Rückkehr der Camper

Stellplätze am Tanzwerder nach Zwangspause wieder gefragt

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Stammgast auf dem Tanzwerder : Wohnmobilist Bruno Bäuml pendelt regelmäßig zwischen Mainz und Hamburg. 

Die Campingplätze und Wohnmobil-Stellplätze in der Region waren schon am ersten Tag nach der über siebenwöchigen Corona-Zwangspause wieder stark gefragt. 

Der Campingplatz „Grüne Insel Tanzwerder“ bereitet sich auf einen Ansturm in den kommenden Wochen vor. „Himmelfahrt und Pfingsten sind wir bereits ausgebucht. Seit Mitte vergangener Woche musste ich über 500 E-Mails und zahlreiche Anrufe beantworten. Ständig klingelte das Telefon“, sagte der Chef des Platzes, Uwe Busch.

So schön wie die explosionsartige Nachfrage ist, sie wird nicht ausreichen, um die Nichteinnahmen aus dem verpatzten Saisonstart auszugleichen. „In normalen Jahren haben wir knapp 30 000 Übernachtungen, je nachdem wie die Witterung ist. Diese Zahlen werden wir bei Weitem nicht erreichen. Wir können nur das Schlimmste verhindern“, beschreibt Uwe Busch die Auswirkungen des Virus. „Jetzt sparen wir an den Kosten, wo wir können.“

Wegen der Corona-Auflagen darf Uwe Busch, der den Platz seit 1997 betreibt, mit dem Neustart der Saison nur die Hälfte seiner 120 Plätze mit Gästen belegen. „Wir hoffen, dass diese Grenze zu Pfingsten fällt. Um die Hygieneanforderungen zu erfüllen, wird der Sanitärtrakt mehrmals am Tag gereinigt und Desinfektionsmittel stehen für die Nutzer bereit. Das alles ist sehr aufwändig.“

Uwe Busch erwartet ein schwieriges Jahr.

Gegenwärtig sind auf dem Platz nur deutsche Kennzeichen zu sehen. Besucher aus dem Ausland fallen wegen der Reisebeschränkungen in Europa aus. „Jetzt fehlen vor allem die Skandinavier und insbesondere die Dänen. Im Herbst könnten es die Italiener und Franzosen sein. Die beiden haben später Ferien“, schaut Uwe Busch schon voraus. Derweil planen Susanne und Gerd Brudermann aus Stade ihren Aufenthalt in der Drei-Flüsse-Stadt „Wir wollen uns Hann. Münden und Umgebung intensiv anschauen.“ Das Ehepaar hat gleich sieben Tage einen Stellplatz vor der Schranke des Campingplatzes gebucht und sein Wohnmobil mit Blick auf die Altstadt ausgerichtet.

Die ist nur ein paar Schritte von der Altstadt entfernt. Dies ist ein Grund für Bruno Bäuml mit seinem Westfalia-Mobil auf dem Tanzwerder Station zu machen. „Ich pendle im Jahr rund 20 Mal zwischen Mainz und Hamburg. Weil ich keine Lust habe die ganze Strecke in einem Rutsch zu fahren, mache ich hier jedes Mal Station“, verrät der Pensionär, der sein Mobil nicht weit weg vom Weserstein abgestellt hat. Zu seinen geliebten Ritualen gehört dasabendliche Essen in einem der Restaurants der Stadt.

Der Stellplatz am Weserstein ist schon am späten Nachmittag gut gefüllt. Mobile unter anderen aus Lörrach, dem Vogelsbergkreis, Heidelberg, Koblenz und Berlin stehe auf dem Platz. Die Mobilisten, die in ihren Fahrzeugen in der Regel über eigene Sanitärausstattung mit Toilette, Waschmöglichkeit und bei den größeren Mobilen auch Dusche verfügen, sind bei den Corona-Auflagen ideal, weil es keine Probleme gibt, Hygiene- und Abstandsregeln einzuhalten.

Deshalb hat Hermann Lopes, seit Jahren Betreiber des Platzes „Weser-Camping Hemeln“ auch seine Sanitäranlagen noch nicht geöffnet. „Wir warten noch, bis genaue Regelungen vorliegen, was wir beachten sollen.“ Auch er freut sich über die Öffnung, bedauert aber die Verluste der vergangenen Wochen und sieht ein schwieriges Jahr vor sich. „Ostern waren wir mit 100 Wagen ausgebucht.“

Campingurlaub boomt

Laut Bundesstatistikamt wurden im vergangenen Jahr auf den knapp 3000 Campingplätzen 35,76 Millionen Übernachtungen gezählt (2018: 34,56). In diesem Jahr wird es wahrscheinlich eine kräftige Delle geben. Nach Einschätzung des Hann. Mündener Campingplatzbetreibers Uwe Busch könnte Hann. Münden von dem Boom stärker profitieren, wenn die Stadt mehr für sich werben würde. „Hann. Münden ist nicht bekannt genug. Wir hören es immer wieder, wenn Staus auf der Autobahn und Camper bei uns ungeplant übernachten.“ Sie fänden die Stadt schön, hätten vorher aber kaum oder nichts über sie gehört. Uwe Busch zählt jährlich rund 30 000 Übernachtungen.

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