Verhandlung vor Amtsgericht in Hann.Münden

Von Treppe gestoßen und verprügelt: Das Opfer soll noch aussagen

Hann. Münden. Vier Uhr nachts im November 2015: Rangelei vor der Soccer Arena in Hann. Münden nach einer Feier.

Ein 20-Jähriger wird von einer Treppe gestoßen. Als er am Boden liegt, sollen zwei Männer auf den Mündener eingetreten haben. Eine Polizeistreife kommt vorbei, die Rangelei löst sich auf.

In diesem Fall wurde am Donnerstag ein 27-Jähriger aus Münden wegen gefährlicher Körperverletzung vor dem Amtsgericht angeklagt. Die Richterin tendierte dabei zu Freispruch, eine Entscheidung gab es aber noch nicht, es besteht noch Klärungsbedarf, das Opfer soll noch gehört werden. Das Verfahren wird am 27. April fortgesetzt.

Bei der einstündigen Sitzung ergab sich durch mehrere Aussagen, dass wohl nicht der 27-jährige Angeklagte, sondern ein Freund von ihm das Opfer von der Treppe gestoßen hat. Dieser wurde ebenfalls angeklagt, befindet sich laut der Richterin jedoch in Kasachstan, weshalb sein Verfahren eingestellt werden musste.

Zu klären galt es dann noch, ob der Angeklagte auf den am Boden liegenden 20-Jährigen eingetreten hat. Der Angeklagte selbst verneinte das. Er sei während der Rangelei auf der Toilette gewesen. „Als ich nach draußen kam, ist nichts mehr passiert“, sagte er mit gefalteten Händen und starrem Blick auf die Richterin.

Zwei der Zeugen sagten dagegen aus, dass sie den Angeklagten bei der Rangelei vor der Soccer Arena gesehen haben. Ein 21-Jähriger aus Hann. Münden sagte, er sei dazwischen gegangen und habe den Angeklagten weggezogen. Ein Polizist bestätigte dies.

Auf nähere Nachfragen, wie die Rangelei ablief und ob der Angeklagte gewalttätig wurde, konnten die als Zeugen geladenen Partygäste jedoch oft nur mit „Das ist zu lange her“ und „Ich war alkoholisiert“ antworten.

Dazu kommt, dass alle Zeugen berichteten, dass das Opfer nicht schwer verletzt wurde. Ein Zeuge sagte, er habe eine Prellung an der Hand gesehen, ein anderer Zeuge sprach von „einer Beule am Kopf“.

Die zwei Polizeibeamten, die im Streifendienst zu dem Vorfall kamen, berichteten, dass das Opfer lediglich über Kopfschmerzen geklagt habe. Der 20-Jährige habe es abgelehnt, dass die Beamten seinen Zustand begutachten, und wollte keine Aussage zu der Rangelei machen. Auch bei der Sitzung des Amtsgerichts am Donnerstag fehlte das Opfer.

„Freispruch“, lautete da die Tendenz der Mündener Strafrichterin. Der Verteidiger stimmte zu, die Staatsanwaltschaft bestand jedoch darauf, den Geschädigten zu hören. Daher wird der Prozess am 27. April fortgesetzt, kündigte die Richterin an. „Das zieht sich wie Kaugummi“, kommentierte sie.  

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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