„Stillstand wäre fatal“

Hann. Münden: Diskussion um Rathaus-Sanierung

Historisches Rathaus der Stadt Hann. Münden: Der aktuelle Bauabschnitt nähert sich der Fertigstellung.
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Historisches Rathaus der Stadt Hann. Münden: Der aktuelle Bauabschnitt nähert sich der Fertigstellung.

Die Sanierung des Historischen Rathauses der Stadt Hann. Münden könnte den Haushalt 2021 zusätzlich belasten.

Die Sanierung des Historischen Rathauses der Stadt Hann. Münden könnte den Haushalt 2021 zusätzlich belasten. Nachdem nun auch der fünfte Förderantrag beim Wettbewerb „Nationale Projekte des Städtebaus 2021“ gescheitert ist (wir berichteten), stellt sich die Finanzierungsfrage.

Dabei geht es insbesondere um Mittel für den geplanten Bauabschnitt B im Bereich des Ostflügels des Gebäudes. Projektleiter Jürgen Stieler vom Fachdienst Hochbau verwies im Finanzausschuss auf zwei mögliche Varianten: Möglich sei, den Teilabschnitt A zu beenden und die weitere Sanierung zurückzustellen.

Für die Anpassung ohne direkten Weiterbau müssten allerdings Übergangsbereiche provisorisch fertiggestellt werden, damit die bereits sanierten Bereiche auch genutzt werden könnten.

Diese Anpassungsarbeiten und ein später erforderlicher Rückbau selbiger würden laut Stieler aber 330 000 Euro kosten, ohne mit der Sanierung wirklich weitergekommen zu sein. Er empfahl den Ausschussmitgliedern daher, sich für die andere Variante zu entscheiden: Den direkten Weiterbau mit dem Teilabschnitt B, deren Kosten er mit 1,5 Millionen Euro angibt.

Für den Haushalt 2021 würde der direkte Weiterbau laut Anke Wilhelm vom Fachdienst Finanzen der Stadt eine Erhöhung der Kreditaufnahme für Investitionen von 754 600 Euro bedeuten. Würden lediglich die Arbeiten am derzeitigen Bauabschnitt fertiggestellt und die weitere Sanierung zurückgestellt, bedeute dies für den Haushalt 2021 dagegen eine Verringerung der Kreditaufnahme um 390 400 Euro.

Doch von einer wirklichen Ersparnis kann laut Jürgen Stieler keine Rede sein: „Ohne den Weiterbau im Teilabschnitt B müssen wir Räume provisorisch herrichten, der Brandschutz müsste trotzdem ertüchtigt werden, wir würden Kabel einziehen, die wir im Falle eines späteren Weiterbaus wieder herausreißen müssten“, erklärte Jürgen Stieler gegenüber unserer Zeitung.

Aus seiner Sicht habe der Weiterbau daher, abgesehen von den kurzfristigen negativen Auswirkungen auf den Haushalt 2021 nur Vorteile.

„Es ist verheerend, dass wir die Förderung wieder nicht bekommen haben“, sagt Jürgen Stieler vom Fachdienst Hochbau der Stadt Hann. Münden. Trotzdem halte er es aus bautechnischer Sicht für die richtige Entscheidung, jetzt weiterzubauen. „Dann wäre der komplette Ostflügel nutzbar und frei von Mängeln“, betont Stieler.

Zudem könne dann die komplette Haustechnik erneuert werden und die Touristik und das Stadtmarketing sowie das Standesamt erhielten komplett sanierte Räume.

Wenn die alte Heizungstechnik ausfalle, weil man die weitere Sanierung aufgeschoben hätte, könnten weitere Kosten entstehen. Die alte Technik bliebe weiter im Bestand, was auch höhere Bauunterhaltungskosten zur Folge hätte. „Dadurch hätte man nichts gewonnen“, betonte Stieler.

Außerdem sei derzeit ein eingespieltes Team bei der Arbeit, bei einer Zurückstellung des nächsten Abschnitts sei das möglicherweise nicht so, neue Leute müssten dann erst eingearbeitet werden, so Stieler. Ob und wann die Stadt Hann. Münden über andere Förderungen zusätzliches Geld erhalte, sei ebenfalls unklar.

„In den 1970er-Jahren wurde schon einmal eine provisorische Reparatur versucht. Das Ergebnis, die ungehobelten Holzbalken, sehen wir noch heute.“

Im Falle einer Fertigstellung des nächsten Teilabschnitts könne man einen sinnvollen, in sich geschlossen nutzbaren Bereich übergeben. Auch Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener machte sich im Finanzausschuss für einen Weiterbau stark.

„Um jetzt abzubrechen, müssen wir Dinge verschließen, die wir später wieder wegreißen. Damit hätten wir dann eine sechsstellige Summe in den Sand gesetzt“, so Wegener.

Die Einsparmöglichkeiten für den Haushalt 2021 wurden von den Mitgliedern des Finanzausschusses am Montag kontrovers diskutiert. Dirk Wedekind (SPD) befürwortete die Fortsetzung der Sanierung: Sonst befürchte er in den kommenden Jahren einen Investitionsstau.

„Wir hätten dann noch jahrelang ein Provisorium im Rathaus. Dann lieber jetzt einmal richtig in die Tasche greifen“, betonte er. Wenn man den Weiterbau jetzt stoppe, um irgendwann später wieder anzufangen, werde es wahrscheinlich nur noch teurer.

Zudem befürchte er einen Image-Verlust für die Stadt Hann. Münden, wenn das Gebäude auf längere Zeit ein sichtbares Provisorium bleibe.

Auch der Vorsitzende des Finanzausschusses, Ulrich Reichel (CDU), erklärte, dass ein Provisorium nicht die ideale Lösung sei. „Klar ist, überhaupt nichts zu tun, scheidet aus“, so Reichel.

Angelika Deutsch (CDU) sagte, sie gebe Herrn Stieler Recht: „Ein Stillstand wäre fatal“. Allerdings müssten die genauen Summen innerhalb der Fraktion besprochen werden.

Die Rathaussanierung soll nun auch Thema in der kommenden Sitzung des Verwaltungsausschusses sein. (Thomas Schlenz)

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