Drohende Vogelgrippe: Angst der Züchter ist groß

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In Sorge vor der Vogelgrippe: Geflügelzüchter Reiner Schmitz, hier mit einem Brahma-Huhn, hofft im Sinne seiner bunten Vogelschar, dass für den Landkreis Göttingen keine Aufstallpflicht verordnet wird.

Hann. Münden. Noch ist die Welt der Geflügelzüchter im Raum Münden in Ordnung. Aber auch bei ihnen geht die Angst vor der Vogelgrippe um.

Es ist still, an diesem Morgen um acht Uhr in der Siedlung auf dem „Woorth“ in Lippoldshausen. Neben einer Spaziergängerin, die ihre Hunde Gassi führt, ist auch Reiner Schmitz schon auf den Beinen: Von seinem Haus geht er in den dahinter liegenden Garten, öffnet einen Verschlag und muss etwas an die Seite gehen, um von den nach draußen drängenden Federvieh nicht umgerannt zu werden.

Kleine Gartenhütte 

Wenig später öffnet er auch eine kleine Gartenhütte, in der die Gänse über Nacht untergebracht sind: Laut schreiend rennen die prächtigen Vögel nach draußen, schlagen kräftig mit den Flügeln und genießen ihre morgendliche Freiheit. Vorbei ist es mit der morgendlichen Ruhe.

Noch ist die Welt in Ordnung für Reiner Schmitz. Doch mit der Freiheit fürs liebe Federvieh könnte es bald vorbei sein. Dann nämlich, wenn die Geflügelpest oder Vogelgrippe sich weiter ausbreitet und auch der Landkreis Göttingen eine Aufstallpflicht erlässt, die Tiere also ganztags drin bleiben müssten. „Das wäre eine Katastrophe und für viele der Tiere wohl das Todesurteil“, stellt er ernüchtert fest, während er den Tieren ein paar Hände voll Getreide und aufgeweichte Brötchen in den Auslauf wirft. Schnell sind auch ein paar Spatzen bei der Stelle. Genau das - der Kontakt zu Wildvögeln, die das gefährliche Virus H5N8 verbreiten könnten - soll durch die Aufstallungspflicht verhindert werden.

„Die Ställe sind groß genug, dass sie darin die Nacht verbringen können. Aber am Tag müssen die Tiere raus.“

Schmitz, der mit Federvieh groß geworden ist und seit 50 Jahren Geflügel hält, hat dafür Verständnis, für seine wertvolle Geflügelzucht wäre es dennoch ein herber Rückschlag. Jahrelange Zuchtarbeit steckt in den verschiedenen Rassen, etwa den Italienern der Farbschläge „orangefarbig“ und „silberfarbig“, den „rebhuhnfarbig gebänderten Zwergbrahmas“, den schwarzen Australorps und den blauen fränkischen Landgänsen. „Die Ställe sind groß genug, dass sie darin die Nacht verbringen können. Aber am Tag müssen die Tiere raus“, ergänzt der Kommunalbeamte. Ob Sommer oder Winter, Sonne oder Regen: Die Tiere nutzen ganzjährig den Auslauf.

Bei einer Aufstallpflicht müsste Schmitz weitere Hütten aufstellen, um ausreichend Platz anzubieten, ausreichen würde das aber nicht: „Das Gefieder leidet bei den Tieren. Außerdem würden die Tiere vermutlich Störungen bekommen, weil sie die dauerhafte Stallhaltung nicht kennen. Die kennen nur das Leben in Freiheit und haben einen Bewegungsdrang.“

Er müsste sich daher von Tieren trennen und diese entweder schlachten oder verkaufen.

So wie Reiner Schmitz geht es auch den meisten anderen der 15 Mitglieder des „Vereins für Geflügelzucht Hann. Münden und Umgebung“, dessen Vorsitzender Schmitz ist: „Die Wenigsten haben so große Ställe, dass sie ihre gesamten Tiere längere Zeit darin unterbringen könnten.“ Auch sie stünden bei einer Aufstallpflicht vor der Wahl: Schlachten oder Verkaufen.

Verbot von Geflügelschauen 

Dabei hat der Verein in einer anderen Sache noch Glück gehabt: Am 12. und 13. November organisierte der Verein in Lippoldshausen seine alljährliche Rassegeflügelschau, am 14. November wurden wegen der Vogelgrippe landesweit Geflügelschauen vorübergehend verboten.

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