Unter Strom

Test eines E-Autos auf Hann. Mündens Straßen

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HNA-Volontär Maurice Morth beim Innenraum-Test.

Im Landkreis Göttingen sind Fahrzeuge mit Elektro-Antrieb noch eine Seltenheit. Wie alltagstauglich sind sie? Wir haben den Test gemacht.

Die Gesamtzahl aller zugelassenen Fahrzeuge beträgt im Landkreis laut Sprecherin Andrea Riedel-Elsner 190 702. Darunter fallen 748 Hybdridautos mit E-Antrieb und 241 reine Elektrofahrzeuge. Wie fährt sich so ein Elektro-Auto überhaupt?

Als absolute Elektro-Neulinge haben HNA-Redakteur Thomas Schlenz und Volontär Maurice Morth im Altkreis Münden den Alltagstest gemacht. Die Versorgungsbetriebe Hann. Münden (VHM) stellten dafür einen Renault Zoe zur Verfügung.

Das Fahrgefühl auf Hann. Mündens Straßen

Für den Besitzer eines Autos mit Verbrennungsmotor ist bereits der Fahrtbeginn ungewohnt: Der Elektro-Motor startet per Knopfdruck, der Bordcomputer signalisiert den Fahrbetrieb – Geräusche? Fehlanzeige. Aus diesem Grund muss man sich zu Beginn beim Warten an einer Kreuzung oder einer Ampel immer wieder ins Gedächtnis rufen, dass der Motor läuft. Denn ohne das Klackern des Blinkers hört man bei ausgeschaltetem Radio nichts.

Ungewöhnlich sind für die Sinne deswegen zunächst auch die Rollgeräusche des Zoes: Da muss man sich beim Überfahren eines Kanaldeckels aufgrund der Lautstärke vergewissern, ob man nicht vielleicht doch einen größeren Gegenstand überfahren hat. Die häufig beschworene Gefahr der „leisen“ Elektro-Autos besteht beim getesteten Renault nicht: Das Fahrzeug gibt bis etwa 30 km/h ein Surren von sich, das Passanten und Fahrradfahrer warnen soll. Der eine Tester würde das futuristische Surren als das Geräusch eines Staubsaugers, der andere als das eines Raumschiffes beschreiben. Beim Lenkverhalten lässt sich kein Unterschied zu dem eines Autos mit Verbrenner feststellen.

Komfort/Alltagspraxis des Renault Zoe

Die Maße des Zoes sind mit einer Länge von rund vier Metern für das Einparken im städtischen Bereich absolut freundlich.

Auch die Karosserie ist so geformt, dass der Blick auf den Straßenverkehr nicht eingeschränkt wird. Die Bedienung des Bordcomputers ist selbsterklärend und die Schaltung des E-Autos ähnelt dem eines Verbrenner-Automatikgetriebes.

Die Ausstattung des Innenraums wirkt für einen Kleinwagen angemessen, auch eine Rückfahrkamera gibt es. Einkäufe aus dem Supermarkt sind im Kofferraum ohne Probleme zu transportieren, insgesamt haben fünf Personen im Auto Platz – das empfiehlt sich aber nur für kurze Fahrtstrecken.

Laden an der E-Säule in Hemeln

Für den „Tank-Test“ ging es nach Hemeln. Direkt vor der Weser-Fähre befindet sich eine VHM-Ladesäule. Grundsätzlich unterscheidet sich das Laden eines E-Autos – außer dem Maßstab – nicht von dem eines Handys.

Das eine Ende des Ladekabels in den Anschluss der Säule stecken, das andere vorne in die Ladebuchse an der Motorhaube.

Dann heißt es allerdings Warten: In 25 Minuten wurden etwa zehn Prozent der Batterie geladen. Mit genügend Zeit sicherlich kein Problem, bei längeren Fahrten auf der Autobahn oder unter Termindruck sollte man allerdings viel Geduld mitbringen.

Alles im Blick: Während des Ladevorgangs zeigt der Bordcomputer jederzeit den Batteriestatus an.

Die Reichweite des Renault

Bei höherem Tempo auf der Autobahn (rund 140 km/h Spitzengeschwindigkeit) schmilzt die Reichweite sichtbar dahin. Das wird selbst bei der kurzen Fahrt über ein A 7-Teilstück deutlich.

