„Unkraut ist ein Unwort“

Hann. Münden: Sie setzen auf Abwechslung im Garten

Genießen die Natur: Eleonore Dehnerdt und Martin Czichelski in ihrem Vorgarten in Hann. Münden.
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Genießen die Natur: Eleonore Dehnerdt und Martin Czichelski in ihrem Vorgarten in Hann. Münden.

Besonders seit der Coronakrise steht der eigene Garten wieder hoch im Kurs. Wir stellen einige der schönsten Gartenparadiese vor. Heute: der Garten von Eleonore Dehnerdt und Martin Czichelski.

Hann. Münden – Lila, gelb, grün, weiß: der Garten von Eleonore Dehnerdt und Martin Czichelski in Hann. Münden ist ein Farbenmeer. Insekten fliegen durch die Luft, ein Vogel nähert sich einem der Nistkästen. „Wir sehen unseren Garten als ein ganzheitliches System“, sagt Eleonore Dehnerdt.

Vor zehn Jahren habe sich das Paar bewusst für einen Naturgarten entschieden. „Damals standen hier noch über 100 serbische Fichten in Doppelreihe, 4,50 Meter hoch“, erklärt Martin Czichelski. Die Baummonokultur musste weichen. Was folgte, war ein bis heute andauernder Prozess des Gestaltens und Umgestaltens. „Es macht schon viel Mühe, das Vorurteil, es handele sich um einen Garten für Faule ist falsch“, betont Eleonore Dehnerdt. „Es gibt da einen Spruch, der lautet: So ein Garten will jeden Tag zwei Beine sehen.“

Es werde viel über Klimakrise und Artensterben geredet, aber manchmal fehle dann das praktische Tun: „Man glaubt es kaum, aber naturbelassene Gärten mit vielen Kräutern sind mittlerweile vom Aussterben bedroht. Manche Gärten werden zugepflastert, von den unsäglichen Schottergärten ganz zu schweigen“, kritisiert Dehnerdt.

In einem zu sehr gepflegten Garten, mit golfplatzähnlich gestutztem Rasen verpasse man zudem sehr viel: „Insekten, Blüten, es gibt immer etwas zu sehen. Wir achten darauf, dass möglichst das ganze Jahr über etwas blüht.“ Deswegen sei es ihr Ziel, anderen Menschen die Vorzüge des naturbelassenen Gartens aufzuzeigen und Tipps zu geben. „Eine Ausbildung zur Zertifizierung solcher Gärten und grünen Gemeinden schließe ich derzeit ab. Ich habe mich auch für die Stadt Münden als Ansprechpartnerin für Privatgärten bereit erklärt“, sagt sie.

Dabei mache der eigene Garten längst nicht nur Arbeit: „Wir erfreuen uns zusammen daran“, sagt sie. Außerdem sei es ein gemeinsames Hobby: „Wir sprechen miteinander darüber, was wir pflanzen, wie wir die Beete gestalten. Gelegentlich fotografiere sie die blühenden Pflanzen auch.

Nachbarn und Passanten reagierten aufgeschlossen und neugierig auf die ungewöhnliche Gartengestaltung. Wichtig sei, mit den Nachbarn im Gespräch zu bleiben: „Als wir uns kürzlich vier Hühner angeschafft haben, haben wir vorher Bescheid gegeben. Somit gab es auch keinen Ärger. Im Gegenteil: Die Nachbarn fragten sogar, ob wir nicht noch einen Hahn dazunehmen wollten, das haben wir aber nicht getan“, so Dehnerdt. Die Hühner sind nun Teil eines natürlichen Kreislaufs im Garten: „Wir nutzen Hühnermist und Brennesseljauche als natürlichen Dünger.“ Einige biologische Abfälle eigneten sich wiederum zum Füttern der Hühner.

Die beiden Hann. Mündener setzen auf die sogenannte Permakultur. Permakultur (von englisch: permanent agriculture für dauerhafte Landwirtschaft) bedeutet, dass natürliche Ökosysteme beziehungsweise Kreisläufe nachgeahmt werden, um beispielsweise auf künstlichen Dünger verzichten zu können.

Das Geheimrezept für einen schönen natürlichen Garten liegt laut Eleonore Dehnerdt in der bewussten Planung und Gestaltung: „Wir lassen den Garten natürlich nicht komplett verwildern, sondern zähmen und gestalten die Wildnis, da wo es gut und nötig ist.“ Dazu gehöre etwa eine Abgrenzung von Beeten und Rasenflächen. Ab und zu werde der Rasen auch gemäht, „allerdings nicht auf Nagelscherenniveau“, betont Martin Czichelski. Deswegen stelle er den Mäher etwas höher ein: „So bleiben Kräuter und kleine Blumen zwischen dem Gras erhalten. Unkraut ist ein Unwort.“ (Thomas Schlenz)

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