Suresnes-Bewohnerin war ums Leben gekommen

Nach Paris-Terror: Alltag in Mündens Partnerstadt hat sich verändert

Von Terroristen getötet: Cécile Misse. Foto: DR/Suresnes Magazine/nh

Hann. Münden/Suresnes. Malgré tout – trotz allem. Das steht auf einem Plakat, mit dem Bürgermeister Christian Dupuy der Bevölkerung von Suresnes schöne Festtage zum Jahresende wünscht.

Das Plakat spiegelt sinnbildlich die Stimmung in Mündens Partnerstadt wider, rund 50 Tage nach den Terroranschlägen in Paris, bei dem auch eine 32-jährige Frau aus Suresnes getötet worden ist.

Einerseits hat das Städtchen an der Seine den tragischen Tod von Cécile Misse, die im örtlichen Theater Jean Vilar arbeitete, nicht vergessen. So erinnern ein Trauerflor auf der Theater-Homepage und eine bewegende Hommage in der städtischen Zeitschrift „Suresnes Magazine“ an die lebensfrohe Frau. Cécile Misse war nach Angaben der Zeitschrift mit ihrem 33 Jahre alten Lebensgefährten, einem chilenischen Gitarristen, im Pariser Konzertsaal Bataclan während eines Rockkonzerts von Terroristen erschossen worden.

Andererseits demonstriert die Stadt, die den Opfern mit einer Schweigeminute gedacht hatte, mit dem Plakat auch, dass das Leben in Suresnes weitergehen muss.

Kontrollen an der Schule

Allerdings, berichtet die in der Partnerstadt bestens vernetzte Französischlehrerin Annie Schminke vom Mündener Grotefend-Gymnasium, habe sich der Alltag im zwölf Kilometer von Paris entfernten Suresnes nach dem Terror merklich verändert. „Am Collège Jean Macé, unserer Partnerschule, sind die Kontrollen verstärkt worden“, sagt sie, „jeder Schüler muss jetzt seinen Ausweis zeigen, wenn er aufs Schulgelände möchte.“ Auch in Kaufhäusern, am Bahnhof und an anderen öffentlichen Gebäuden seien mehr Sicherheitskräfte als sonst postiert.

Schweigeminute: Die Menschen in Suresnes, darunter Bürgermeister Christian Dupuy, haben den Terror-Opfern vor dem Rathaus gedacht. Foto: Benoît Moyen/Suresnes Magazine/nh

Die Stadt gedachte den Opfern mit einer Schweigeminute vor dem Rathaus. Die Anteilnahme in Hann. Münden war groß. Bürgermeister Harald Wegener hatte im Rathaus ein Kondolenzbuch ausgelegt und später nach Suresnes geschickt.

Sein französischer Amtskollege Dupuy sei ob des Mitgefühls aus der Partnerstadt sehr bewegt gewesen, berichtet Schminke. Im städtischen Monatsmagazin wurden zudem ausgewählte HNA-Artikel über die Anteilnahme in Münden nachgedruckt.

Die 22 Schüler des Französisch-Leistungskurses am Grotefend-Gymnasium von Annie Schminke hatten „in einer spontanen Reaktion“ nach den Anschlägen Briefe an Schüler der Partnerschule geschrieben, sagt die Lehrerin. Diese Geste sei von Seiten der französischen Schule dankbar aufgenommen worden.

Dass das Leben vor den Toren von Paris auch zum feierlichen Jahreswechsel weitestgehend normal weitergeht, zeigt auch, dass das Fremdenverkehrsbüro auf Facebook Ausgehtipps für die Silvesternacht gibt, Restaurants mit speziellen Angeboten locken und viele Menschen sich über soziale Netzwerke zu Silvesterpartys verabreden – trotz allem.

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