Beim Überholen anderer Verkehrsteilnehmer fühlt es sich für den Elektro-Neuling phasenweise so an, als habe man nicht genügend „Saft“, um zu Überholen. Das ist allerdings nicht der Fall, der Überholvorgang klappt zügig und ohne Probleme.

Seine Stärken spielt der Zoe auf Landstraßen und im Stadtverkehr aus, dort hält sich auch der Batterieverbrauch wegen niedrigerer Geschwindigkeiten in Grenzen: Durch Energie-Rückgewinnung beim Rollen und Bremsen lädt sich die Batterie immer wieder zu einem guten Stück auf.

Der ADAC hat den Zoe über einen längeren Zeitraum getestet. Laut dem Automobilclub verbrauchte er im Schnitt 20,51 kWh Strom auf 100 Kilometern. Bei angenommenen 30 Cent pro kWh wären das 6,15 Euro auf 100 Kilometern. Selbst mit einem sparsamen Diesel sei das kaum zu schaffen, so der Automobilclub.

Im Eco-Modus um Hann. Münden unterwegs

Der Renault Zoe besitzt zusätzlich zum normalen Fahrbetrieb einen Sparmodus. Im Unterschied zum normalen Fahren fühlt sich das so an, als würde eine unsichtbare Hand das Auto am Heck festhalten.

Denn der Sparbetrieb schränkt die Leistung des Motors, sowie der Heizung und Kühlung ein. Das Tempo wird auf maximal 95 Kilometer pro Stunde gedrosselt. Für die Autobahn ist dieser Modus nur wenig geeignet, spart aber deutlich an Batterie-Leistung.

Die Beschleunigung des Renault Zoe

Was der Zoe bei der Geschwindigkeit vermissen lässt, macht er mit der Beschleunigung wett. Auf Tempo 100 in 13,5 Sekunden wirkt nicht spektakulär, fühlt sich im Vergleich zum Verbrenner aber schneller an. Die Leistung wird direkter übertragen. Widerstand bei Bergauffahrten gibt es nicht.

Das Fazit der Tester

Die Tester sind mit dem E-Renault auf der Autobahn, der Landstraße und in der Stadt unterwegs gewesen. So haben sie die Fahrten bewertet:

Fazit des Volontärs: Als Fahrer eines Autos mit Verbrennungs-Motor lässt man sich schnell von der neuartigen, gar futuristisch wirkenden Technik, in den Bann ziehen. Die Schwächen offenbaren sich aber bereits nach kurzer Zeit auf der Autobahn: Der Akku hält bei höheren Geschwindigkeiten über längere Fahrstrecken nicht lange genug. Das kann bei Reisen zu nervtötenden Wartezeiten und Ladestellen-Suche führen. Sieht man das Auto allerdings nicht als Langstreckenfahrzeug und ist sich seiner Grenzen bewusst, ist es absolut alltagstauglich: Zur Arbeit pendeln, den Einkauf erledigen, über Nacht zu Hause laden. Menschen mit festem Arbeitsstandort und kurzen Wegen, vor allem im ländlichen Raum, sollten ein Fahrzeug mit E-Antrieb zumindest einmal für sich testen.

Fazit des Redakteurs: Vor dem Test überwog die Skepsis. Wird das Elektrofahrzeug mit einem klassischen Auto mit Verbrennungsmotor mithalten können? Es kann. Zumindest auf Landstraßen ist kein Unterschied zu spüren. Im Gegenteil: Das Auto liegt sehr ruhig auf der Straße. Anfangs irritieren die fehlenden Motorengeräusche. Doch daran gewöhnt man sich als Fahrer schnell. Vor allem die Beschleunigung an der Ampel überzeugt. Dagegen kann so mancher Sportwagenfahrer einpacken.

Für den Alltag ist die Reichweite ausreichend. Wer viel auf der Autobahn unterwegs ist, für den ist ein solches Auto (noch) nichts. Beim Überholen kann es mit 140 Stundenkilometern eng werden. Als Mieter eines Stellplatzes in einer Tiefgarage bleibt die Frage, ob und wie dort das Auto über Nacht überhaupt wieder aufgeladen werden soll. Bis dieses Problem geklärt ist, bleibt der Verbrenner alternativlos.

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