Unbeirrt in dunkler Zeit

Lesung im Kostüm: Autorin Eleonore Dehnerdt unterm Schleier mit ihrem Buch „Katharina von Siena“. Foto: nh

Hann. Münden. „Katharina von Siena": Autorin Eleonore Dehnerdt liest aus ihrem neuaufgelegten Buch.

Sie war das 24. Kind der Familie Benincasa und hätte als Tochter eines wohlhabenden Tuchfärbers in der Toskana im 14. Jahrhundert ein vergleichsweise komfortables Leben führen können. Doch Katharina wählt einen deutlich unbequemeren Weg, gegen den Willen ihrer Familie.

Diesen beschreibt die Mündener Autorin Eleonore Dehnerdt in ihrem Buch „Katharina von Siena“, das soeben in einer Neuauflage erschienen ist.

„Über Katharina wollte ich schreiben, weil sie, wie kaum eine andere Frau, bereits als Kind sehr selbstbewusst ihre Gottesliebe umsetzte. Ich erinnerte mich daran, dass auch ich als Kind eine tiefe Gottesliebe spürte, von der ich sagen würde, dass sie meine „große Liebe“ ist“, erinnert sich die Autorin. Die Erstauflage des Buches erschien 2004.

Die Recherche für das Buch habe 1,5 Jahre gedauert und spielte sich nicht nur in Archiven ab. Dehnerdt nahm Kontakt zu einem Schweizer Pater auf, der eine Legenda über Katharina geschrieben hat, die Mündenerin wohnte drei Wochen im Wohnmobil in Siena, lief die Straßen dort auf und ab und traf sich in der San Domenico Kirche mehrmals mit einem deutschsprachigen Pater, „den ich alles fragen konnte, was ich nicht verstand.“

Das Buch ist eine Romanbiografie. Wie auch bei ihren anderen Büchern hieß das für die Autorin, die Fakten mit Fantasie zu ergänzen, um ein lebendiges Bild zu zeichnen, dabei aber immer möglichst dicht an der Zeit dranzubleiben, sich in sie hin- einzuversetzen.

Katharina trat den Schwestern von der heiligen Buße des Dominikus bei, schrieb mahnende Briefe an die Päpste und an Könige, wurde von politisch Mächtigen zu Beratungen und Vermittlungen gerufen in einer Zeit, die von Machtkämpfen und blutigen Auseinandersetzungen zerfressen war. Sie wurde im 15. Jahrhundert heilig gesprochen und ist inzwischen Schutzpatronin von Italien. Es seien „oft nicht die Mächtigen der Kirche und Gesellschaft, sondern solch ehrliche gottesfürchtige Menschen, die Kirche und Gesellschaft die Würde wieder geben“, beschreibt es Eleonore Dehnerdt weiter.

Wichtig sei ihr bei Katharina: „Sie lebte die beiden wichtigen Charakterpaare: Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis, Eigenverantwortung und Gottvertrauen - diese Eigenschaften machen eine Person aus, die in Liebe und ohne Anmaßung und Machtgelüste weit über sich hinauswachsen und wirken kann.“

Katharina lebte in einem von Gewalt beherrschten Jahrhundert, in dem weder weltliche noch geistliche Herrscher gute Vorbilder abgaben. Sie habe als eine der ersten angesprochen, dass sich ein Mensch bekehren muss: „Sie ließ das Seelenheil der Menschen nicht in den Händen und Sakramenten der Mächtigen, sondern legte es jedem einzelnen ans Herz - und ging dabei voran.“

Termin: Die Kolpingsfamilie Hann. Münden lädt für Donnerstag, 10. September, zu Lesung und Gespräch mit Eleonore Dehnerdt ins Pfarrheim, Böttcherstraße 8, ein.

 

Beginn der Veranstaltung ist um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Die Neuauflage „Katharina von Siena. Eine Romanbiografie“ ist im St. Benno Buch-und Zeitschriftenverlag, Leipzig, erschienen: 232 Seiten, gebunden, 12,50 Euro (ISBN 978-3-7462-4444-0).

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