Notruf, Gerangel und ein gutes Ende

Dem Täter auf den Fersen: Speeler stoppten Diebestour

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Der Tatort: Walter Jentsch (links) vor seinem Haus zusammen mit seinem Nachbarn Kevin Dietrich, der ihm bei der Verfolgung des Eindringlings half.

Speele. Endstation Speele. Ein 58 Jahre alter Mann aus Kassel, der in Speele auf Diebestour war, musste sich dem Mut dreier Speeler Bürger ergeben.

Walter Jentsch (72), der den Mann auf frischer Tat ertappte, sein Nachbar Kevin Dietrich (27), der ihm schnell zur Hilfe eilte, und ein weiterer Speeler verfolgten den 58-Jährigen. Dessen Diebestour endete schließlich bei der Polizei, die beim ihm einen Teil der Beute fand, darunter zwei goldene Uhren, vier Münzen und ein goldenes Armband (wir berichteten).

Walter Jentsch war an diesem Mittwoch in seinem Garten beschäftigt, als sich bei ihm gegen 14 Uhr ein fremder Mann nach einem Nachbarn erkundigte. „Er fragte mich, wo Dietrich wohnt, und ich habe ihm das gezeigt, wie immer, wenn mich jemand nach dem Weg fragt.“ Ohne einen weiteren Gedanken an die Unterhaltung ging Jentsch seiner Arbeit draußen weiter nach. Aber nur kurze Zeit später erblickte er den Fremden in seinem eigenen Haus.

Verblüfft darüber, wie sich der Eindringling unbemerkt Zugang durch den offenen Hintereingang verschafft hatte, stellte er den Mann im Haus zur Rede. Nach einer Auseinandersetzung und dem Versuch, den Eindringling festzuhalten, drohte dieser sogar damit, selbst die Polizei zu alarmieren. „Der Mann sagte, er wolle die Polizei rufen und mich anzeigen, weil ich ihn festgehalten habe“, schildert Jentsch die Situation.

Seine erwachsene Tochter hatte währenddessen den Notruf ausgelöst. Im Gerangel konnte sich der Fremde aber befreien, schloss sich in einem Zimmer ein und flüchtete anschließend durch das Fenster ins Freie.

Erbost nahm Jentsch die Verfolgung auf und machte mit Hilferufen lautstark auf sich aufmerksam. Sein Nachbar Kevin Dietrich erkannte die brisante Situation und eilte ihm zur Hilfe.

Gemeinsam verfolgten die beiden Männer den Fremden bis zum Bahnhof. Unterwegs schloss sich den Verfolgern ein weiterer Passant an. Der Täter flüchtete auf den Bahnschienen etwa 30 Meter in Richtung Kassel und konnte zunächst in ein Gebüsch Richtung Oberdorf entkommen. Während Walter Jentsch nach Hause ging, suchte die beiden anderen das Oberdorf mit dem Pkw gemeinsam mit der mittlerweile eingetroffenen Polizei ab, aber ohne Ergebnis.

Nach etwa 15 Minuten gemeinsamer Suche trennten sich die Wege der Polizeibeamten und der Zivilisten.

Wenige Zeit später entdeckte Kevin Dietrich den Gesuchten dann aber auf dem Bahnsteig der in Richtung Hann. Münden fahrenden Züge. Zu zweit eilten die Männer erneut hinter dem Flüchtigen her und bekamen ihn vor der Unterführung zu fassen.

Die erneut alarmierte Polizei war umgehend wieder vor Ort - die Streife hatte Speele noch gar nicht verlassen - und nahm den 58-Jährigen zur Feststellung der Identität in Gewahrsam.

Angst habe Kevin Dietrich während der Verfolgung nicht gehabt. „Wir waren zu zweit und waren ihm körperlich überlegen. Waffen hatte er keine bei sich getragen,“ sagte Dietrich. Ihn hatte erbost, dass sich der Mann mit dem Zug aus dem Staub machen wollte. Das wollte er verhindern. Warum der Mann nach ihm gefragt hatte, kann sich Kevin Dietrich nur damit erklären, dass die Nennung seines Namens zu einem Ablenkungsmanöver gehörte.

Vielleicht hatte er ihn ja vorher auch auf einem Namensschild gelesen. (zsk)

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