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Der Tattoo-Boom lässt nicht nach

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Von: Fabian Diekmann

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Die beiden Tätowierer Yvonne und Sascha Schmolt aus dem Studio Je Veux Ink.
Die beiden Tätowierer Yvonne und Sascha Schmolt aus dem Hann. Mündener Studio Je Veux Ink. © Fabian Diekmann

Zwei Tätowierer aus Hann. Münden erzählen über ihr Handwerk und neue Verbote bei Tattoo-Farben.

Hann. Münden – Der Eingangsbereich des Tattoostudios Je Veux Ink in der Kirchstraße in der Hann. Mündener Innenstadt ist einladend hell. An den weißen Wänden hängen Beispielmotive der unterschiedlichsten Stilrichtungen. „Eigentlich machen wir fast alles, vor allem mit Schwarz arbeite ich gerne“, sagt Sascha Schmolt, Besitzer von Je Veux Ink.

Zusammen mit seiner Frau Yvonne ist er seit fast einem Jahr in dem Studio und sehr zufrieden. „Hann. Münden hat uns super angenommen“, sagt Yvonne. „Die Menschen sind sehr herzlich und offen“, fügt Sascha hinzu.

Schmolt probierte erste Tattoos an sich selbst aus

Er erzählt, dass er bereits seit 25 Jahren tätowiert. Ein Freund habe sich eine Tattoo-Maschine zugelegt, als er 19 Jahre alt war. Schnell war der gebürtige Kasseler begeistert und probierte das Tätowieren an sich selbst aus. Aus der Leidenschaft wurde ein Berufswunsch und Schmolt ging auf ein professionelles Studio zu. „Ich habe meine Bewerbungsmappe mit Skizzen angefangen, obwohl ich zu der Zeit noch gar nicht gezeichnet habe“, erzählt der 48-Jährige mit einem Lächeln.

Yvonne, die ebenfalls aus Kassel kommt, tätowiert aktuell nur als Hobby. Sie helfe ihrem Mann im Studio bei der Terminvergabe und den Kunden bei der Beratung.

Obwohl die beiden Künstler ihre Werke auch auf ihren Körpern präsentieren, komme es nur selten vor, dass sie sich gegenseitig tätowieren. Dennoch zeigt Sascha auf die Frage nach seinem Lieblingstattoo auf eine Lebensblume auf seinem Unterarm. „Die hat mir meine Frau gemacht“, sagt er stolz.

Tätowieren heute viel digitaler

Mit der Zeit habe sich der Beruf stark geändert, meint Sascha, wenn er auf seine Zeit als Tätowierer zurückblickt. „Es gibt neue Stilrichtungen, neue Maschinen, die einfach zu bedienen sind. Ich mache aber auch viel mehr digital.“ Mit dem Tablet designe er Motive und setze sie später per Photoshop auf den Körper von Kunden, damit sie einen Eindruck davon bekommen.

Aktuell beliebt seien den beiden Tattoo-Künstlern nach kleine Motive. „Viele wollen feine Linien oder etwas Geschwungenes“, stellt Sascha fest. Symbole, wie zum Beispiel ein Unendlichkeitszeichen, gehörten zu den meistgestochenen Tattoos.

Corona war eine Unterbrechung aber kein Hindernis

Corona habe für eine Unterbrechung des Tattoo-Geschäfts während der Lockdowns gesorgt, danach seien die Kunden aber schnell wiedergekommen. „Viele Leute wollten etwas für sich haben und sich etwas gönnen“, erzählt Yvonne. „Auch aus anderen Städten kamen Leute, gerade wenn in den Städten das Tätowieren nicht erlaubt war“, ergänzt Sascha.

Mittlerweile ließen sich alle Gruppen von Menschen tätowieren. „Das Klischee mit dem Knasti, dem Seemann oder dem Punk ist schon lange durch“, bemerkt Sascha. Von 18-Jährigen bis zum Rentner haben sie im Studio laut Yvonne schon alle tätowiert. Der Älteste sei ein 83-jähriger ehemaliger Bundeswehrpionier gewesen.

Farb-Pigmente aus Blau und Grün seit diesem Monat verboten

Was ihnen, wie auch anderen Tätowierern in Deutschland, das Leben etwas schwieriger gestaltet, ist die REACH-Verordnung. Seit 2007 werden damit von der Europäischen Chemikalienagentur verschiedene Stoffe verboten. Im letzten Jahr traf es Konservierungs- und Bindemittel sowie Chemikalien in gängigen Tattoo-Farben. Anfang Januar dieses Jahres kamen zusätzlich Pigmente aus den Farben Blau und Grün auf die Verbotsliste.

„Es ist leider rausgeschmissenes Geld, wenn man sich Farben kauft, die REACH-konform sind und dann sind sie es doch nicht mehr“, sagt Sascha mit einem Achselzucken. „Es ist okay, wenn es neue Regeln gibt“, merkt Yvonne an. „Es ist ja nicht so, dass man nicht mehr tätowieren darf. Das wäre viel schlimmer.“

Eine Auswirkung davon auf den Tattoo-Boom erwarten die Tattoo-Künstler nicht. „Der Hype hält jetzt schon seit den 1990er-Jahren an. Das geht weiter nach oben. Es kommen ja auch immer wieder neue Stile dazu“, erklärt Sascha. (fad)

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