lippoldshausen sei mit seinen Streuobstwiesen und seinem artenreichen Grünland in der gewachsenen Kulturlandschaft ein „Highlight“, so Grothey.

Land Niedersachsen unterstützt Bauprojekte

Der Landschaftspflegeverband koordiniert die Zusammenarbeit mit dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft Küsten- und Naturschutz (NLWKN), einer Fachbehörde des Umweltministeriums. Dem Rinderhalter Denis Schmahl, der hauptberuflich Koch im elterlichen Gasthaus Zum Krug ist und seine Tierhaltung scherzhaft als „etwas ausgeartetes Hobby“ bezeichnete, bescheinigte Ute Grothey „ein Händchen für die Tiere“ zu haben, zudem würde er sich gut mit den schützenswerten Pflanzen und den Naturschutzprogrammen auskennen.

Wie schon zwei weitere Ställe im Landkreis Göttingen in Walkenried und Wollershausen habe auch hier das NLWKN das Vorhaben unterstützt, in Lippoldshausen mit einem mittleren sechsstelligen Betrag. Im Jahr 2018 kam die Bewilligung, zuvor habe man sich diese Entscheidung reichlich überlegt, sagt Schmahl. Eingeladen zu dem Termin mit Minister, Ortsrat Lippoldshausen, Landschaftspflegeverband und Landvolk hatte Lippoldshausens Ortsbürgermeister Gerd Hujahn (SPD).

Paradebeispiel für gute Landschaftspflege

„Wir möchten Dir heute zeigen, dass hier in Südniedersachsen die Ansprüche, Herausforderungen und der Pflegeaufwand ans Grünland andere sind als bei Euch im Norden“, sagte Hujahn an Lies gerichtet. Zumal das Projekt in Lippoldshausen ein Paradebeispiel dafür sei, welche gute Arbeit Landschaftspflegeverbände leisten würden, die im gemeinsamen Dialog die Interessen von Naturschutzverbänden, Landwirtschaft und Kommunalpolitik sowie der Verwaltung bei der Umsetzung von Naturschutz und Landschaftspflege berücksichtigen. (Von Christian Mühlhausen)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.