Verlorener Bachlauf

Trockenheit macht den Weg der Schede in Volkmarshausen sichtbar

+
Die Zuckerrüben machen es möglich: Der ehemalige Verlauf der Schede zeichnet sich in den trockenen Blättern auf Frank Heedes Feld ab.   

Volkmarshausen. Wie sah Volkmarshausen vor 100 Jahren aus? Einige Felder am Bührener Steg und Gimter Kirchweg geben bei den gegenwärtig trockenen Bedingungen entscheidende Hinweise. Wer weiß, wonach er suchen muss, erkennt einen seit Anfang des 20. Jahrhunderts verlorenen Bachlauf.

Der 72-jährige Reinhold Heede lebt sein Leben lang in Volkmarshausen. Der ehemalige Bauer bewahrt so manches Wissen, dass der jungen Generation verloren gegangen ist. Am Bührener Steg liegt das erste Feld, auf dem sich der ursprüngliche Bachlauf der Schede abzeichnet. „Die Straße heißt Bührener Steg, weil er für die Menschen aus Bühren der direkte Weg zum Markt nach Münden war.“ Dabei passierten sie auch eine Brücke über der Schede in Volkmarshausen – daher der heutige Name der Straße: Bührener Steg.

Der geschulte Bauern-Blick findet die alte Schede sofort: Die Pflanzen, die auf dem ehemaligen Bachlauf wachsen, kommen mit der Trockenheit weniger gut zurecht, als die auf dem Rest des Feldes. Sie sind kleiner und haben teils verdorrte Blätter. Rundherum tragen die Zuckerrüben große dunkelgrüne Blätter.„Das ehemalige Bachbett ist steiniger“, erklärt Frank Heede, Besitzer des Feldes. Deshalb lägen die Pflanzen bei extremer Trockenheit flach auf dem Boden. Unter ihnen kann der Boden das Wasser nicht so gut speichern, wie einige Meter weiter. „Sobald es regnet, stellen sich die Blätter aber wieder auf.“ Getreide verhielte sich nicht so, nur die Rüben geben den Bachlauf preis.

„Vor 100 Jahren wurde Volkmarshausen bei Hochwasser regelmäßig überflutet“, erklärt Reinhold Heede. Deshalb sei die Schede ausgehoben worden und liegt heute zwei Meter tiefer. Um mehr Ackerfläche bewirtschaften zu können, sei der Bach zudem begradigt worden. Wo das Wasser zuvor im sumpfigen Boden versickerte, entstand eine neue Anbaufläche, die noch heute von den Volkmarshäusern „Neues Land“ genannt würde.

Auch Reinhold Heede kennt den ursprünglichen Bachverlauf der Schede nicht mehr, weiß nur aus Erzählungen älterer Generationen zu berichten. Die Veränderungen der Schede konnte er jedoch an einem anderen Ort über die Jahrzehnte verfolgen: im Schedetal.

„Vor 50 Jahren verlief der Bach dort ganz anders als heute“, sagt Reinhold Heede. Da die Schede dort nicht begradigt worden wäre, könne sie sich natürlich entfalten und ihren Lauf immer aufs Neue ändern. „In ein paar Jahrzehnten wird sie wieder anders aussehen als heute.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.