Die gute Seele geht

Verdienter Ruhestand: Jutta Gehrke arbeitete 55 Jahre in Zahnarztpraxis in Hann. Münden

Patienten und Kollegen werden sie vermissen: Jutta Gehrke arbeitete 55 Jahre lang in der Zahnarztpraxis von Dr. Michael Kaiser in Hann. Münden.
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Patienten und Kollegen werden sie vermissen: Jutta Gehrke arbeitete 55 Jahre lang in der Zahnarztpraxis von Dr. Michael Kaiser in Hann. Münden.

Mehr als ein halbes Jahrhundert arbeitet Jutta Gehrke in einer Zahnarztpraxis in Hann. Münden. Nach 55 Jahren ist nun Schluss. Schon ihre Lehre begann sie 1967 in den Räumen

Hann. Münden – 55 Jahre lang hat Jutta Gehrke in der Zahnarztpraxis von Dr. Michael Kaiser in Hann. Münden gearbeitet. Jetzt geht sie in den Ruhestand. Schon ihre Lehre begann sie 1967 in den Räumen in der Beethovenstraße. Damals allerdings noch bei Dr. Obst. Bereut hat sie das keinen einzigen Tag, sagt sie.

„Damals haben wir vieles mit der Hand gemacht, was heute automatisch funktioniert.“

In der langen Zeit als Fortgebildete Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) hat sie viele Patienten, Ärzte und Mitarbeiter kommen und gehen sehen, den Umbau der Praxis miterlebt und viele Veränderungen im Arbeitsalltag mitgemacht. „Als ich anfing, hatten wir in der Praxis ein Behandlungszimmer. Jetzt sind es sechs“, sagt Jutta Gehrke. Spritzen auskochen und Röntgenbilder selbst entwickeln habe sie auch noch gelernt. „Damals haben wir vieles mit der Hand gemacht, was heute automatisch funktioniert.“

So habe sie während ihrer Tätigkeit immer wieder Neues gelernt – und das mit Freude. „Vor allem die Assistenzärzte, die immer für zwei Jahre bei uns waren, haben viel Neues mit in die Praxis gebracht“, berichtet die 69-Jährige. Bis 1993 arbeitete Jutta Gehrke „am Stuhl“, wie sie sagt. Danach kümmerte sie sich nur noch um die Anmeldung und die Terminverwaltung. „Diese Aufgabe kann nur jemand erfüllen, der genau weiß, was im Behandlungszimmer passiert“, lobt Dr. Michael Kaiser seine Mitarbeiterin.

Dass sie so lange in der Praxis gearbeitet habe, sei auch kein Zufall gewesen. „Das Arbeitsklima hat einfach gestimmt.“ Nicht nur sind aus Kollegen und Ärzten Freunde geworden, sondern sie lernte auch ihren Ehemann bei der Arbeit kennen.

Ehemann auf der Arbeit kennengelernt

Nach dem Umbau der Praxis wurde ein Labor eingerichtet. Dort traf Jutta Gehrke 1967 ihren spätere Ehemann Karl-Heinz, der als Zahntechniker in der Praxis arbeitete. „Zwischen uns hat es einfach gepasst“, sagt Jutta Gehrke. 30 Jahre lang haben sie miteinander gearbeitet und sind kurz vor ihrer Hochzeit im Jahr 1973 sogar in eine Wohnung im Praxisgebäude eingezogen – auch heute wohnen sie dort noch. „So verliere ich meine Kollegen nicht aus den Augen, auch wenn ich in den Ruhestand gehe.“ Für die Praxis bedeute das einen Einschnitt: „Sie war die gute Seele hier und hat das Team zusammen gehalten“, sagt Dr. Michael Kaiser. Für die Patienten hatte sie immer ein offenes Ohr und hörte ihnen auch oft zu, wenn sie ihr „ihr Herz ausgeschüttet haben“, sagt er. Einige Patienten begleitete Jutta Gehrke ein halbes Leben lang; vom Kindesalter bis ins Erwachsenenleben.

Ein bisschen komisch wird es vielleicht sein, wenn sie nicht mehr jeden Tag in die Praxis geht, sagt die 69-Jährige. Dabei wollte sie eigentlich Köchin werden. Doch ihre Schwester habe ihr damals eine Lehre beim Zahnarzt schmackhaft gemacht, die Arbeitszeiten seien doch so gut. „Das war aber nicht so. Manchmal war ich erst abends um halb neun zuhause“, sagt sie und lacht. „Aber es hat immer Spaß gemacht.“ (Natascha Terjung)

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