Tourismus ankurbeln mit System

Stadtführung als szenisches Spiel: Der „fürstliche Fensterklatsch“ – hier mit Ariane Trapp als Herzogin Elisabeth – kam gut an. Mit besonderen Stadtführungen wie diesen lockt die Stadtführergilde, buchstäblich in neuem Gewand, an Führungen teilzunehmen. Archivfoto: Siebert

Hann. Münden. Ein Tourismuskonzept in Hann. Münden soll helfen, Gäste zu halten und neue zu gewinnen. Es ist Voraussetzung Fördermittel zu bekommen und soll Projekte nennen, die mit der Fremdenverkehrsabgabe bezahlt werden.

Die Stadt Hann. Münden führt eine Fremdenverkehrsabgabe ein, und das wird kontrovers diskutiert: Während manche der künftigen Zahler der Abgabe fürchten, dass diese finanzielle Bürde für sie zu schwer wiegen wird, sehen die anderen darin eine Chance, den Tourismus anzukurbeln und am Ende mehr einzunehmen als die Abgabe gekostet hat.

Die Abgabe ist zweckgebunden und steht nicht im luftleeren Raum: Der Rat der Stadt Hann. Münden hat bereits im Dezember beschlossen, ein Tourismuskonzept als Grundlage für die Einführung des Beitrags erstellen zu lassen. Dazu einige Fragen und Antworten.

? Ist das Tourismuskonzept für Hann. Münden schon in Arbeit?

! Nein, der Auftrag muss zuerst ausgeschrieben werden - dazu ist die Stadt laut Vergaberecht verpflichtet. Das Geld für das Konzept (brutto rund 24 000 Euro) steht im gerade verabschiedeten neuen Haushalt der Stadt bereit. Ist dieser genehmigt, kann die Ausschreibung erfolgen, es sei denn, man kann über eine sogenannte vorläufige Haushaltsführung schon vorab ausschreiben. Sind dann verschiedene Angebote eingegangen, kann der Verwaltungsausschuss den Auftrag erteilen.

? Was ist der Inhalt eines solchen Tourismuskonzeptes?

! Gäste zu halten und neue Gäste zu gewinnen ist ein Ziel, sagt dazu Antje Jahn, Geschäftsführerin des Vereins Erlebnisregion Hann. Münden. Dazu werden Zielgruppen, Strategien, Handlungsfelder, Maßnahmen und Finanzvolumen definiert.

Das Tourismuskonzept wird für Kernstadt und Ortsteile entwickelt. Es stellt Finanzierungsmöglichkeiten für definierte Tourismusprojekte vor.

Es bildet die Grundlage für die Tourismusentwicklung für die nächsten Jahre, gibt einen bindenen Handlungsrahmen vor und zeigt auch auf, wieviel Geld pro Jahr für welche Maßnahme benötigt wird.

? Wofür braucht man diese Informationen?

! Hann. Münden muss sich im Wettbewerb behaupten, die Konkurrenz schläft nicht und arbeitet ihrerseits immer professioneller. Investitionsdruck, schrumpfende Einwohnerzahlen in Deutschland und stagnierende Reiseintensität führen zu Verteilungskämpfen um Touristen, „bei denen nur die Orte und Regionen am Markt bestehen bleiben, die sich ihren potenziellen Gästen in allen Bereichen immer wieder innovativ, attraktiv und zeitgemäß darstellen“, so Jahn.

Auch der Landkreis Göttingen hatte der Stadt empfohlen, sich professionell für die Bereiche „Stadt- und Kulturerlebnis“ sowie Naturerlebnis“ zu positionieren, um dann unter dem Dachnamen „Erlebnisregion Hann. Münden“ gemeinsam mit der Region in die Vermarktung zu gehen.

? Spielt das Konzept eine Rolle, wenn es darum geht, Fördermittel einzuwerben?

! Ja, ein Tourismuskonzept ist zwingende Voraussetzung für die Fördermittelbeantragung nach den neuen Förderrichtlinien des Landes Niedersachsen ab diesem Jahr, geht aus dem Ratsbeschluss von Dezember hervor.

Ein konkreter Fördermittelantrag für ein touristisches Projekt soll Bestandteil des Konzeptes sein.

Das Konzept soll für Hann. Münden Entwicklungsmaßnahmen aufzeigen, die in die landespolitischen, regionalen und kreiseigenen Entwicklungsziele eingebunden sind. Damit wird es eine Grundlage für die Beantragung von Fördergeld aus der laufenden EU-Förderperiode sein und zur möglichen Kofinanzierung von Tourismusprojekten beitragen.

? An welcher Stelle kommt der Fremdenverkehrsbeitrag ins Spiel?

! Das Konzept wird unter anderem auch touristische Projektvorschläge liefern, die mit den Einnahmen aus der Fremdenverkehrsabgabe finanziert werden können.

? Werden die Touristiker dazu vorher befragt?

! Im Rahmen von Workshops werden die kommunalen Entscheidungsträger und die touristischen Akteure in die Erarbeitung des Konzeptes mit einbezogen, informiert Antje Jahn.

? Wer bezahlt das Tourismuskonzept?

! Laut Beschlussvorlage des Rates vom Dezember werden die Kosten für das Tourismuskonzept aus Mehrerträgen bei der Gewerbesteuer gedeckt. (tns)

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