Handel und Wandel an der Schlagdspitze

Von Bremen in die Drei-Flüsse-Stadt

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Gleich zwei Frachtkähne sind hier an der Schlagdspitze zu sehen: Die große Zeit des Weserhandels von der Schlagdspitze aus war in den 1870er Jahre n längst vorbei. 

Münden war eine Stadt des Fernhandels. Die Weser stellte über den Bremer Hafen das Tor zur Welt dar und nicht ganz zu Unrecht wurde Münden auch „Klein-Bremen“ genannt.

Dieser Handel auf dem Wasserweg spielte sich vor allem an der Schlagdspitze, der Bremer Schlagd ab. Spätestens mit der Eröffnung der Weserumschlagstelle 1906 unterhalb des Tanzwerders wurde der Warenumschlag an der Schlagdspitze aufgehoben, war aber schon viele Jahre vorher nahezu bedeutungslos geworden.

Das Foto der Schlagdspitze ist wahrscheinlich in den 1870er Jahren vom Kasseler Fotografen Jean Appel aufgenommen worden. Zwei Frachtkähne haben festgemacht. Auf der Schlagd lagert vor allem Bauholz, welches verschifft werden soll. In Aktion ist auch ein Kran zu sehen, dieser von der Gute-Hoffnungshütte hergestellte Kran wurde mit einer Handkurbel bedient. Hier hängen gleich mehrere Säcke am Seil. Dahinter steht das kleine Waagehaus. 

Die Schleppkähne waren in der Lage, Fracht von bis zu 200 Tonnen zu transportieren, was allerdings ein ausreichend hohes Fahrwasser bedingte, was auf der Oberweser nicht häufig der Fall war. Diese Kähne mit einem spitzen Kiel, so schrieb es Stadtchronist Wilhelm Lotze, wurden vom Mündener Schiffbaumeister Heinrich Hagemann 1838 versuchsweise gebaut, nachdem diese bereits erfolgreich auf dem Main eingesetzt wurden. Schiffsherr Friedrich Basilius war 1843 der Erste, der ein solches Schiff bauen ließ und für die Fahrten nach Bremen einsetzte. 

Es konnte die dreifache Ladung wie die bisher verwandten Bockschiffe tragen. Hingegen dem bisherigen Treideln wurden diese Schiffe nicht mehr vom Ufer aus stromauf gezogen, sondern wurden von mit Dampfmaschinen betriebenen Schleppschiffen stromauf geschleppt. Zu einem rentablen Schleppschifffahrtsbetrieb bis Münden führte das hingegen nicht. Im Februar 1859 erreichte das Dampfschleppschiff „Münden“ mit drei schwer beladenen Kähnen Münden. Fast neun Tage war der Schleppschiffverband unter widrigen Umständen von Bremen nach Münden unterwegs. 1860 stellte die „Münden“ ihre Fahrten wegen fehlender Rentabilität ein.

Eisenbahn läutete den Niedergang ein

Der Niedergang der Schifffahrt auf der Oberweser hatte mehrere Gründe. Zum einem dauerte es sehr lange, bis sich nach 1866 eine halbwegs gemeinsame Wasserbauverwaltung, nun unter der Ägide Preußens, an der Weser etablieren konnte, die in den Folgejahren den Ausbau der Weser als Wasserstraße voranbrachte. Vor allem aber war es der Siegeszug der Eisenbahn, der binnen weniger Jahrzehnte den gesamten Personen- und Güterverkehr revolutionierte. 

Speziell für Münden kommt hinzu, dass die Schlagdspitze von den Schleppschiffverbänden nur sehr schwer angelaufen werden konnte. Bestenfalls konnte jeweils ein Schleppschiff mit dem Schleppdampfer in Richtung der Schlagdmauern gezogen werden. Zwischen 1890 und 1895 wurde an der Fuldakanalisierung gearbeitet und Kassel erhielt einen Binnenhafen. Hierfür wurde der Tanzwerder geteilt und ein Schleusenkanal errichtet. 

 Dieses belebte die Schifffahrt auf der Oberweser, da für die wachsende Metropole Kassel ein hinreichendes Frachtgut in Form von Massentransportgütern vorhanden war. Die Schlagdspitze fiel seitdem mehr und mehr in einen Dornröschenschlaf, aus dem sie nun hoffentlich städtebaulich wiedererweckt wird, war sie doch Jahrhunderte lang Garant des wirtschaftlichen Wohlstandes der Stadt.

VON STEFAN SCHÄFER

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