Energie

Wasserkraftwerk an der Werra läuft seit 95 Jahren: Aale spielen eine wichtige Rolle

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Eindrucksvolles Gebäude: Die Maschinenhalle des Kraftwerks von außen. 

Das Wasserkraftwerk an der Werra versorgt 2500 Haushalte mit Strom aus erneuerbarer Wasserkraft - seit 95 Jahren. Aale übernehmen in dem Werk eine wichtige Aufgabe.

Wer auf der B80 bei Hann. Münden unterwegs ist, sieht an der Straße ein großes Gebäude. Was mag sich wohl dahinter verbergen? Im Innern ist ein leises Brummen zu hören. Ansonsten ist die riesige Halle auf den ersten Blick – leer.

„Die Maschinen standen hier früher senkrecht, deswegen ist die in den Zwanzigerjahren gebaute Halle so groß“, sagt Edgar Hankel, der als Betriebsleiter für das vom norwegischen Unternehmen Statkraft betriebene Wasserkraftwerk an der Werra zuständig ist. 

Heute befindet sich das Herz der Anlage unterhalb des Hallenbodens. Dort verrichten drei Kaplan-Turbinen Ihre Arbeit, versorgen ungefähr 2500 Haushalte in der Region mit Strom aus erneuerbarer Wasserkraft – und das verlässlich seit nunmehr 95 Jahren.

„Wir sind ein Grundlastkraftwerk, welches normalerweise 365 Tage im Jahr läuft. Nicht immer können wir die volle Leistung abrufen. Wir wurden aber noch nie wegen Überkapazitäten im Stromnetz abgeschaltet“, berichtet Hankel stolz. 

Wasserdurchlauf ging in den vergangenen trockenen Sommern zeitweise zurück

In den beiden vergangenen, ungewöhnlich trockenen Sommern sei der Wasserdurchlauf zeitweise auf zehn Kubikmeter pro Sekunde zurückgegangen. Zum Vergleich: Normalerweise könne das Werrawerk bis zu 85 Kubikmeter pro Sekunde verarbeiten.

Der Arbeitstag von Edgar Hankel beginnt um 7 Uhr morgens. Von Hann. Münden aus kontrolliert er mit seinen Kollegen auch die Kraftwerke Wahnhausen und Affoldern. Zu seinen Aufgaben zählen beispielsweise die Kontrolle von Wartungsplänen, von Meldungen in der Zentralwarte und der Außenanlagen. Einen Großteil der restlichen Zeit nehmen Bereitschaftsdienste ein. 

Arbeitet gern im Kraftwerk 

Hankel mag die Arbeit im Kraftwerk: „Ich habe viel mit Technik zu tun, außerdem bin ich sehr viel an der frischen Luft und habe die Möglichkeit, vieles selbst zu gestalten.“ Die Architektur des Gebäudeensembles des Werks beeindrucke ihn immer wieder aufs Neue: „So ein Kraftwerk sieht man heute selten. Es ist ein schöner Bau, kaum vergleichbar mit modernen Anlagen zur Energieerzeugung.“

HNA-Redakteur Thomas Schlenz in der Maschinenhalle des Kraftwerks. 

Früher seien sie mal 16 bis 18 Leute gewesen, die in drei Schichten arbeiteten, so Hankel. Übrig geblieben sind heute noch fünf. „Trotz vieler elektronischer Kontrollmöglichkeiten spielt die Mechanik aber immer noch eine große Rolle“, sagt der 61-jährige Industriemeister, der bereits seit 44 Jahren in der Energiewirtschaft tätig ist.

Fische werden geschützt 

Draußen, direkt neben dem langsam dahin fließenden Strom, deutet Hankel auf zwei große Metallkästen: „Das sind sogenannte Mikromaten. Die warnen vor dem Aalzug“, erzählt der Betriebsleiter. In den zwei Kästen befänden sich Aale. Würden sie sich darin unruhig verhalten, sei klar, dass die Zeit des Aalzuges angebrochen sei, also der Trieb der Aale zum Laichen in Richtung Sargassosee abzuwandern. „Dann stellen wir Turbinenmanagement und Einlaufgeschwindigkeit um, um die Fische zu schützen“, erklärt Hankel.

Wasserkraftwerke seien zwar als Neubau relativ teuer, sie könnten aber bei guter Wartung sehr lange verlässlich Strom liefern. Ein gewisses Potenzial zur Effizienzsteigerung, etwa durch neue Turbinentechnik, die irgendwann auf den Markt kommen könnte, halte er auch künftig für möglich, glaubt Betriebsleiter Hankel.

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