Neben der Werra

Tragödie um seltenes Tier: Biber auf B 80 überfahren

Der verendete Biber: Das überfahrene Tier wurde mit einem Transportkorb von der Bundesstraße weggefahren. Foto:  Hartwig

Lippoldshausen. In der Nacht zu Freitag ist auf der Bundesstraße 80 beim „Letzten Heller" ein Biber überfahren worden.

Nachdem Ende 2014 an Fraßspuren an der Werra bei Oberode erstmals wieder die Existenz des streng geschützten, größten heimischen Nagetieres nach über 100 Jahren im Landkreis Göttingen nachgewiesen konnte, ist der tote Biber der erste physische Nachweis.

Dass der Lippoldshäuser Jagdpächter Matthias Frankowski nachts von der Polizei zu einem Wildunfall gerufen wird, ist keine Seltenheit: Etwa vier Mal im Jahr wird auf der B 80 ein Reh oder Wildschwein überfahren, hinzu kommen etliche Füchse und Waschbären. Als er am Donnerstag am späten Abend aber angerufen wurde mit dem Verweis, dass ein Biber überfahren worden sei, stutzte er. Natürlich hatte er in seiner Jagdscheinausbildung vor 31 Jahren etwas über den Biber lernen müssen, obwohl dieser nicht dem Jagdrecht unterliegt. Doch gesehen hatte er so ein Tier noch nie - wie denn auch, denn in unserer Region galt der scheue Wasserbewohner seit langer Zeit als ausgestorben.

Gemeinsam mit Wilken Hartwig, Revierförsterei in Oberode, begutachtete er den seltenen Fund - und der war wegen der enormen Größe überrascht. Ein Zollstock belegte, dass das Tier mitsamt seiner „Kelle“, wie der breite Biberschwanz genannt wird, rund einen Meter misst. Eine spätere Wiegung ergab ein Gewicht von 18 Kilogramm.

Streng geschützt

Der Biber gehört zu den besonders streng geschützten Tierarten - sowohl nach der Bundesartenschutzverordnung als auch nach der sogenannten FFH-Richtlinie der EU.

Das bedeutet, dass er sich auch nicht „angeeignet“ werden darf. Da der Biber jedoch auf der B 80 eine Gefahr für den Verkehr darstellte, zudem der seltene Fund für eventuell weitere Untersuchungen erhalten werden sollte, stellte ihn Frankowski nach Rücksprache zunächst sicher.

„Das ist einwandfrei kein durchziehendes Jungtier, sondern ein stattlicher, ausgewachsener Biber“, sagte er Freitagmorgen auf HNA-Anfrage Klaus Kornau, vom Landkreis Göttingen bestellter Regionalbeauftragter für Naturschutz für den Bereich des Gemeindegebietes der Stadt Hann. Münden. Erst die Fraßspuren Ende 2014 und jetzt der Totfund bestätigten, dass der Lebensraum wohl geeignet ist und der Biber auf dem Vormarsch ist. Eventuell habe der Biber das Stauwehr des Wasserkraftwerkes umgehen wollen - mit der rechtsseitigen Flussseite habe er aber leider die falsche, weil gefährlichere Seite gewählt.

Kornau informierte die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Göttingen. Jetzt soll geklärt werden, ob der Biber weitergehend untersucht oder beispielsweise für wissenschaftliche Zwecke präpariert werden soll. (phl)

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