Trompete, Kornett und Waldhorn 

Tag des Handwerks: Harry Kühne repariert Metallblasinstrumente

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Liebt die Musik: Harry Kühne, Metallblasinstrumentenmacher aus Bühren, hier beim Ausbeulen eines Horns.

Am heutigen 21. September findet zum neunten Mal der Tag des Handwerks statt. Wir haben uns deswegen einem besonderen Beruf gewidmet, dem des Metallblasinstrumentenmachers. 

In einem unscheinbaren kleinen Gebäude hinter einem alten Wohnhaus in Bühren in der Samtgemeinde Dransfeld brennt Licht. An einem Brett hängen kleine Hämmer, gegenüber steht eine Drehmaschine. Mund stücke von Instrumenten liegen sorgsam aufgereiht auf der Werkbank. Ein Geruch von Werkstatt und Arbeit liegt in der Luft. 

Harry Kühne beult vorsichtig den Schallbecher eines Horns aus. „Das hat der Besitzer wohl unsanft abgestellt.“ Der 57-jährige Kühne übt ein in der Region seltenes Handwerk aus: Er ist Metallblasinstrumentenmacher. Der einzige im Landkreis Göttingen.

Das Unternehmen ist ein Einmannbetrieb, es fällt unter die sogenannte Kleinunternehmerregelung. Seine Kunden kommen von weit her: Einige fahren aus dem thüringischen Eichsfeld, andere aus dem Solling zu ihm. „Die nehmen über 100 Kilometer Anfahrt in Kauf“, berichtet der Handwerker.

Eigentlich ist der Instrumentenmacher Musiker

Eigentlich ist Kühne Musiker, 13 Jahre war er als Zeitsoldat bei der Bundeswehr aktiv, unter anderem beim Heeresmusikkorps in Lüneburg. Zur Ausbildung gehörte ein Studium der Orchestermusik in Düsseldorf.

Dann kam die Wiedervereinigung. Die Bundeswehr musste Stellen abbauen. Im Alter von 33 Jahren fing er noch mal neu an, absolvierte in Hamburg die Lehre zum Metallblasinstrumentenmacher. 

Paradox: Kühne spielt Klarinette – und das ist ein Holzblasinstrument, kein Blechblasinstrument, wie etwa die Trompete. Trotzdem ist er Metallblasintrumentenmacher geworden. „Es hat sich so ergeben.“

Ähnlich aufgebaut, aber unterschiedlich groß: die Ventile einer Trompete (links) und eines Tenorhorns.

Nach der Ausbildung folgte Kühne seiner Leidenschaft, dem Musizieren. Er war fast 25 Jahre lang als Berufsmusiker allein und mit eigener Band in ganz Deutschland unterwegs, bis vor einigen Jahren die Buchungen zurückgingen. 2014 besann er sich auf die Handwerkslehre zurück.

Harry Kühne: "Handwerk ist etwas Solides"

„Gut, dass ich sie damals gemacht habe. Handwerk ist etwas Solides.“ So sei aus dem zweiten Standbein sein erstes geworden. Dass sich im Leben des verheirateten, zweifachen Familienvaters alles um die Musik dreht, zeigt sich daran, dass er neben seiner Arbeit in der Werkstatt fünf Chöre in der Region dirigiert.

Von der kleinen Trompete über Kornett und Waldhorn bis zur Tuba repariert Kühne alles, was Ventile hat und aus Blech ist. Die markanten Biegungen der Instrumente entstehen übrigens dadurch, dass der Instrumentenmacher die Rohre mit flüssigem Blei auffüllt und diese anschließend nach dem Erkalten per Hand biegt. Das erneut verflüssigte Blei wird dann wieder restlos entfernt.

Das Säurebad entfernt den Speichel der Musiker

Oft sei es der Speichel der Musiker, der den Instrumenten zusetze. Das passiere vor allem, wenn diese über einen längeren Zeitraum nicht genutzt würden.

Dann muss Kühne die Ventile wieder gängig machen. Neben der reinen Handarbeit helfen ihm dabei verschiedene Reinigungsbäder. „Durch Speichel bildet sich Speichelstein, das Säurebad entfernt diesen, ohne das Material zu beschädigen“, erzählt der 57-Jährige.

Wie lange es dauert, bis ein Instrument überholt sei, hänge von der Größe und vom Zustand ab. Bei einer Tuba könne eine komplette Überholung zwei Wochen dauern. Ehrgeiz und ein gewisser Perfektionismus seien wichtig. „Er gibt dann keine Ruhe, solange bis er fertig ist“, wirft Kühnes Frau Brigitte ein und blickt lächelnd zu ihm. art-of-brass.de

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