Von der Uni in den Wald

So geht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr im Mittelalterdorf

Am Rande des Mittelalterdorfes: Ulrike Zander-Platner (links) und Tobias Karsten bauen ein Hochbeet im Wald oberhalb von Hann. Münden.
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Am Rande des Mittelalterdorfes: Ulrike Zander-Platner (links) und Tobias Karsten bauen ein Hochbeet im Wald oberhalb von Hann. Münden.

Eigentlich hätte die Saison im Mittelalterdorf Steinrode im März nach der Winterpause begonnen. Doch auch die Tore des Dorfes bleiben wegen Corona vorerst geschlossen.

Das bedeutet nicht, dass Steinrode verwaist ist, es gibt genug zu tun. Dorfvogtin Bettina Sangerhausen, Dr. Christian Platner, Vorsitzender des Vereins Libellula, Waldpädagogin Ulrike Zander-Platner und Tobias Karsten, der zurzeit dort ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert, arbeiten im Wechsel zu zweit.

Für Tobias Karsten (23) ist dies ein Traumjob, auch wenn es im Moment ruhiger zugeht. Der junge Mann aus dem Harz (Bad Lauterberg), hat eine Ausbildung als Forstwirt absolviert. Ein Studium in den Fächern Ethnologie und Philosophie stand vorher an. „Ich habe erkannt, dass ein akademischer Weg nicht mein Ding ist“, berichtet er. Sein Ziel ist es, als Waldpädagoge zu arbeiten. Das Arbeiten im Wald habe ihn gereizt.

Sein zusätzliches Faible für altes Handwerk hat dazu geführt, dass er sich als FÖJler beim Verein Libellula für Aufgaben im Mittelalterdorf Steinrode beworben hat. Libellula bietet als Förderverein für Umweltbildung und Waldpädagogik an Schulen, seit vielen Jahren im mittelalterlichen Dorf Steinrode im Kaufunger Wald Natur- und Erlebnispädagogik für Schulen an.

„Der Aufenthalt im Freien, oft auch alleine, macht mir Freude“, erzählt Tobias Karsten. „Ich kann eigene Ideen entwickeln und umsetzen, mir Aufgaben selber aussuchen, so habe ich jetzt einen Getreide- und Gemüsegarten angelegt, die Lehmhäuser repariert und Spuren des Winters auf dem Gelände beseitigt“. Gemeinsam mit der Dorfvogtin betreut er Besuchergruppen. Denn generell zählen von Frühling bis Herbst Schulklassen, Kindergärten und Wandergruppen zu den Besuchern, die dort aktiv ins Mittelalter eintauchen.

„Das Dorf ist ein außerschulischer Lernort, ein Modelldorf tief im Wald mit der Grundidee, so wie früher zu leben, als die Menschen von Ressourcen abhängig und aufeinander angewiesen waren sowie nachhaltiges Wirtschaften praktizierten“, sagt dazu Dr. Christian Platner.

Ob Holz sammeln, Feuer machen, Gemüse ernten, über dem offenen Feuer kochen, Reparaturarbeiten an den alten Lehmhäusern vornehmen töpfern und mit selbst hergestellten Pfeil und Bogen schießen gehören dazu. Reizvoll ist für viele der jüngeren Besucher das Schreiben mit Feder und Tinte, die aus Pilzen, den Tintlingen, hergestellt wird.

Dr. Platner bestätigt die Wichtigkeit der waldpädagogischen Arbeit, in der sich die jungen Helfer überall einbringen können und die nicht nur eine berufliche Orientierung biete. Auch die Waldpädagogin unterstützt Karsten bei ihrer Arbeit, wenn es heißt „aus dem Klassenzimmer in die Natur“. Spielerisch erleben Schulkinder dabei Natur mit allen Sinnen.

Das Freiwillige Ökologische Jahr

Das Freiwillige Ökologische (FÖJ) Jahr ist ein Bildungsjahr für junge Menschen mit dem Ziel, ökologische, soziale, kulturelle und interkulturelle Qualifikationen zu vermitteln. Insbesondere soll ein Umweltbewusstsein entwickelt werden, um ein kompetentes und nachhaltiges Handeln für Natur und Umwelt zu fördern. Zu den spannenden und reizvollen Aufgaben gehören nicht nur die Betreuung von Gruppen und das Anleiten von praktischen Arbeiten, sondern auch das Erstellen von Arbeits- und Informationsmaterialien. Die FÖJler bleiben ein Jahr am Ort. Allerdings finden zwischendurch Seminare und ein Austausch mit FÖJlern anderer Einrichtungen statt. Interessenten sollten mindestens 18 Jahre alt sein, Führerschein und Auto besitzen, weder schlechtes und zu warmes Wetter scheuen, Spaß am Umgang mit Menschen und an der Arbeit in der Natur haben. Kontakt und Infos: Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz (NNA), Am Flugplatz 16, 31137 Hildesheim; Tel.: 0 51 21/50 97 63; nna.de.

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