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Aus für Contiwerk in Hann. Münden: Bis zu 350 Arbeitsplätze fallen weg - auch Northeim betroffen

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Von: Thomas Schlenz, Axel Gödecke

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Eingang des Conti-Werkes in hann. Münden an der Kasseler Straße.
Werk von Continental in Hann. Münden. Der Standort soll geschlossen werden, teilt das Unternehmen mit. © Kira Müller

Das Contiwerk in Hann. Münden schließt. Das teilte Continental am Freitag (24.06.2022) mit. Bis zu 350 Arbeitsplätze sollen wegfallen, die Produktion soll gebündelt werden.

Hann. Münden/Oedelsheim/Northeim – Der Standort Hann. Münden von Contitech MGW wird aufgegeben. Das hat das Unternehmen Continental am Freitag (24.06.2022) in einer Pressemitteilung bekannt gegeben. Der bisherige Standortverbund mit Oedelsheim (Landkreis Kassel) soll in Oedelsheim zusammengeführt werden.

Hann. Münden: Continental schließt das Werk

Von den bisher rund 560 Mitarbeitern in Hann. Münden müssen bis zu 350 gehen, etwa 190 sollen ein Angebot erhalten, künftig in Oedelsheim weiter zu arbeiten. Insgesamt sind an beiden Standorten laut Continental derzeit noch rund 750 Mitarbeiter beschäftigt.

Bürgermeister Tobias Dannenberg (CDU)

„Das ist ein schwarzer Tag für unsere Stadt“, sagte Hann. Mündens Bürgermeister Tobias Dannenberg nach der Bekanntgabe der ContiTech-Werksschließung. „Es ist sehr schade, dass diese strategische Unternehmensentscheidung gegen den Standort Hann. Münden getroffen wurde“. Die Stadt hoffe, dass alle Kündigungen „möglichst sozialverträglich ablaufen“. Zum weiteren Verfahren „werden wir umgehend das Gespräch mit der Betriebsleitung suchen.“

Der Betriebsrat in Hann. Münden wollte sich zu den aktuellen Entwicklungen am Freitag noch nicht äußern. Man sei noch in Gesprächen mit der Geschäftsleitung, hieß es. Die Produktion in Hann. Münden soll laut Continental bereits 2024 enden. Bis dahin sei ein schrittweiser Abbau der Arbeitsstellen geplant. Für die vom Arbeitsplatzabbau betroffenen Mitarbeiter gebe es einen Rahmensozialplan und Weiterbildungsangebote, damit diese möglichst schnell wieder auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen könnten.

Standort Oedelsheim (Kreis Kassel) soll gestärkt werden

Durch den Fokus auf Silikonfertigung und Ladeluftschläuche werde der Contitech-Standort in Oedelsheim künftig gestärkt. Dort gebe es wegen der Lage des Standortes zudem mehr Erweiterungspotenzial als in der Dreiflüssestadt. Die Schließung des Werks in Hann. Münden ist laut Continental Teil einer Transformation und Neuausrichtung der deutschen Produktionsstandorte, von der insgesamt 870 Arbeitsplätze betroffen sind. Im Contitech-Werk in Northeim sollen ebenfalls etwa 300 Stellen wegfallen.

Als Gründe nennt der Konzern das Auslaufen des Verbrennermotors und die Wende zur Elektromobilität, durch die beispielsweise bestimmte Schläuche nicht mehr benötigt würden.

Kritik von Gewerkschaft an Continental

Die beabsichtigte Schließung des Standorts Hann. Münden und der geplante Arbeitsplatzabbau in Hann. Münden und Northeim hat zu kritischen Reaktionen geführt: „Dieser personelle Kahlschlag ist eine Offenbarung für die Transformationskompetenz der ContiTech AG“, teilte die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) mit.

Anstatt die südniedersächischen Belegschaften für die Herausforderungen der Zukunft zu gewinnen und im Schulterschluss mit den Arbeitnehmervertretern beschäftigungssichernde Standortperspektiven zu entwickeln, bereite das Unternehmen teure Massenentlassungen vor, kritisierte Gewerkschaftssekretär Dr. Mathias Heiden.

Die Gewerkschaft werde „diesen personellen Kahlschlag“ nicht akzeptieren. Betriebsbedingte Kündigungen müssten verhindert werden. Dies gehe nur durch zukunftsgerichtete Investitionen.

Außerdem kritisierte die Gewerkschaft, dass vor der Entscheidung, den Standort zu schließen, das Unternehmen „sehr umfangreich aus öffentlichen Mitteln das Instrument der Kurzarbeit genutzt“ habe. Das Mündener Gummiwerk liege im Herzen der Stadt. Seine Wurzeln reichten zurück bis in die Anfangszeiten der Industrialisierung in Deutschland.

Northeim: Veränderungen betreffen auch diesen Standort

Kritik gab es auch vom Betriebsrat des ContiTech-Werkes in Northeim: Für die Belegschaft in Northeim sei die Schließungsmitteilung am Freitag überraschend gekommen und ein Schock, sagt Betriebsratsvorsitzender Ingo Henne der HNA. Sie sei am Donnerstag in einer Aufsichtsratssitzung von Continental in Hannover verkündet worden. Zwar, so Henne, habe es im Frühjahr Gespräche mit der Geschäftsführung über Stellenabbau in allen fünf Schlauchwerken gegeben. Da sei aber nur von 140 Mitarbeitern und nicht von Werksschließungen die Rede gewesen. Der Northeimer Betriebsratschef: „Wir fordern das Management auf, alle Mitarbeiter in den anderen Gesellschaften in Northeim weiterzubeschäftigen.“ Dies sei auch so in der Belegschaftsversammlung kommuniziert worden. Ein Hoffnungsschimmer: Die Personalleitung hat sich laut Henne in der Versammlung auch zu Verhandlungen darüber bereit erklärt.

Der Betriebsrat werde sich wohl darauf vorbereiten müssen, einen Rahmensozialplan und Interessensausgleich auszuhandeln. Oberstes Ziel sei es aber, mit dem Continental-Management dahingehend zu verhandeln, alle Schlauchmitarbeiter weiter am Standort Northeim zu beschäftige. (Thomas Schlenz/Ekkehard Maaß/Axel Gödecke)

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