Mensch und Tier

Tauben aus der Mündener Innenstadt locken

Jan Mücher, Karin Tuchler und Bettina Kallausch (von links) setzen sich für die Tauben ein und suchen noch dringend ehrenamtliche Unterstützer. Auf dem Bild zeigen sie artgerechtes Futter.
+
Jan Mücher, Karin Tuchler und Bettina Kallausch (von links) setzen sich für die Tauben ein und suchen noch dringend ehrenamtliche Unterstützer. Auf dem Bild zeigen sie artgerechtes Futter.

Damit Tauben sich nicht weiter in der Innenstadt in Hann. Münden ausbreiten, soll ein Taubenhaus aufgestellt werden. Eine Arbeitsgruppe kümmert sich um verletzte Tauben und die Fütterung.

Hann. Münden – „Seit in den Wallanlagen die Stadttauben regelmäßig kontrolliert gefüttert werden, ist die Population im Bereich der unteren Langen Straße deutlich zurückgegangen“, hat Dr. Eveline Didion von der Feinkostfleischerei Schumann festgestellt. Davor seien es erheblich mehr Tauben gewesen. Sie begrüßt die Aktion der artgerechten Fütterung in den Wallanlagen und spendet regelmäßig für die Beschaffung von Taubenfutter. Sie ist auch eine Befürworterin des geplanten Taubenhauses außerhalb der Innenstadt.

„Mit der Fütterungsaktion und dem späteren Bau eines Taubenhauses soll auch der Konflikt Mensch/Taube entschärft werden“, sagt Jan Mücher, Vorsitzender des Vereins Göttinger Stadttauben, der auch für die angeschlossene Arbeitsgruppe in Münden zuständig ist. Auch Marie Mengel, Geschäftsführerin der gleichnamigen Stadtbäckerei bestätigt, dass das Taubenaufkommen im Bereich der oberen Burgstraße zurückgegangen sei. „Die Tauben waren teilweise sehr aufdringlich, davon ist nichts mehr zu merken“, berichtet Mengel. Anfangs etwas skeptisch, begrüßt sie nun die Aktion der Fütterung in den Wallanlagen.

„Es hat einige Zeit gedauert, bis sich die Tauben daran gewöhnt haben, dass es Futter in den Wallanlagen gibt“, sagt Bettina Kallausch, die zusammen mit Karin Tuchler von der Mündener Arbeitsgruppe die Vögel regelmäßig nach Vorgaben der Stadt füttert. „Inzwischen kommen über 180 Tauben, wenn einer von uns mit dem Futter kommt“; ergänzt Karin Tuchler.

Es werden immer mehr Tauben, die dem Futter in die Wallanlagen folgen.

Ziel sei es, die Tauben weitestgehend aus der Innenstadt zu locken, und das gehe nur übers Futter. Dabei handele es sich um artgerechtes Körnerfutter. Auf jedem Fall weg von den Fast-Food-Resten der Menschen, die als Fehlernährung den ätzenden und schmierigen Kot der Tiere verursachen. Auch mache dieser Dauerdurchfall die Tiere krank. Durch die Fütterung mit Körnern und Samen werde der Taubenkot weniger aggressiv und ähnele eher Kötteln.

Wunsch der Arbeitsgruppe Münden ist ein Taubenhaus außerhalb der Innenstadt. Das hätte den Vorteil, dass die verwilderten Stadttauben in betreute Taubenschläge umsiedeln könnten, in denen artgerechtes Futter, Wasser und sichere Brutplätze zur Verfügung stehen. Gelegte Eier würden durch Gipseier ersetzt, um so die Population auf ein überschaubares Maß zu bringen. „Das wäre nicht nur dem Tierwohl, sondern auch der Stadthygiene dienlich“, macht Jan Mücher deutlich. Doch das artgerechte Futter müsse auch bezahlt werden. Es koste etwa 130 Euro im Monat. Bislang hat Evelyn Schimek von der Mündener Arbeitsgruppe den größten Anteil des Futters finanziert. Unterstützung leistete auch der TSV Münden.

Viele wilde Tauben waren einst Brieftauben

Nun bittet der Verein um Spenden von Geschäftsleuten, Vereinen und Menschen der Stadt, um die Kosten auf mehrere Schultern zu verteilen. Karin Tuchler weist darauf hin, dass Stadttauben verwilderte Brieftauben sind, die von Menschen zu den vermeintlich wilden Tauben gemacht wurden. Deshalb dürfe sich der Mensch jetzt nicht der Verantwortung entziehen. Da es sich aber nicht um Wildvögel handele, seien sie allein nicht überlebensfähig und auf die Hilfe der Menschen angewiesen. „Wir wissen, dass viele Brieftauben hier in Münden stranden und sich den Stadttauben anschließen“, betont Jan Mücher. Die Taubenschützer weisen immer wieder darauf hin, dass jede noch so gut gemeinte Fütterung mit Weißbrot oder anderen Backwaren der Fehlernährung dient.

