Plattdeutsch, Fotos und Rezepte

Volker Meng ist der neue Ortsheimatpfleger in Hemeln

Volker Meng im Gemeindehaus Hemeln
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In seinem Büro im Hemelner Gemeindehaus wird Volker Meng viele ehrenamtliche Stunden am vom Landkreis gesponserten Laptop verbringen.

Volker Meng ist Ortsheimatpfleger des Hann. Mündener Ortsteils Hemeln. Er tritt die Nachfolge des verstorbenen Walter Henckel an.

Hemeln – In den Aufgaben der Ortsheimatpflege sieht Volker Meng mehr als nur das Archivieren und Beschriften von Dokumenten und Fotos. Für ihn ist der Austausch mit den Bewohnern aus Hemeln wichtig, besonders mit den Älteren, die aus vergangenen Zeiten berichten und vieles weiter geben können, was in Vergessenheit geraten ist. Volker Meng möchte Erinnerungen lebendig halten.

„Das, was wir haben, möchte ich in die Zukunft retten“, sagt er. Auf jedem Fall will er die Vereine und Menschen im Ort einbinden, um nicht nur die Vergangenheit, sondern auch die Gegenwart für die Zukunft festzuhalten. Wie haben die Menschen vergangener Generationen, vielleicht sogar vor hunderten Jahren, in Hemeln gelebt, gearbeitet, gefeiert? Was hat sie bewegt, und was haben sie bewegt? Diese Fragen möchte er erforschen.

Immer wenn ihm etwas einfällt, was sein Dorf besonders prägt, macht er sich Stichpunkte für seine Ideensammlung. „Küche und Sprache steht für die Region, das ist Heimat“, sagt er. Besonders freut ihn, dass das ostfälische Platt in Hemeln gepflegt wird. Dieses sprachliche Kulturerbe müsse erhalten und weiter ausgebaut werden. Es ist ihm ein Anliegen, das Wörterbuch, das der Hemelner Erich Koch in Platt veröffentlicht hat, zu ergänzen. Er kann sich vorstellen, Märchen und moderne Kinderbücher in Platt zu übersetzen sowie dazu eine Audio-Version erstellen.

Ortsheimatpflege: Fotos und Familiengeschichten

Auch regionale Gerichte sollen für kommende Generationen zugänglich sein. Deshalb plant Meng, Kontakt mit Landfrauen aufnehmen und typische Hemelner Rezepte aufschreiben – Rezepte einzelner Familien, aber auch solche, die viele in Hemeln schätzten. Da er selber gerne kocht, ist er fasziniert, wie Menschen mit denselben Zutaten unterschiedliche Gerichte kreieren. „Viele alte Gemüsesorten gibt es nicht mehr, dafür immer mehr Exoten“, stellt Volker Meng fest. „Wer kennt schon Kasseler Strünkchen?“ Die Besonderheit ist, dass der beim Treiben eines Blütenstandes entstehende kräftige Strunk sehr spät holzig und hohl wird und sich so gut verarbeiten lässt. Gemüsegärten wie früher gibt es in Hemeln nicht mehr viele, so Meng. Damals wurde beispielsweise Markstammkohl angebaut, den heute kaum noch jemanden kennt. Auch die Tierhaltung und die Landwirtschaft haben sich stark gewandelt.

Deshalb sieht er es als Hauptaufgabe, zunächst in allen Bereichen Infos zu sammeln, diese zu dokumentieren und Fotos zu digitalisieren. Dafür spendete der Landkreis Göttingen kürzlich 500 Euro für die Anschaffung eines Laptops. Bei der Ortsgeschichte geht es immer um Menschen. „Das Spannendste sind die Geschichten, die vor Ort erzählt werden“, so Meng. Viele nette Geschichten schlummern bei Familien. Jedes Dorf hat faszinierende Geschichten, die es einzigartig macht.

Er möchte außerdem Vorträge halten und Ortsheimatpflege mit Umweltschutz kombinieren. Auch die Themen Schottergarten und Mähroboter wären für einen Vortrag denkbar. Auch eine jährliche Baumpflanzung mit Grenzwanderung kann er sich künftig vorstellen. Einmal jährlich soll es außerdem eine Ortsrats- und Arbeitssitzung geben, auf der Volker Meng über seine Arbeit als Ortsheimatpfleger berichtet.

Volker Meng folgt auf Walter Henckel

Nach dem Tod des Ortsheimatpflegers Walter Henckel wurde Volker Meng, zunächst bis 2025 das Ehrenamt übertragen. Ab 1971 war Walter Henckel Ortsheimatpfleger und hat in dieser Zeit einen reichen Fundus angesammelt, um den sich nun sein Nachfolger kümmern wird. Neben Exponaten, Landkarten und Schriften, die sich im Gemeindebüro befinden, überlässt Walter Henckels Familie Volker Meng auch das private Mobiliar. Volker Meng ist Technischer Leiter des Forstbotanischen Gartens der Uni Göttingen. Das ihm anvertraute Areal verfügt über 40 Hektar.

von Petra Siebert

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