Durch Wald gefahren

Superstau auf der A7 führte direkt zum Luchs

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Ein Luchs durchstreift den Wald: Das Foto entstand im Luchsgehege beio Bad Harzburg.

Hann. Münden. „Wäre die Autobahn nicht gesperrt gewesen, hätten wir den Luchs nicht gesehen", sagt Lawrence Riddell aus Wiershausen, der am 19. Dezember vom Einkaufen aus Kassel kam.

Weil wegen des Gefahrgutunfalls bei Göttingen ein Stau auf der Autobahn war, beschlossen er und seine Schwiegertochter Jessica, die Autobahn bei Niestetal zu verlassen und durch den Wald zurück nach Wiershausen zu fahren.

Es war so gegen 18 Uhr in der Nähe des Rinderstalls, als sie plötzlich auf der Straße ein großes Tier sahen. „Zuerst dachten wir an einen Hund, doch als ich den Stummelschwanz sah, wusste ich, das ist eindeutig ein Luchs“, so Riddell. Ungefähr 25 Meter entfernt war ihr Auto. Sie hielten an und beobachteten das Tier. „Es war ein großes, bildhübsches Tier, schaute in unsere Richtung und schien keine Panik zu haben.“ Ganz langsam habe der Luchs die Straße verlassen und sei im Dickicht verschwunden. „Es waren so ungefähr 30 Sekunden, die wir diesen Anblick genießen konnten. Erst waren wir verdutzt, einen Luchs in der freien Natur zu sehen, dann aber sehr beeindruckt von dem Erlebnis.“

Uwe Beyer, stellvertretender Vorsitzender der Jägerschaft Münden und Luchsbeauftragter, bestätigt, dass in dem Gebiet seit ungefähr drei Jahren Luchse, Europas größte Wildkatzen, durch die Wälder streifen. Erwachsene Luchse sind sehr scheu, Einzelgänger und nachtaktiv, deshalb werden sie nicht so häufig gesehen.

„Unsere Schätzungen sind nur sehr vage, aber wir gehen von fünf Tieren aus, die sich in dem Terrain aufhalten,“ sagt Beyer. Es kann sich um ein Muttertier gehandelt haben oder vielleicht war es auch der männliche Luchs namens „M8“, der in Niedersachsen mit einem GPS-Sender versehen worden war. Das Luchsprojekt Nationalpark Harz hatte das männliche Tier im Oktober des Vorjahres bei Fürstenhagen im Werra-Meißner-Kreis in eine Kastenfalle gelockt und besendert, zweimal am Tag sendet er seine Position.

„M8“ war bereits im Januar im niedersächsischen Teil des Kaufunger Waldes zum ersten Mal eingefangen worden. Da er damals für ein Senderhalsbald noch zu jung war, wurde er nur mit einer Ohrmarke markiert.

Nach Darstellung von Beyer braucht ein Luchs zwei Stück Beutetiere, überwiegend Hasen und Rehe, in der Woche. Da sich Luchse auf einem Gebiet von 240 Quadratkilometern bewegen, fällt die Beute kaum ins Gewicht. Für Menschen bestehe keine Gefahr, der Luchs weiche aus und begebe sich in Gefahrensituationen auf Bäume. (zpy)

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