Touristiker gegen Windkraft-Pläne im Reinhardswald

Eine Montage des Regierungspräsidiums Kassel zeigt: So könnte es aussehen, wenn im Reinhardswald Windkraftanlagen gebaut werden. Montage: RP Kassel / Repro: nh

Hann. Münden/Kassel. Die im Teilregionalplan Energie Nordhessen vorgesehenen Flächen für Windkraftanlagen entlang der niedersächsischen Grenze gefährden den Tourismusstandort Hann. Münden, schädigen den nachhaltigen Tourismus massiv und schaden dem Image der Stadt.

Mit diesen Kritikpunkten hat sich der Verein Touristik Naturpark Münden gegen den vorliegenden Entwurf des nordhessischen Plans gewandt und beim Regierungspräsidium Kassel Einspruch eingereicht.

Besonders die Ausweisung von Vorrangflächen direkt hinter der Tillyschanze (Im Plan: Vorranggebiet KS_26) lehnt der Verein ab, schreiben Geschäftsführerin Antje Jahn und der 1. Vorsitzende, Bürgermeister Harald Wegener, in ihrer fünfseitigen Erläuterung zu ihrem Einspruch: Diese würden die kulturelle Identität Hann. Mündens als Flächendenkmal gefährden.

Jahn und Wegener zitieren eine Untersuchung des Centrums für marktorientierte Tourismusforschung an der Universität Passau, nach der Urlauber auf Windräder in Mittelgebirgslagen sensibler reagieren als in anderen Urlaubsregionen. Danach würden sich 22 Prozent der Mittelgebirgsurlauber gegen einen Ort entscheiden, in dem Windkraftanlagen stehen.

Selbst 15 Prozent der Windenergiebefürworter sagten, sie würden nicht in einer Region Urlaub machen, wo Windkraftanlagen an Aussichtspunkten oder entland von Rad- oder Wanderwegen stehen.

Die Touristiker fordern daher mindestens drei Kilometer Abstand vom Weserbergland-Wanderweg sowie von Fulda, Werra und Weser, um die hiesige Tourismuswirtschaft nicht nachhaltig zu gefährden.

Das werbewirksame Image Hann. Mündens gründe auf der malerischen Lage der Stadt, und die denkmalgeschützte Altstadt sei dank intensiver Sanierungsbemühungen inzwischen „eine Fachwerkstadt von europäischem Rang“. Windräder im Wald über der Stadt aber würden den Blick auf die Landschaft derart verändern, dass zu befürchten sei, dass Touristen sich enttäuscht abwenden.

Die Fachwerk- und Dreiflüssestadt sei in der Tourismusbranche ein Attraktionspunkt erster Güte, 900.000 Tagesgäste und 200.000 Übernachtungen verzeichne man dort jährlich.

Das Tourismusgutachten des Landkreises Göttingen spreche von 950.000 Tagesausflügen und 680.000 Aufenthaltstagen durch Übernachtungsgäste für den gesamten Bereich des Naturparks Münden, so Jahn und Wegener.

Diese Touristen suchten Erholung und das Erleben intakter Natur. Auf Störfaktoren, wie Windkraftanlagen sie darstellen würden, reagierten sie sehr empfindlich.

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