Ein Zuhause für das junge Tier

Wildes Waisenkind: Frau aus Hann. Münden zieht Marder-Baby mit der Flasche groß

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Findelkind: Der kleine Marder wird alle vier Stunden gefüttert.

Karina Lange traute ihren Augen kaum, als sie das kleine Tierchen in Augenschein nahm. In Wiershausen bei Hann. Münden kümmert sie sich nun um ein Marder-Baby. 

Es war am 1. Mai, spätabends, als ein etwa fünf Wochen alter Marder bei Karina Lange und ihrer Familie in Wiershausen Einzug hielt. Über Facebook hatte eine Familie um Hilfe gebeten, weil sie einen kleinen Marder in Hermannshagen gefunden hatte und unsicher war, wie sie helfen könne.

Karina Lange bot Hilfe an. Sie holte das kleine Tierchen ab und gab ihm bei sich zu Hause eine vorläufige Unterkunft. Sie macht zurzeit ihre Ausbildung als Jägerin und so wusste sie, was zu tun ist.

Mit Kätzchenmilch im Fläschchen füttert die Jungjägerin den kleinen Marder alle vier Stunden, auch nachts. „Er hat sehr schnell begriffen, wie man aus der Flasche trinkt“, erzählt sie. Inzwischen ist er acht Wochen alt und fühlt sich sehr wohl. Ein Käfig mit Heu und Unterschlupfmöglichkeiten, regelmäßig die Flasche – und danach stehen Schmusen und Spielen an, bis er sich müde in seinem Unterschlupf verkriecht. 

Mittlerweile hat Teckel Mariechen den Kleinen „adoptiert“: Die Hündin bewacht den Marder liebevoll. In einigen Tagen wird Karina Lange beginnen, feste Nahrung dazu zu füttern. Um die Verdauung anzuregen, was ja sonst die Tiermutter übernimmt, badet sie den kleinen Kerl mit seinem Hinterteil in warmen Wasser, das klappt.

Einen Namen hat der Marder nicht. „Ich möchte die Bindung eigentlich nicht so sehr intensivieren“, meint sie. „Obwohl es sehr schwer ist, wenn man so oft zusammen ist“. Für den kleinen Marder ist die enge Bindung bereits entstanden. Wenn seine Futterzeit ansteht, gibt er Rufgeräusche von sich, Wenn die Ersatzmutter dann mit ähnlichen Geräuschen antwortet, wird er ganz aufgeregt. 

Und wenn sie zu früh nach dem Füttern den Raum verlässt, dann sucht er sie. Auswildern wird man das Tier nicht mehr können, der so aufgezogene Marder wird sich nicht selbst versorgen können. „Eigentlich möchte ich den Marder nicht für immer behalten, aber vermutlich wird es drauf hinaus laufen“, schätzt Lange.

Karina Lange ist voll konzentriert, wenn sie das Marder-Baby mit Katzenmilch versorgt.  

Begrüßen würde sie es, wenn er in einem Tierpark unterkommen würde, wo vielleicht auch Artgenossen leben. Auf die Frage, wie sich ihre Arbeit als zukünftige Jägerin mit der Aufzucht eines Findelkindes vereinbart, meint sie, dass Jagd ja nicht nur Schießen, sondern auch Hege und Pflege bedeute. Davon praktiziere sie zurzeit ein Stück.

Ob es nun richtig von der Familie war, den Marder mitzunehmen, lässt sich im Nachhinein nicht sagen. Grundsätzlich gelte: Bitte nicht jedes Jungtier, das einen verwaisten Eindruck macht, gleich mitnehmen. Oft haben die Elterntiere die Jungen abgelegt, um auf Futtersuche zu gehen. 

Rehkitze beispielsweise sind es gewohnt, alleine im Gras zu warten, bis ihre Mutter zurückkommt und sich um sie kümmert. Experten raten daher, ein Kitz unbedingt in Ruhe zu lassen und es nicht anzufassen.

Eltern und Jungtier verständigen sich auch über Rufe, sodass auch ausgebüxte Tiere von den Eltern gefunden werden. Karina Langes Rat: Das Tier erst einmal lassen, wo es ist, und aus weiter Entfernung beobachten, ob sich die Mutter nähert. Wenn nach einigen Stunden immer noch kein Kontakt mit einem Elterntier stattgefunden hat, sollte man sich einmischen.

Dieter Buhse, Vorsitzender der Mündener Jägerschaft, empfiehlt, die jeweiligen Jagdpächter zu informieren. Die stehen dann beratend zur Seite und wissen, was zu tun ist. „Die Kontakte der Jagdpächter sind über die Polizei oder den Landkreis Göttingen zu erfahren“, so Buhse.

Wann braucht ein Wildtier-Junges Hilfe?

Immer wieder kommt es vor, dass Jungtiere vermeintlich verwaist gesichtet werden. Doch längst nicht immer ist menschliche Hilfe nötig, würde sogar schaden, denn oft sind die Elterntiere gar nicht fern. Wann darf man etwas unternehmen? 

- Wenn sicher ist, dass die Mutter tot ist. 

- Wenn das Jungtier bereits länger schreit. Dann zumindest beobachten und weiteres Vorgehen planen. Je nach Alter kann der Nachwuchs zwischen fünf und zwölf Stunden überleben. 

- Wenn Jungtiere ungeschützt in der prallen Sonne oder im Wasser liegen. 

- Wenn das Tierbaby ersichtlich krank ist. Ein deutliches Anzeichen dafür ist, dass es mit Zecken oder Flöhen übersät ist. Auch Dehydration (ausgetrocknet) ist ein ungutes Zeichen. Wichtig ist oft auch, die Kleinen vor Kälte, Nässe, Sonne und anderen Tieren zu schützen.

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