Die Mitglieder der Arbeitsgruppe kümmern sich nicht nur um die Fütterung der Tauben, sondern auch um kranke und verletzte Tiere sowie Taubenküken, die in Volieren untergebracht werden. Eine von ihnen ist Evelyn Schimek, die immer wieder viel Zeit investiert, um die Tauben zu pflegen und zu versorgen. (Petra Siebert)

Kontakt und Spenden

Wer Fragen zur Futterspende hat, sich der Arbeitsgruppe anschließen oder sich ehrenamtlich mit der Fütterung der Tauben beschäftigen möchte, kann sich bei Bettina Kallausch unter 01 57/74 97 50 80 oder Karin Tuchler unter 01 76/78 97 36 30 melden. Spendenkonto: Göttinger Stadttauben e.V., DE71 2605 0001 0056 0652 87, Spende „AG Hann. Münden“. (zpy)

Diskussion um Taubenhaus im Umweltausschuss: Kontrolliert füttern oder nicht?

Das Taubenproblem in der Stadt Hann. Münden war auch Thema im Umweltausschuss der Stadt. Diskutiert wurde ein Antrag der SPD-Fraktion, in dem die Errichtung eines Taubenhauses in den Wallanlagen gefordert wird.

Nortrud Riemann betonte, dass der Stadt keine Kosten entstünden, da die Ausgaben für das Material von der Arbeitsgemeinschaft Hann. Münden des Vereins Göttinger Stadttauben durch Spenden und Aktionen aufgebracht werden sollen. Die Holzwerkstadt der BBS solle das Haus errichten.

Jan Mücher vom Verein erklärte die Funktionsweise des Taubenhauses: Ziel sei es, die Tauben aus der Stadt heraus in einen festen Schlag zu locken. Um die Population langfristig zu senken, sollen in dem Taubenhaus dann die Eier durch Gipsattrappen ausgetauscht werden. Der Verein wolle das Projekt gern mit der Stadtverwaltung planen. Ähnliche Taubenhäuser gebe es bereits seit 1993 in der Stadt Augsburg, auch die Stadt Braunschweig setze darauf. In Göttingen sei der Bau eines Taubenschlages 2017 beschlossen worden, Ende des Jahres werde er fertig sein. Auch in Duderstadt gebe es ähnliche Überlegungen.

Taubenhaus könnte im Botanischen Garten aufgestellt werden

Hartmut Teichmann (Grüne) regte an, das Taubenhaus weiter entfernt, etwa im Botanischen Garten zu platzieren. Mücher entgegnete, dass dies schwierig sei, da der Taubenschlag 500 Meter von der Altstadt entfernt sein müsse, damit dieser von den Stadttauben angenommen werde. Mündens Umweltingenieurin Katrin Mihr erklärte, die Abstimmungsgespräche mit der Verwaltung zu einem Taubenhaus seien bereits fortgeschritten. Kritik kam von Dr. Manuela Gantzer (Bürgerforum): Sie verwies auf Studien, wonach die einzige Möglichkeit zur Bestandsreduzierung der Tauben darin bestehe, die Tiere überhaupt nicht mehr zu füttern. Zudem sei es ein hoher Aufwand, die Tauben zu überwachen, den Schlag zu reinigen und die Tiere regelmäßig zu füttern.

Auch bei Gipseiern hätten Studien gezeigt, dass die Tauben schlauer seien und einfach mehr Eier legten. In Basel, wo man ein ähnliches Konzept umgesetzt habe, sei es um den Tierschutz, nicht aber um eine Reduktion des Taubenbestandes gegangen, so Dr. Gantzer. Mücher wies das zurück: Die Tauben nicht zu füttern sei nicht richtig. Die Tiere suchten sich weiter weggeworfenes Essen als Futter. Dieses sei nicht artgerecht. Deswegen sei der Kot der Tiere dann besonders ätzend beziehungsweise dünnflüssig. Hann. Mündens Bürgermeister Harald Wegener betonte, dass es auf einen Versuch ankomme.

Die Verwaltung werde das Projekt gern positiv begleiten und bei der der Antragsstellung helfen. „Eine kurzfristige Genehmigung in ein bis zwei Wochen halte ich für möglich“, so Wegener. Mücher vom Verein Göttinger Stadttauben merkte an, dass ein solches Projekt nicht in ein bis zwei Wochen realisierbar sei, da noch viele grundlegende Fragen mit der Stadtverwaltung geklärt werden müssten. Abschließend stellte der Umweltausschuss fest, dass er dem neuen Rat empfehle, über den Antrag der SPD abzustimmen. (tsz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.