"In 30 Dienstjahren noch nicht erlebt"

Dramatische Stunden im Cantus: Zug blieb stecken, Oberleitung stürzte herab

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Cantus-Zug (Archivbild): Auf der Fahrt zwischen Göttingen und Kassel kam es bei Gut Kragenhof zu massiven Problemen. Oberleitungen rissen, doch sie standen weiter unter Strom. Eine Evakuierung war extrem schwierig.

Der Sturm sorgte für dramatische Stunden an der Bahnstrecke zwischen Göttingen und Kassel. Ein Cantus-Zug mit 80 bis 100 Fahrgästen blieb am Sonntag liegen.

Aktualisiert: 16.41 Uhr - Der Grund: Eine Oberleitung stürzte auf die Gleise, blieb aber unter Strom. Laut NVV fingen die Oberleitungen gegen 17 Uhr während der Fahrt des Zuges so stark zu schwingen an, dass sich das Stromsystem für den Zugbetrieb abschaltete. Zudem stürzte ein Baum auf die beiden Oberleitungen zwischen Speele und Gut Kragenhof und rissen auf einer Länge von etwa 500 Metern die Kabel nach unten. Aufgrund der steilen Hanglage in der Nähe des Gleisbetts sei es nicht möglich gewesen, die 80 bis 100 Zuggäste mit Bussen in der Nähe abzuholen. NVV-Sprecherin Herms: "Außerdem stand die Oberleitung noch unter Spannung, es war also eine sehr heikle Situation. Zudem bestand die Gefahr, dass weitere Bäume umstürzen konnten". Es sei im Laufe des frühen Abends gelungen, von der Nordwestbahn in Göttingen einen Dieseltriebwagen zu organisieren, der an den Cantus-Zug andockte und diesen nach Hedemünden zog.

Sturm Eberhard: Augenzeugin spricht von "Desaster"

Bis dahin war die Situation aber sehr angespannt. "Wir waren von 17 Uhr bis 0.30 Uhr in der Bahn eingesperrt. Ohne Strom und ohne Heizung", berichtet ein weiblicher Fahrgast unserer Zeitung. Zuggäste, die ihre Notdurft verrichten mussten, blieb nichts anderes übrig, als dieses in unmittelbarer Nähe des Zuges am Gleisbett zu erledigen. Dies war nach dem Bericht der Frau allerdings nur ein Mal und erst nach längerer Diskussion mit dem Lokführer möglich. Die Toilette des Zuges, die ohne Strom offenbar nicht funktionierte, sei mit Fäkalien überfüllt gewesen. 

Erst in Hedemünden seien die Fahrgäste vom Bevölkerungsschutz empfangen und mit warmen Getränken und Decken ausgestattet worden, bevor man die Reisenden auf Busse verteilte, um die Fahrgäste nach Kassel und Göttingen zu bringen. "Es war ein Desaster", beschreibt die Frau die Situation.

Auch ein Bediensteter von Cantus, der vor Ort war, so die NVV-Sprecherin, habe eine solche Situation "in 30 Jahren noch nicht erlebt". Die Odyssee war gegen Mitternacht beendet. Die Strecke ist aber immer noch gesperrt. Nun hoffen die Techniker, dass die Strecke ab Dienstag wieder befahrbar ist.

In ganz Nordhessen und Südniedersachsen kam es wegen Sturm Eberhard zu erheblichen Problemen. Züge fielen aus, Bäume stürzten auf Straßen, ein Mann wurde verletzt. Zum Sammelartikel über den Sturm

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