Vor Vergessen bewahren

Tschernobyl-Ausstellung: Bilder von jungen Strahlen-Opfern

Fotos, die den Betrachter berühren: Rüdiger Lubricht hat junge Menschen fotografiert, die nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl durch die austretenden radioaktiven Strahlen schwer erkrankt sind. Hier sehen sich Julia Stell und Shiva Lapczynski die Ausstellung an. Foto: Sangerhausen

Hann. Münden. Eine Ausstellung in der St.-Blasius-Kirche zeigt Bilder des Fotografen Rüdiger Lubricht von jungen Menschen, die durch radioaktive Strahlen schwer erkrankt sind.

„Lebenslang“ - so lautet der Titel der Ausstellung in der St.-Blasius-Kirche mit Fotos von Rüdiger Lubricht. Lebenslang, so heißt es im Begleitheft zur Ausstellung, steht für das Leben junger Menschen, die ihr Leben lang an den Folgen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl zu leiden haben. Lubricht, so schreibt der Kunsthistoriker Bernd Küster in einer Würdigung, nehme den Betrachter „mit auf die Zeitreise, die ans Ende der Geschichte führt.“ Küster, Direktor der Museumslandschaft Hessen Kassel, schließt seine Würdigung mit den Worten: „Ich habe einen tiefen persönlichen Respekt vor der Passion, der Selbstlosigkeit und unprätentiösen Haltung dieses Fotografen, der uns um eine Seh-Erfahrung reicher macht und uns vor einer zweiten Katastrophe, dem Vergessen bewahrt.“

Der 30. Jahrestag zur Erinnerung an das schwere Reaktorunglück ist vorüber, es war der 26. April. Für die Menschen, die in dem radioaktiv verstrahlten Gebiet leben, ist nichts vorüber. Sie müssen mit den Folgen fertig werden.

Ingrid Rathgeber, Vorsitzende des Vereins „Kinder in Not nach Tschernobyl“, beschrieb am Abend des 26. April beim ökumenischen Forum in der St.-Blasius-Kirche aus eigenem Erleben bei ihren Aufenthalten in der Region Tschernobyl die Wirklichkeit. Die Menschen müssten verstrahltes Gemüse essen und die verstrahlte Kuhmilch trinken, weil sie nichts anderes zu essen und trinken hätten.

Lubrichts Fotografien entstanden in Privatwohnungen, in Tagesstätten für Menschen mit Behinderungen und in einem Waisenhaus für behinderte Kinder. Begleitet wurde der Fotograf, der sich seit 2003 mit dem Thema Tschernobyl beschäftigt, von der Weißrussin Svetlana.

Die Texte, die die Fotos ergänzen, sind Übersetzungen und Erläuterungen von Svetlana. Die Ausstellung in der St.- Blasius-Kirche ist noch bis zum 8. Mai jeweils von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. (kri)

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