Geld für den Ernstfall zur Seite legen

Der tierärztliche Notdienst ist ab sofort für Kunden teurer

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In der Praxis: Dr. Sören Düvel mit Hund Bailey und Joana Flohr von der Tierarztpraxis am Feuerteich in Hann. Münden 

Zu Beginn des Jahres wies die Tierarztpraxis am Feuerteich ihre Kunden auf ihrer Facebook-Seite auf die anstehende Änderung der Gebührenordnung für Tierärzte hin.

Im Notdienst ist eine Gebühr von 59,50 Euro zu zahlen, war in dem Post zu lesen. Bei einigen Tierhaltern ist das auf Unverständnis gestoßen. Manche Nutzer warfen den Ärzten vor, sich persönlich bereichern zu wollen. Andere sorgten sich um Tierhalter, die sich keine teureren Notfallbehandlungen leisten können.

Seit dem 14. Februar ist die neue Gebührenordnung nun gültig. Tierärzte sind daran gebunden, bei einem Besuch außerhalb der Sprechzeiten, eine einmalige Notdienstgebühr zu berechnen, sowie für jede Leistung mindestens den doppelten Satz.

„Ich kann die Gebührenordnung noch nicht einschätzen“, sagt Dr. Sören Düvel, Leiter der Tierarztpraxis am Feuerteich. Es könne sein, dass die Tierkliniken davon profitierten. Die Gebührenordnung sei vor allem für den Erhalt der Kliniken eingeführt worden. Standorte gäben vermehrt ihren Klinikstatus ab – wie zuletzt die Tierklinik Northeim. Zudem werde es schwieriger Nachwuchskräfte angesichts der schwierigen Arbeitsbedingungen – geringe Bezahlung, viele Überstunden – für den Beruf zu begeistern. Ein Bewerbermangel sei auch in den Praxen spürbar.

Tipp: Krankenversicherung oder Sparen

Es könne aber auch sein, dass sich Menschen nun aus Geldnot nicht trauen, ihre Tiere im Notdienst behandeln zu lassen. Um einer solchen Situation aus dem Weg zu gehen, rät der Tierarzt, eine Krankenversicherung für Haustiere abzuschließen. „In Deutschland sind die wenigsten Haustiere versichert, in Skandinavien ist das anders“, sagt Düvel.

Wer das nicht möchte, dem gibt der Tierarzt den Tipp, monatlich Geld für den Notfall zur Seite zu legen. Eine OP im Fall einer Magendrehung beim Hund könne aktuell zwischen 2500 und 3000 Euro kosten.

Auch Annika Lucht, Tierärztin in der Gemeinschaftspraxis Benninger und Lucht in Hann. Münden, sieht vor allem Kliniken im Vorteil der neuen Gebührenordnung. „Auf die Tierbesitzer kommen natürlich mehr Ausgaben zu“, sagt Lucht. Auch sie empfiehlt, eine Krankenversicherung für Tiere abzuschließen.

Die Versorgung durch Tierkliniken sei in der Region allerdings im Vergleich zu anderen Orten gut, von einem Kliniksterben könne hier noch nicht die Rede sein. „Wir Praxen profitieren ja auch davon, dass es Kliniken gibt und wir nicht ständig erreichbar sein müssen“, sagt Lucht. Sie erinnert daran, dass zusätzlich zu den 24-Stunden-Diensten in den Tierkliniken auch Tierarztpraxen Notdienste am Wochenende anbieten und so die Kliniken entlastet werden können. Informationen zu der diensthabenden Praxis bieten viele Ärzte auf ihren Webseiten.

Einen außergewöhnlichen Andrang auf den Notdienst haben weder Düvel noch Lucht in ihren Praxen beobachten können. Bei den meisten Patienten handele es sich auch um Notfälle.

Neue Notdienst-Regelung im Überblick

Laut Bundestierärztekammer wird bei einem Tierarztbesuch außerhalb der Sprechzeiten eine einmalige Gebühr von 50 Euro (plus Mehrwertsteuer) berechnet. Außerdem werden alle Leistungen der Behandlung in der Nacht (zwischen 18 und 8 Uhr), an Wochenenden und an Feiertagen mit dem zwei- bis vierfachen Gebührensatz abgerechnet. Die Änderung der Gebührenordnung ist am 14. Februar in Kraft getreten.

Bei diesen Anzeichen zum Notdienst

Routinebehandlungen, Impfungen und Behandlungen von Erkrankungen, die seit Längerem bestehen und nicht lebensbedrohlich sind, sind laut Bundestierärztekammer keine Notfälle. 

In diesen Fällen sollte ein Tierarzt aufgesucht werden: Bewusstseinsverlust, Zusammenbruch, Atemnot, stärkere oder unstillbare Blutung, sehr helle, blasse Schleimhäute, Krampfanfälle, Probleme beim Harnlassen, anhaltender, blutiger Durchfall oder blutiges Erbrechen mit zunehmender Schwäche, plötzliche Lähmung der Beine, Augenverletzungen, Verschlucken von Fremdkörpern oder Giften, Verbrühungen, Verbrennungen, Hitzschlag, schwerer Verkehrsunfall. Telefonische Anmeldung wird empfohlen.

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