Damals in Münden

Von Hann. Münden nach Kassel: Rast am Gasthaus Lutterberger Höhe

Statt Autos sind auf der heutigen B 496 im Jahre 1905 noch Pferdefuhrwerke das bestimmende Fortbewegungsmittel. Für Mensch und Tier stellte die Rast eine willkommene Auszeit dar.
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Statt Autos sind auf der heutigen B 496 im Jahre 1905 noch Pferdefuhrwerke das bestimmende Fortbewegungsmittel. Für Mensch und Tier stellte die Rast eine willkommene Auszeit dar. Postkarte des Verlages Hans Augustin, versendet 1905.

Das Gasthaus Lutterberger Höhe ist 1859 gebaut worden. Mittlerweile existiert es seit geraumer Zeit nicht mehr. Zeit für eine kleine Zeitreise.

Hann. Münden – Wer nach Kassel will, braucht heute – wenn nicht gerade Stau auf der A7 ist – zwischen 20 Minuten und einer halben Stunde bis in die nordhessische Metropole. Der Weg führt die Bundesstraße 496 Richtung Lutterberg entlang, die Serpentinen hoch.

Reise von Hann. Münden nach Kassel war beschwehrlich

Das war natürlich nicht immer so. Vor dem Zeitalter des Autos legten Menschen, die nach Kassel wollten, den Weg zu Fuß oder mit dem Pferdefuhrwerk zurück. Auch sie mussten erst mal Richtung Lutterberg. Allerdings führte der Weg damals noch ohne Kurven schnurstracks bergauf. Oben gab es lange Zeit ein Gasthaus.

Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts machten dort zwei Mündener ihre allerletzte Rast, bevor sie hinterrücks ermordet worden. Heute erinnern die sogenannten Mordsteine im Steinbachtal an dieses Verbrechen. Das Gasthaus, in dem sie ihre Pause einlegten, war wohl ein Vorgängergebäude des späteren Gasthauses Lutterberger Höhe.

Die Straßenführung hatte sich bereits 1826/27 geändert, als die Serpentinen angelegt und die Franzosenbrücke gebaut wurde. Der Vorgängerbau der Lutterberger Höhe musste 1819 zugunsten der neuen Straßenführung abgerissen werden. Gastwirt Linze aus Lutterberg witterte seine Chance und baute ein Holzgebäude dorthin, das als Lokal dienen sollte, um die fleißigen Bauarbeiter mit Getränken zu versorgen. Nach Ende der Bauarbeiten musste aber auch dieses Gebäude aller Wahrscheinlichkeit zeitnah wieder weichen.

Gasthaus wurde 1859 gebaut

Das eigentliche Gasthaus Lutterberger Höhe ist 1859 gebaut worden. Bis es 1877 in den Besitz von Paul Pfeifer kam, hatte es verschiedene Eigentümer. Er hatte es wahrscheinlich gekauft, weil das Gasthaus nun mal an der bisher wichtigsten Verbindung nach Kassel lag und daher Profit versprach. Allerdings kam 1882 ein Alternativweg dazu, nämlich über die damals neue Pionierbrücke am Fulda-Ufer entlang durch Wilhelmshausen. Ob Pfeifer sich deshalb zwei Jahre später für einige Änderungen am Gasthaus entschied?

1884 errichtete er Stallgebäude, Abort und eine Waschküche. Auch einen Backofen ließ er einbauen. Ob das für mehr Zulauf sorgte, ist nicht überliefert. Sicher ist aber, dass die „Lutterberger Höhe“ im Anschluss offenbar lange Jahre unverändert blieb – bis 1907 andere Besitzer auf den Plan traten. Der Gastwirt Otto Enke baute das Gasthaus weiter aus und richtete Fremdenzimmer ein. Zudem ließ er eine Veranda bauen.

Gasthaus Lutterberger Höhe: 2007 abgerissen

Vielleicht hängt es mit dieser Veranda zusammen, dass 1910 in einem Werbeprospekt plötzlich der Beiname „Sommerfrische“ auftaucht, was Gäste in das mitten in den Wäldern hoch über Hann. Münden gelegene Gasthaus locken sollte. Bis zum Ende des Gasthausbetriebs gab es noch einige weitere Besitzer. So beispielsweise der kriegsbeschädigt aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrte Gastwirt Kliemsch. Er musste im Jahr 1940 schließen. Taletta Meyer war die letzte Besitzerin des Gasthauses Lutterberger Höhe. Lange stand es dann unbewohnt und ungenutzt an der B 496. Im Jahr 2007 wurde das inzwischen verfallene Gebäude letztlich abgerissen. (Sarah Schnieder)

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