Jungen Familien fehlt das Geld für gesunde Einkäufe

Tafel Münden hilft auch in der Corona-Krise

Die Vorsitzenden der Tafel Münden Peter Martin und Barbara Jankowski.
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Engagieren sich in Hann. Münden seit 15 Jahren für den guten Zweck: die Vorsitzenden der Tafel Münden Peter Martin und Barbara Jankowski.

Hann. Münden – „Wir sind keine Armenspeisung“, stellt Barbara Jankowski direkt zu Beginn des Gesprächs klar. Sie ist Gründungsmitglied und zweite Vorsitzende der Tafel Münden. Gemeinsam mit dem ersten Vorsitzenden Peter Martin hat sie den Verein 2005 gegründet und aufgebaut.

Diesen Sommer wollten sie eigentlich groß den 15. Geburtstag feiern. Die Party fiel Corona bedingt allerdings aus. Doch Corona bringt vor allem für Tafel-Kunden erhebliche Folgen mit sich.

Wir sind keine Armenspeisung!

Barbara Jankowski, Vorsitzende Tafel Münden

„Seit der Covid-19 Pandemie kommen wesentlich mehr junge Menschen zur Lebensmittelausgabe“, sagt Martin. Bedingt durch Kündigungen und Kurzarbeit fehle vielen jungen Familien jetzt Geld für gesunde Lebensmittel. Andererseits bleiben wegen des Ansteckungsrisikos aktuell viele Senioren der Ausgabe fern, weil sie zur Risikogruppe gehören.

Tafel Münden: Besuch weiter mit viel Scham behaftet

„Die Tafel rettet Lebensmittel und ist ein Unterstützungsangebot für Menschen mit wenig Geld. Für die Grundversorgung ist der Staat verantwortlich“, sagt die Sozialarbeiterin.

Trotzdem ist ein Besuch bei der Tafel weiterhin für viele mit Scham behaftet. „Würden alle ihr Anrecht auf Lebensmittel der Tafel in Anspruch nehmen, hätten wir weit über 1000 Kunden“, ergänzt Jankowski. Insgesamt kommen wöchentlich etwa 200 Karteninhaber zur Lebensmittelausgabe im Geschwister-Scholl-Haus.

Corona: 50 Cent für Lebensmittel entfallen

An zwei Tagen in der Woche, montags und donnerstags, sind es im Wechsel immer um die 80 Personen. Eine Warteliste gibt es in Münden, anders als bei anderen Tafeln, nicht. „Wer Lebensmittel braucht, bekommt sie auch“, so Martin. Gegebenenfalls bekommen alle weniger, doch es wird immer allen geholfen. Voraussetzung ist ein Berechtigungsschein.

Derzeit verzichtet die Tafel auf die obligatorischen 50 Cent für die Lebensmittel, um den Kontakt zwischen Kunden und ehrenamtlichen Helfern und damit das Infektionsrisiko minimal zu halten. „50 Cent klingt nicht nach viel, aber am Ende des Jahres können wir mit diesem Geld unsere drei Fahrzeuge unterhalten“, erklärt Martin. Finanziell sei diese Ausnahmesituation noch ein paar Monate machbar, denn die Tafel lebe von Spenden.

Staatliche Grundfinanzierung der Tafel-Arbeit gefordert

„Durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise ist die Systemrelevanz der Tafeln bundesweit sichtbarer geworden“, heißt es seitens Tafel Deutschland.

Deshalb fordert die Organisation nun eine staatliche Grundfinanzierung der Tafel-Arbeit. „Davon profitieren hauptsächlich die großen Tafeln, die ein eigenes großes Lebensmittellager haben“, sagt Jankowski. Die Tafel Münden sei ein verhältnismäßig kleiner Verein, sie gehört zum Verbund Südniedersachsen. Gegen einen Aufpreis nutzen sie das Zentrallager der Tafel Northeim mit.

1,65 Millionen Tafelkunden in Deutschland

Jeder Tafelstandort ist anders aufgestellt. Und auch wenn die Tafel Münden selbst wenig Vorteile durch die Forderungen hätte, sind sich Jankowski und Martin einig – bei Firmen und Zwischenhändlern könnte man mehr abschöpfen und damit vor allem Tafeln mit großen Lagern gut helfen.

Derzeit nehmen deutschlandweit etwa 1,65 Millionen das Angebot der Tafeln in Anspruch.

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