Im Wald fehlt weiter Wasser

Tiefere Bodenschichten trocken – neue Teiche als Regenrückhaltebecken im Stadtwald von Hann. Münden

Visite im Stadtwald: Eine Delegation der Grünen mit Landratskandidatin Marie Kollenrott (links), dem Göttinger Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin (dritter vorne von links) und Anton Hofreiter, Fraktionschef im Bundestag (vierter vorne von links) und Erste Kreisrätin Christel Wemheuer (vorne rechts) informierten sich mit Fachleuten und Interessierten über Wassermangel und neue Teiche. Im Bild ganz rechts Susanne Gohde, Leiterin Stadtwald.
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Visite im Stadtwald: Eine Delegation der Grünen mit Landratskandidatin Marie Kollenrott (links), dem Göttinger Bundestagsabgeordneten Jürgen Trittin (Dritter vorne von links), und Anton Hofreiter, Fraktionschef im Bundestag (Vierter vorne von links), sowie Erste Kreisrätin Christel Wemheuer (vorne rechts) informierte sich mit Fachleuten und Interessierten über Wassermangel und neue Teiche. Im Bild ganz rechts Susanne Gohde, Leiterin Stadtwald.

Der Stadtwald in Hann. Münden ist immer noch viel zu trocken. „Es müsste monatelang durchregnen“, sagt Wetterexperte Prof. Dr. Kai Neumann. Neben der Aufforstung des Stadtwaldes sollen auch Versickerungsflächen wie kleine Tümpel und Teiche geschaffen werden. Eine Delegation der Grünen informierten sich zusammen mit Fachleuten und Interessierten über den Wassermangel und neue Teiche.

Hann.Münden – „Der Wald hat weiter Durst“, sagt Annika Meier, Försterin im Hann. Mündener Stadtwald, bei einem Rundgang im Forst am Blümer Berg. Mit dabei ist eine Delegation der Grünen mit Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, Bundestagsabgeordneter im hiesigen Wahlkreis, und Landratskandidatin Marie Kollenrott. Es geht um die Situation im Mündener Stadtwald.

Der Boden in tieferen Schichten sei weiterhin zu trocken. Der Regen der vergangenen Monate habe nur eine Schicht von etwa einem halben Meter erreicht, je nach Bodenbeschaffenheit, erläutert Susanne Gohde, Leiterin des Betriebs Stadtwald.

Dass dem Wald Wasser fehlt, belegen auch die Daten an der Station in Landwehrhagen, die der Wetterexperte Prof. Dr. Kai Neumann seit 1997 betreibt. Der zusätzliche Regen, der in diesem Jahr von Januar bis August im Vergleich zum Mittelwert gefallen sei, habe die Defizite der vergangenen Jahre nicht ausgleichen können (siehe Artikel unten). Nach seinen Berechnungen seien gerade einmal 11,7 Prozent des Defizits abgebaut worden.

Regen dringt nicht bis in tiefere Bodenschichten durch

„Es müsste also noch ,monatelang durchregnen‘ bevor wir aus dieser strukturellen Trockenheit wieder herauskommen“, sagte Neumann. Hinzu komme, dass die Niederschläge dieses Sommers vor allem schauerartig, also intensiv in kurzer Zeit, gefallen seien. „Diese fließen aber dann auch nur oberflächlich ab und durchfeuchten nicht tiefere Bodenschichten.“ Das bedeute, so Försterin Susanne Gohde, dass Bäume mit tieferen Wurzeln bis etwa 2,50 Meter wie Eichen, Kiefern und vor allem auch Buchen weiter an der Trockenheit in diesen Schichten leiden. Hinzu komme, dass auch viel Wasser auf den großen Brachflächen verdunste, die durch Sturm Friederike und Borkenkäferbefall entstanden seien, auch wenn dort die Wiederaufforstung mit jungen Bäumen bereits begonnen habe.

Forsch unterwegs: Unser Bild zeigt Försterin Annika Meier, Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, und die Landratskandidatin der Grünen Marie Kollenrott im Revierteil Blümer Berg (von links).

Wiederaufforstung

Von den Brachflächen seien inzwischen 400 Hektar wiederaufgeforstet, rund zwei Millionen Bäume gesetzt worden, vor allem Laubbäume wie Rot-, Traubeneiche und Rotbuche, die besser mit dem Klimawandel zurechtkommen. Aber auch Nadelbäume wie Lärche, Douglasie und Weißtanne. „Die Mischung machts“, sagt Gohde. Rund 150 000 Bäume seien gesponsert worden. Etwa 250 Hektar müssen noch bepflanzt werden. Neben der Wiederaufforstung sei nun die zweite wichtige Aufgabe, zusätzliche Versickerungsflächen wie kleine Tümpel und Teiche zu schaffen, in denen sich Regen auch sammeln kann. „Wir wollen das Wasser im Wald behalten. Vier solcher Flächen seien im vergangenen Jahr im Stadtwald angelegt worden. Einer dieser Tümpel oder Kolke, wie sie auch genannt werden, liegt am Schlangenweg. Bei Arbeiten am Weg sei es auch darum gegangen, das Wasser von dort abzuleiten. Dafür sei an einer feuchten Stelle mit einem Bagger eine tiefere Mulde ausgehoben worden, in der sich dann das Wasser gesammelt habe. Dort habe sich über die vergangenen Monate ein Teich entwickelt. Inzwischen finden sich darin auch schon erste Wassertiere wie Molche. Wir benötigten hunderte davon“, sagt Susanne Gohde.

Das Ganze sei aber auch eine Frage der Finanzierung und ein Problem angesichts der Haushaltslage der Stadt, und es fehle an Fördermitteln von Bund- und Land. Das soll sich mit den Grünen ändern, so Anton Hofreiter. Statt Waldbesitzern Flächenprämien zu zahlen, setzten die Grünen auf gezielte Projektförderung, um den Wald zu schützen.

Trockenheit begann 2018

Die Trockenheit im Wald belegen auch die Daten, die der Wetterexperte Prof. Dr. Kai Neumann seit 1997 an seiner Station im Staufenberger Ortsteil Landwehrhagen, sammelt.

Sie habe 2018 begonnen. „Im Mittel haben wir in Landwehrhagen seit Aufbau der Station 1997 eine Jahresniederschlagsmenge von 634,8 Litern je Quadratmeter“, teilte Neumann mit. In den Jahren 2018, 2019 und 2020 sei diese Menge allerdings nie erreicht worden. Im „Dürrejahr 2018“ sei die Abweichung extrem gewesen.

Im Jahre 2018 fielen nach seinen Angaben 357,8 Liter pro Quadratmeter (ein Minus von 277), 2019 fielen 616,7 (ein Minus von 18,1), und 2020 waren es 514,1 Liter pro Quadratmeter (ein Minus von 120,7). Damit habe sich in den Jahren 2018 bis 2020 insgesamt ein Defizit auf von 415,8 Litern pro Quadratmeter ergeben. Hinzu komme noch in diesen zu warmen Jahren eine überdurchschnittliche Verdunstungsrate.

2021, so Neumann, sei bisher tatsächlich regenreicher ausgefallen als die früheren Jahre. Von Januar bis August 2021 habe es im Vergleich zu den langjährigen durchschnittlichen Niederschlagsmengen in diesen Monaten einen Überschuss von 48,9 Litern pro Quadratmeter gegeben. Damit seien aber vom aufgelaufenen Defizit nur rund 11,8 Prozent abgebaut worden. Von Januar bis August fielen 503,8 Liter pro Quadratmeter. Das Mittel liege bei 454,9 Liter. (Ekkehard Maass)

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