Coronavirus: Gemeinsame Proben sind kaum möglich

Viele Chöre im Altkreis Münden sind verstummt

Shanty-Chor Landwehrhagen bei einer Probe im Freien
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Keine Alternative: Nur ein Mal hat der Shanty-Chor Landwehrhagen draußen geprobt.

Die letzte Probe ist schon Monate her und die Konzerte liegen auf Eis. Für die Chöre im Altkreis Münden brachte die Coronazeit vor allem eines mit sich: Stille.

Altkreis Münden – So auch für den Shanty-Chor Landwehrhagen, wie der Erste Vorsitzende Peter Braun erzählt. Die strengen Hygiene-Maßnahmen ließen ein gemeinsames Proben kaum zu. Im Sommer hätten sie es einmal draußen versucht. Das habe aber aufgrund der Mindestabstände wenig mit einer richtigen Chorprobe zu tun gehabt, woraufhin es bei dem einen Versuch geblieben sei.

Zwar würde das Vereinsheim genug Platz bieten, und auch die Kirche könnte grundsätzlich zum Proben genutzt werden, die Heizkosten wären aber so immens hoch, dass der ohnehin schon finanziell angeschlagene Verein diese nicht tragen könne, so Braun. Geld komme momentan nur durch die Mitgliederbeiträge rein. Das reiche nicht einmal, um die Chorleitung weiterhin zu bezahlen.

Keine Möglichkeit für Videokonferenzen

Alternativlösungen, wie beispielsweise in Form einer Online-Videokonferenz zu proben, kämen laut Braun nicht in Frage. Der Altersdurchschnitt der Shanty-Sänger liege bei etwa 70 Jahren, da hätten die wenigsten die Möglichkeit, an einer Videokonferenz teilzunehmen.

Auch der Sängerkreis Fulda-Werra-Weser wurde von der Krise getroffen, klagt Vorsitzender Dieter Mergard. Alle Konzerte mussten ausfallen und die Auflagen für die Chorproben seien so hoch, dass man gar nicht mit dem Proben starten wolle. Er wünsche sich mehr Unterstützung von der Politik. Durch das lange Aussetzen der Proben habe er Angst, dass die Gemeinschaft kaputtgehe. Außerdem werde es schwer, die Chormitglieder nach einer solch langen Pause wieder zu aktivieren, sagt er.

Stimmen müssen geölt werden

Zusammenhalt ist trotzdem groß: Mitglieder des Frauenchors Bühren hoffen, bald wieder gemeinsam proben zu können.

„Wenn es wieder losgeht, müssen wir erst einmal unsere Stimmen ölen“, sagt Ute Surup vom Frauenchor Bühren. Die 32 Sängerinnen haben im Sommer noch draußen geprobt – mit Abstand, Maske und Teilnehmerliste. Seit September aber, ist es still um sie geworden.

„Wir alle vermissen das. Gerade in diesen Zeiten fehlt das gemeinsame Singen sehr“, sagt Ute Surup. Für sie und die meisten anderen Chormitglieder sei die Probe immer ein Ausgleich von einem anstrengenden Tag gewesen. Außerdem mache singen gute Laune, sagt Ute Surup. „Alleine singt man einfach nicht“, ergänzt sie.

Schwer, den Kontakt aufrechtzuerhalten

Den Kontakt aufrechtzuerhalten sei schwer. Zwar rufe Ute Surup die Sängerinnen immer zu ihren Geburtstagen an und nutze die Gelegenheit dann gleich für einen kleinen Plausch, der wöchentliche, persönliche Kontakt fehle aber trotzdem sehr. Auch für den Frauenchor komme eine Online-Probe nicht in Frage – dafür seien Ute Surup und die Sängerinnen technisch nicht gut genug aufgestellt, sagt sie. Ähnlich wie beim Shanty-Chor sehe die finanzielle Situation auch bei ihnen aus. Zum Wohl des Vereins verzichte der Chorleiter sogar auf seine Gage, sagt Ute Surup.

Wie es in der Corona-Zeit auch laufen kann, zeigt Thorsten Seydler, Chorleiter von Chornetto Spezial, dem Chor der Musikschule „ton-art“ in Dransfeld. Zwar habe ihn die Organisation der Online-Chorprobe anfangs das Vierfache der Zeit gekostet, die er normalerweise für die Vorbereitung einer Probe benötigt, inzwischen habe sich aber eine Routine entwickelt und der Mehraufwand sei nicht mehr ganz so groß. „Die Arbeit lohnt sich“, sagt Thorsten Seydler. Wöchentlich proben zwischen 25 und 45 Sänger gemeinsam per Videokonferenz.

Online-Probe ist sinnvoll

Die vorher eingesungenen Songs werden in der Konferenz abgespielt, sodass jeder Teilnehmer dazu singen kann. Einziges Manko: Bisher gebe es noch keine technische Möglichkeit, sich dabei auch gegenseitig zu hören. Die Sänger müssen ihr Mikrofon stummschalten, da durch unterschiedliche Verbindungsgeschwindigkeiten sonst ein großes Durcheinander an Stimmen entstehen würde.

Trotzdem, so Seydler, sei die Online-Probe sinnvoll. So kämen die Sänger nicht aus der Übung. Auch die Älteren kämen inzwischen gut mit der Technik zurecht. Nach der Probe bleibe der virtuelle Raum noch für private Gespräche geöffnet – die soziale Komponente spiele vor allem in dieser Krisenzeit eine große Rolle. (Lea-Sophie Mollus)

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