Störung nach Unwetter

Wasser dringt in Kabel ein: 600 Kunden sind seit Ende Juli ohne Telefon

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Kein Anschluss unter dieser Nummer: Physiotherapeutin Petra Menne ist in ihrer Praxis in Uschlag seit 25. Juli telefonisch nicht erreichbar.

Staufenberg. Seit der letzten Juli-Woche als Folge von Gewitter und Starkregen sind in den Staufenberger Ortschaften Uschlag und Dahlheim Telefon und Internet gestört.

Ortsbürgermeister Carsten Teller, dessen Handy durch die Störung im D 1-Netz ebenfalls nicht funktioniert, schätzt, dass rund 600 Einwohner betroffen sind.

Die Massagepraxis von Petra Menne in der Kasseler Straße in Uschlag ist seit 25. Juli weder über Festnetz noch über Internet erreichbar. Die Physiotherapeutin befürchtet wirtschaftliche Verluste durch die zwangsweise „Funkstille“. Kunden, die Termine vereinbaren wollen und in der Praxis niemanden erreichen, würden sich möglicherweise anderweitig orientieren.

Andreas Leigers, Pressesprecher der Deutsche Telekom AG in Bonn, bestätigte die Störungen des Telefonnetzes aufgrund des Hochwassers Ende Juli. Auf die Frage, wann die vom Netz abgehängten Kunden in den beiden Staufenberger Dörfern wieder eine Verbindung haben werden, könne er im Moment keine Auskunft geben, so Leigers.

„In der aktuellen Situation können und wollen wir unsere Kollegen vom Technischen Service nicht mit Recherche-Anfragen beanspruchen, die die schnellstmögliche Behebung der Störung im Interesse der Kunden verzögern.“ Die Mitarbeiter seien im Schichtbetrieb im Einsatz. Die Telekom könne den Ärger der Kunden sehr gut nachvollziehen, wenn es zu Ausfällen kommt. Leigers: „Wir sind in einer ähnlichen Situation wie die Kunden, da auch wir selbst von den Schäden an unserem Netz betroffen sind.“ Zwischen 50 und 500 Kunden, schätzt die Telekom, seien in den betroffenen Kommunen vom Netz abgehängt.

Staufenbergs Bürgermeister Bernd Grebenstein erklärte gestern auf der Internetseite der Gemeinde, die Verwaltung habe gegenüber der Telekom in Göttingen deutlich gemacht, dass die „unbefriedigende Situation schnellstens behoben werden muss.“

Folgen für die Betroffenen

Hochwasser und seine Folgen: Petra Menne, Inhaberin der Massagepraxis Menne und Partner in Uschlag, bekommt sie zu spüren. Weder Telefon noch Internet funktionieren. Nach Angaben von Telekom-Pressesprecher Andreas Leigers wurden – nicht nur in Uschlag und Dahlheim, sondern in vielen Orten Südniedersachsens – die Leitungen durch Wasser, das in die Kabel gedrungen ist, lahmgelegt. Das habe – physikalisch bedingt – drei mögliche Folgen für die Kunden:

1. Der Anschluss funktioniert ohne Einschränkungen (Telefon/Internet);

2. Der Anschluss funktioniert mit Einschränkungen (z. B. Telefonate mit Störgeräuschen oder mehrfache Interneteinwahl nötig);

3. Der Anschluss ist komplett ausgefallen.

Die Reparatur der betroffenen Kabel sei leider sehr aufwendig, so der Telekom-Sprecher. Da die Kabel im Boden lägen und nicht frei zugänglich seien, müsse zunächst der Fehlerort durch Messungen lokalisiert werden, man könne ja nicht auf Verdacht mehrere Kilometer Straßen und Wege aufreißen. Leigers: „Anschließend können wir mit den notwendigen Tiefbaumaßnahmen beginnen. Das geht natürlich nur, wenn die Bodenverhältnisse (Hochwasser) Grabungen zulassen. In Schlammgruben kann man nicht arbeiten, zumal die Sicherheit der Monteure wegen der Einsturzgefahr bedroht ist.“

Sobald das Kabel freigelegt sei, könne das beschädigte Stück entfernt werden. Auch hier müsse noch eingemessen werden, auf welcher Länge im Kabel das Wasser steht. Erst dann könne der passende Kabeltyp in der nötigen Länge bestellt und zum Schadensort geliefert werden.

Im nächsten Arbeitsschritt werde das neue Kabel auf beiden Seiten gespleißt, das heißt, auf beiden Seiten müssen mehrere hundert Kupferadern miteinander verknüpft werden. Das mache keine Maschine, das sei Handarbeit, so Leigers. Dazu müsse ein Techniker in die Baugrube und die Adern einzeln miteinander verbinden. Sobald alle Arbeiten abgeschlossen sind, würden die Anschlüsse einzeln hochgefahren, geprüft und die Straßendecke/Oberfläche wieder verschlossen. 

Die Arbeiten, so der Unternehmenssprecher, seien von einer Reihe von Faktoren abhängig: Zum Beispiel könne Regen die Arbeiten behindern oder sogar unmöglich machen; außerdem müsse eine Baugenehmigung erteilt, und Straßen, Kreuzungen oder Wege gesperrt oder umgeleitet werden – mit entsprechenden Genehmigungen der jeweiligen Verwaltungsbehörden.

Hintergrund: Klinik und Polizei haben Vorrang

Bei der Reparatur der Leitungsschäden haben die Anschlüsse der öffentlichen Daseinsvorsorge (z.B. Krankenhäuser, Feuerwehr, Polizei, Ärzte) Vorrang, betont Telekom-Pressesprecher Leigers. Zuerst würden betroffene Hauptkabel instandgesetzt, anschließend die Kabelverteiler und Leitungen zu den einzelnen Straßen- und Hausanschlüssen. 

Der Schaden vor einem Haus sei nachrangig gegenüber dem Hauptkabel, das weitaus mehr Anschlüsse versorge. Der Telekomsprecher betont, das Mobilfunknetz sei jederzeit verfügbar. Er empfiehlt, sich über die Kundenhotline 0800/330 1000 eine vorübergehende Rufumleitung auf das Handy legen zu lassen.

Kommentar von Helmut Krischmann

Vorweg: An dem Starkregen, der Ende Juli in der Region niederging und Schäden verursachte, ist die Telekom nicht schuld. Das Hochwasser, das weite Teile Niedersachsens betroffen hat, war höhere Gewalt. Für die Kunden in den Staufenberger Ortschaften Uschlag und Dahlheim, die seit Ende Juli ohne Telefon und Internet auskommen müssen, ist das aber kein Trost. Für ein Unternehmen wie zum Beispiel die Massagepraxis der Physiotherapeutin Petra Menne in Uschlag ist die Erreichbarkeit per Telefon oder per Mail von großer Bedeutung. Wer in der Praxis ein paar Mal anruft und immer ein Besetztzeichen hört, wendet sich möglicherweise an einen anderen Anbieter dieser Dienstleistung.

Die Techniker der Telekom, das machte der Sprecher deutlich, sind unermüdlich im Einsatz, um die Schäden zu reparieren. Das ist nachvollziehbar. Allerdings haben die Kunden einen Anspruch darauf, zu erfahren, wann die Störung beseitigt sein wird. Zu sagen, dass im Moment keine Auskunft dazu gegeben werden kann, ist für ein Kommunikationsunternehmen zu wenig.

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