Dramatische Entwicklung

Waldbesitzer in der Region um Hann. Münden fordern Hilfe

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Die Waldbesitzer in der Region um Hann. Münden  fordern Hilfe.

Fichten, Eschen, Lärchen und Buchen leiden: Auf 9000 Hektar oder rund 15 000 Fußballfelder haben sich die durch Schäden entstandenen Freiflächen im Wald in Niedersachsen summiert.

Das Thema ist in der Politik angekommen, die Waldbesitzer benötigen aber umfassende Hilfen, um die Schäden zu beseitigen und neue Wälder aufzubauen. Das war das Ergebnis einer Bereisung des Präsidenten des Waldbesitzerverbandes Niedersachsen, Norbert Leben, gemeinsam mit Vertretern von Realgemeinden, der Landwirtschaftskammer (LWK) Niedersachsen und dem Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU) im Wald der Familie von Stockhausen in Imbsen.

Stürme, Dürre, Borkenkäfer, Wälder zerstört, der Holzmarkt am Boden: Das Bild, das Mark-Stanislaus von Busse als früherer Chef der Forstabteilung der LWK zeichnete, war düster. „Den Waldbesitzern muss geholfen werden, aber Waldbau ist ein Jahrhundertwerk.“ Landwirte könnten jedes Jahr neu beginnen, die Förster jedoch nicht. 

Seit Jahrzehnten schon lege man Mischwälder an oder baue reine Nadelholzbestände zu solchen um. Damit spielte von Busse auf Medienberichte an, in denen immer wieder von Umweltverbänden gefordert wird, künftig keine Reinbestände mehr anzupflanzen.

Fritz Güntzler, der seine Fraktion im Finanzausschuss des Bundestages vertritt, fragte: „Wie kann die Politik ihnen helfen, was sind die richtigen Maßnahmen?“ Die Schäden im Wald betreffen in Niedersachsen rund 100 000 Privatwaldbesitzer, quer durch alle gesellschaftliche Schichten, machten die Forstvertreter deutlich. 

Und Norbert Leben betonte: „Wenn wir Wald als gesellschaftliche Daseinsvorsorge betrachten und uns der Wald als Ort für Erholung, Tourismus, Lebensraum, Trinkwasserspeicher, Sauerstofflieferant, Kohlenstoffsenke und Holznutzung etwas bedeutet, muss er der Gesellschaft auch etwas wert sein.“ Er forderte eine 100-prozentige Förderung bei der Bekämpfung der Borkenkäfer, der Aufarbeitung der Schäden und für die Wiederaufforstung.

Fraßbild des Buchdruckers mit weißen Larven: Aus 1200 Weibchen an einem Baum werden in einem optimalen Borkenkäferjahres rund 20 Millionen Käfer.

Aus den Forstbetrieben könnten die anstehenden Aufgaben nicht bezahlt werden: Das im Wald durch Käfer anfallende Nadelholz sei nicht mehr kostendeckend zu verkaufen, die Waldbesitzer legen für einen stolze 80 Jahre gewachsenen Baum sogar noch Geld drauf. Das machte auch Ernst von Stockhausen deutlich, in dessen Wald Schäden besichtigt wurden. Von den 220 Hektar Wald der Familie seien rund 70 Hektar mit dominierender Fichte. 

Teure Wiederaufforstung

Eine 80-jährige Fichte, die früher Überschüsse einbrachte, schaffe derzeit vielleicht allenfalls noch die schwarze Null, einige Holzsortimente seien sogar derzeit unverkäuflich. Noch arbeite man das Holz auch bei Verlust auf, wisse aber nicht, wie lange man sich das bei den gigantischen Holzmengen noch leisten könne – von der Wiederaufforstung, die mit 5000 bis 7000 Euro zu Buche schlage, ganz zu schweigen.

Wie dramatisch die Entwicklung der Borkenkäfer ist, zeigten Förster Martin Spletter und Forstamtsleiter Michael Degenhardt auf: „Aus einer einzigen, mit 1200 weiblichen Borkenkäfer befallenen Fichte werden innerhalb nur eines Jahres 20 Millionen Käfer, die 15 000 Fichten zum Absterben bringen“, so Degenhardt. Was gerade passiere, habe wohl kaum ein Förster erlebt. Das sei mit einem Waldbrand zu vergleichen, der durch heiße Südwinde angepeitscht werde.  phl

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