Verdachtsfall im Mündener Museum

Experte: „Eberlein-Venus aus Münden ist keine Raubkunst“

Die Marmor-Skulptur „Venus züchtigt Amor“ kam über einen Nachlass ins Mündener Museum.
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Die Marmor-Skulptur „Venus züchtigt Amor“ kam über einen Nachlass ins Mündener Museum.

Im Städtischen Museum Hann. Münden steht eine Marmorfigur des Künstlers Gustav Heinrich Eberlein unter dem Verdacht Raubkunst zu sein. Dem hat jetzt der Eberlein-Experte Prof. Rolf Grimm entschieden widersprochen.

Hann. Münden. – Die Marmorfigur „Venus züchtigt Amor“ des Künstlers Gustav Eberlein im Städtischen Museum Hann. Münden stamme nicht aus jüdischem Besitz und sei auch keine Raubkunst. Das stellte Prof. Rolf Grimm klar, Eberlein-Experte, der gerade zusammen mit seinem Sohn Rudo ein Werkverzeichnis des Künstlers herausgegeben hat. Grimm reagierte damit auf einen Artikel unserer Zeitung, in dem es um die Arbeit des Göttinger Forschers Dr. Christian Riemenschneider ging, der in Museen der Region auf Spurensuche nach NS-Raubkunst ist. Zu den Verdachtsfällen in Münden gehört für ihn auch die Eberlein-Venus.

Rolf Grimm hat zur Herkunft der Marmor-Skulptur recherchiert. Nach seiner Darstellung stammt die Mündener Eberlein-Venus aus dem Nachlass des Mündener Zahnarztes Dr. Gödeke. „Dr. Gödeke hatte im Testament die Figur der Stadt vermacht. Nach dem Tod der Ehefrau übergab der Testamentsvollstrecker das Dokument der Stadt“, schreibt Grimm.

Der Zahnarzt Gödeke habe die Figur wiederum von dem früheren Mündener Bürgermeister Dr. Rudolf Haarmann beziehungsweise dessen Familie erhalten.

Das, so Grimm, habe ihm Gödecke Anfang 1983 gesagt, als er die Venus zusammen mit Günther Kaerger in Gödekes Wohnhaus besichtigte. Von Berlin, wo Eberlein am 5. Februar 1926 gestorben ist, sei die Venus 1927 nach Hann. Münden gekommen.

Nach Grimms Angaben war im Juli 1927 eine Delegation von Ratsmitgliedern zusammen mit Bürgermeister Haarmann nach Berlin gereist, um den Transport der rund zwei Tonnen schweren Marmor-Skulptur „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ nach Hann. Münden zu organisieren.

Die beiden Mündener Industriellen-Brüder Carl und Heinrich Fischer hatten laut Grimm das Werk von den Erben Eberleins erworben und der Stadt Hann. Münden geschenkt. Die Venus, die ebenso wie die Gottvater-Skulptur, noch im Atelier Eberleins gestanden habe, habe Bürgermeister Haarmann erworben, so Grimm. Zusammen mit der Gottvater-Skulptur sei sie auf einen Eisenbahnwaggon geladen und nach Münden transportiert worden. „Gottvater haucht Adam den Odem ein“ wurde dann am 30. Juli auf dem Schlesierplatz aufgestellt.

Grimm hat auch zur Versteigerung des Nachlasses von Eberlein im November 1928 durch das Berliner Auktionshaus Grünpeter recherchiert. Eine „Venus-Amor-Figur“ sei laut Berliner Presse nicht darunter gewesen. (Ekkehard Maass)

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