Fragen & Antworten zum Start in den Lehrberuf

Tipps für die Ausbildung: Überstunden sollten eine Ausnahme sein

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Bei der Arbeit: Auszubildende sollten motiviert und teamfähig sein. Doch sie haben auch Rechte, die der Arbeitgeber achten muss.

Altkreis Münden. Für viele Jugendliche hat am Montag die Ausbildung in ihrem Lehrberuf begonnen. Wichtige Fragen zu Rechten und Pflichten beantwortet die Agentur für Arbeit.

Wie wird die Ausbildung vergütet? 

Auszubildende (Azubis) müssen laut Paragraph 17 Berufsbildungsgesetz eine angemessene Ausbildungsvergütung erhalten, die mit den Lehrjahren ansteigt. Ein Richtwert: 2010 betrug sie im Bundesdurchschnitt 678 Euro im Monat. Doch die Spanne ist groß, sie reicht von 300 bis über 1000 Euro. Die Vergütung wird bei den meisten Auszubildenden durch Tarifverträge festgelegt. Existiert keiner, legen Kammern wie die IHK Richtwerte fest.

Sind Überstunden eigentlich erlaubt? 

Nein. Einzige Ausnahme sind absolute Notfälle. Dann kann der Arbeitgeber Überstunden anordnen. Fehlendes Personal gilt aber nicht als Notfall. Allerdings ist es auch nicht ratsam, mit der „Stechuhr“ die Arbeit zu beenden. Gelegentliche Mehrarbeit zeugt auch vom Engagement des Azubis. Für Minderjährige gilt laut Jugendarbeitsschutzgesetz eine maximale Arbeitszeit von 40 Stunden pro Woche, bei Volljährigen laut Arbeitszeitgesetz eine maximale Arbeitszeit von regelmäßig 48 Stunden wöchentlich.

Bekomme ich denn auch Urlaub? 

Aber Ja. Der Urlaubsanspruch richtet sich nach dem Alter des Azubis. Laut Jugendarbeitsschutzgesetz gelten folgende Ansprüche:

• mindestens 30 Werktage, wenn der Azubi zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 16 Jahre alt ist,

• mindestens 27 Werktage, wenn er zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 17 ist,

• mindestens 25 Werktage, wenn der Lehrling zu Beginn des Kalenderjahres noch nicht 18 ist,

• für volljährige Azubis gilt ein Mindesturlaubsanspruch von 24 Werktagen.

Darf mir mein Ausbilder jegliche Arbeit aufbürden?

Nein. Während der Lehre müssen Jugendliche nur Aufgaben übernehmen, die dem vereinbarten Inhalt der Ausbildung entsprechen. Sogenannte ausbildungsferne Aufgaben können Azubis ablehnen. Allerdings ist hier Feingefühl gefragt, denn Ausbilder prüfen damit gern Motivation und Teamfähigkeit.

Was passiert, wenn der Ausbildungsbetrieb pleite macht?

Muss eine Firma Insolvenz anmelden, darf sie ihre Auszubildenden nicht einfach entlassen. Das ist nur erlaubt, wenn der Ausbildungsbetrieb völlig stillgelegt wird. Dann besteht ein besonderes Kündigungsrecht durch den Insolvenzverwalter. Übrigens sind Azubis grundsätzlich von Kurzarbeit ausgenommen und bekommen auch kein Kurzarbeitergeld.

Wird bereits Lohnsteuer fällig? 

Meistens müssen Auszubildende noch keine Lohnsteuer zahlen. Grundsätzlich sind sie zwar auch steuerpflichtig. Da viele Azubis aber ledig sind und keine Kinder haben, werden sie vom Arbeitgeber zwar automatisch in die Steuerklasse I - also die höchste Steuerklasse eingeordnet. Doch Lohnsteuer wird erst fällig, wenn ein monatlicher Bruttoverdienst von circa 850 Euro überschritten wird. Sie wird dann monatlich vom Lohn abgezogen.

Tipp: Wer als Azubi Lohnsteuer zahlt, sollte am Jahresende beim Finanzamt eine Lohnsteuererklärung abgeben. Sie lohnt sich vor allem bei hohen Ausbildungskosten (zum Beispiel Fahrgeld, Arbeitskleidung). Denn die sind von der Steuer absetzbar. Den Antrag für die Lohnsteuererklärung gibt es beim zuständigen Finanzamt.

www.dr-azubi.de

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