Es ist sein Traumberuf

Stipendium der Start-Stiftung: Said Naser möchte Chirurg werden

Lernt gerne: Said Naser mit einem Biologiebuch.

Hann. Münden. Said Naser von der Drei-Flüsse-Realschule in Hann. Münden weiß ganz genau, was er nach seiner Schulzeit einmal machen möchte: „Ich möchte Arzt werden und dann eine Weiterbildung zum Chirurgen machen", sagt der 15-Jährige und seine Augen strahlen, während er über seinen Traumberuf erzählt.

Diesem Wunsch ist er ein ganzes Stück näher gekommen. Der Schüler hat ein Stipendium der Start-Stiftung bekommen. Er wird von nun an bis zu seinem Abitur mit 100 Euro im Monat finanziell unterstützt. Nach dem Anschluss der 10. Klasse möchte er sein Abitur an der Herderschule in Kassel machen.

Said Naser wurde in Jordanien geboren und ist mit zehn Monaten mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Die Stiftung fördert Schüler mit Migrationshintergrund und setzt sich so für mehr Chancen- und Bildungsgleicheit ein.

Dass sich Said für das Stipendium beworben hat, war eher zufällig: Seiner Klassenlehrerin, Eike Mispagel, und dem Leiter des Sanitätsdienstes und Physiklehrer, Christian Kraus, ist der Flyer mit dem Anschreiben der Stiftung quasi auf den Tisch gefallen. „Wir haben den Flyer angesehen und beide gleichzeitig gesagt, dass das Angebot wie zugeschnitten auf Said ist“, sagt Eike Mispagel.

Die Voraussetzungen seien Engagement und ein guter Notendurchschnitt in der Schule gewesen. Dass der Hann. Mündener engagiert ist, zeigt er jeden Tag. „Ich bin seit vier Jahren Schulsanitäter und Klassen- und Schülersprecher“, sagt er. Er hilft anderen, weil ihm in seinen ersten Jahren in Deutschland auch viel geholfen wurde. Sein Lieblingsfach ist Biologie.

„Meine Eltern haben mich unterstützt, aber gleich gesagt, dass ich nicht traurig sein soll, falls ich nicht genommen werden“, sagt Said Naser. Das Bewerbungsverfahren sei in drei Stufen aufgeteilt gewesen. „Zuerst musste ich mich als Person vorstellen. Im zweiten Schritt wollten sie wissen, was für Ziele ich habe und zuletzt haben sie mich in einem Bewerbungsgespräch unter die Lupe genommen“, sagt er. Der 15-Jährige hat die Jury überzeugt. Er wurde aus über 100 Bewerbern ausgewählt.

„Ich bin sehr stolz, da nur zehn Bewerber aus Niedersachsen genommen wurden“, sagt er. Er freut sich darauf, verschiedene Veranstaltungen besuchen zu dürfen. „Ich habe an einem Rhetorikseminar teilgenommen. Das hat mir sehr gut gefallen, ich weiß jetzt, wie ich vor vielen Menschen rede“, sagt Said Naser. Auch die 100 Euro Förderung im Monat kommen ihm entgegen: Ich habe noch drei Geschwister, von denen zwei Abitur machen. Ich bin froh, dass ich meine Bücher jetzt selbst bezahlen kann“, sagt er. In seiner Freizeit betreibt der 15-Jährige gerne Kickboxen und trifft sich draußen mit Freunden. Außerdem spricht er fließend Arabisch. Am Montag fährt Said Naser zusammen mit Eike Mispagel und Realschulleiter Rolf Wiegräfe nach Hannover, dort wird er in einer Zeremonie in die Stiftung aufgenommen.

Die Start-Stiftung und ihre Funktion:

Die Start-Stiftung, die ein gemeinnütziges Projekt der Hertie-Stiftung ist, begleitet Jugendliche mit Migrationshintergrund auf ihrem Weg zu einem höheren Schulabschluss. Sie unterstützt finanziell und bietet den Teilnehmern ein Bildungsprogramm mit Workshops und Projekten an. Die Stiftung beschreibt sich als Gemeinschaft, da sich die Stipendiaten gegenseitig unterstützen. Sie hat über 120 Kooperationspartner.

Von Leona Nieswandt

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