Die Schule im Auefeld in Hann. Münden ist ein Förderzentrum für zwei verschiedene Schülergruppen

Den Weg ebnen in den Beruf

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Mit dem Hauptschulabschluss ins Handwerk: Rainer Schmidt, Lehrer für Wirtschaft, Mathematik und Sport, stellte das GAuS-Projekt der Kreishandwerkerschaft vor, bei dem die Schule im Auefeld Projektpartner ist.   

Hann. Münden. Seit die inklusive Schule in Niedersachsen verbindlich eingeführt worden ist, glaubten immer mehr Menschen, die Schule im Auefeld in Hann. Münden gebe es gar nicht mehr – schließlich gehen doch jetzt alle Kinder, auch die, die einer besonderen Förderung bedürfen, in die Regelschulen, oder?

Mitnichten, machten Schulleiter Bernhard Spiess und Konrektorin Anke Herzmann deutlich. Um zu zeigen, was im Auefeld 12 alles geleistet wird, hatte die Schule am Mittwoch ihre Türen geöffnet und stellte ihre Arbeit vor. 

Das Förderzentrum Schule im Auefeld hat die beiden Schwerpunkte Geistige Entwicklung und Lernen. Die Schule arbeitet eng mit der benachbarten Tagesstätte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) zusammen, deren pädagogische Mitarbeiter auch die Schüler im Unterricht begleiten. Und auch mit der Berufsschule nebenan steht man in regem Austausch, bietet etwa Berufs-Info-Tage. Darüber hinaus ist die Schule Partner der Kreishandwerkerschaft. Berufseinstiegsbegleiterin Anja Lovis unterstützt diesen Prozess und hilft bei Bewerbungen.

Zwei Schwerpunktbereiche

1.) Der Bereich „Geistige Entwicklung“ sei von der inklusiven Schule nicht betroffen und bestehe unabhängig weiter, betont Schulleiter Spiess. Das sei etlichen Eltern offenbar aber nicht bekannt, sodass diese ihre Kinder nach Göttingen in die Schule schickten. Das aber bedeute für die Schülerinnen und Schüler unnötig lange Wege, wo es doch das Angebot vor Ort gebe. Im Bereich Geistige Entwicklung werden Kinder betreut und beschult, die früher als „geistig behindert“ eingestuft wurden. Sie durchlaufen zwölf Schuljahre (Primarbereich Klassen eins bis vier, Sekundarstufe I mit den Klassen fünf bis acht und Sekundarstufe II mit den Klassen neun bis zwölf). Hier gehe es um eine intensive Alltagsbetreuung, sodass die Schüler in die Lage versetzt werden, später so selbstbestimmt wie möglich leben zu können und einen geschützten Arbeitsplatz zu finden. Viele dieser Schüler arbeiteten später in den Göttinger Werkstätten.

2.) Die Schule mit dem Förderschwerpunkt Lernen umfasste ursprünglich die Klassen fünf bis zehn und läuft jetzt aus. Zurzeit gibt es noch eine sechste Klasse, ab dem nächsten Schuljahr dann nur noch die Klassen sieben bis zehn, falls der Landkreis nicht umsteuert. Die Schüler können nach der Klasse neun den Förderschulabschluss ablegen oder nach der 10. Klasse den Hauptschulabschluss – mit den Abschlussarbeiten, wie sie für Hauptschulen in Niedersachsen vorgeschrieben sind. Bis dahin lernen sie in relativ kleinen Gruppen, „wir haben mehr Zeit für den einzelnen Schüler“ als an einer Regelschule, beschreibt es Spiess. Die Schule arbeite intensiv mit den Eltern zusammen. Das funktioniere in der Regel sehr gut, da die Eltern dankbar dafür seien, dass ihnen unter die Arme gegriffen werde. Diesen Bereich der Schule besuchen Kinder, die an anderen Schulen nicht klargekommen sind. Zunehmend kämen auch Schülerinnen und Schüler, die in der Inklusion gescheitert seien. „Wir sind das Auffangbecken, die letzte Anlaufstelle.“ Nachfrage nach dem Lernen in einer Förderschule bestehe weiter: Allein in Uslar, wo Spiess parallel Schulleiter ist, habe er gerade elf Gespräche mit Eltern geführt, die ihre Kinder in der 5. Klasse lieber in eine Förderschule geben würden. Dass den Absolventen dieses Bereichs der erste Arbeitsmarkt nicht verschlossen ist, zeigt nicht zuletzt das GAuS-Projekt der Kreishandwerkerschaft, an dem die Schule im Auefeld teilnimmt.

Das Projekt der Kreishandwerkerschaft

Sie schließen einen Vertrag ab, für den sie ganz schön ackern müssen: Den Hauptschulabschluss erreichen mit mindestens Note drei in Deutsch, Mathe und Wirtschaft, keine unentschuldigten Fehltage und ein gutes Arbeits- und Sozialverhalten sind Pflicht für die Schüler, die am GAuS-Projekt teilnehmen. Die Abkürzung steht für „Garantie für Ausbildung in Südniedersachsen“, aufgelegt von der Kreishandwerkerschaft Südniedersachsen. Die Schule im Auefeld ist Projektpartner und Schulleiter Spiess ganz begeistert: „Das passt genau auf uns.“ Für viele Auefeld-Schüler sei es ein Traum, einen Handwerksberuf zu ergreifen. Das Handwerk seinerseits sucht Nachwuchs und war mit dem Projekt vor drei Jahren an die Schulen herangetreten, so Johanna Schmolck-Pein, Ansprechpartnerin bei der Kreishandwerkerschaft. Bei den Förderschulen komme das am besten an. Die Schulen treffen eine Vorauswahl der Teilnehmer, die Kreishandwerkerschaft hilft, den passenden Betrieb zu finden. 

Die Schüler absolvieren eine sechsmonatige „betriebliche Hospitation“, sie sind einen Tag pro Woche als Praktikanten in einem Betrieb. Dafür eine Bewerbung zu schreiben gehört zu den Aufgaben. So können sie über einen längeren Zeitraum einen Beruf und einen Betrieb kennenlernen – und der Handwerksbetrieb lernt seinen Bewerber kennen. Wenn es auf beiden Seiten klappt, steht der Ausbildung nichts im Wege. Ein Absolvent der Schule im Auefeld macht gerade eine Lehre zum Mechatroniker. Das sei eine schöne Perspektive, bescheinigt Lehrer Rainer Schmidt, der GAuS an der Schule betreut. Die Schüler seien sehr motiviert dabei. 

Neu sind gerade zwei eingestiegen, ergänzt Lehrer Christian Rohn, und bei ihnen sehe es sehr gut aus. Selbst, wenn das Praktikum nicht in einen Ausbildungsvertrag münde, so Schmolck-Pein, dann wisse man aber immerhin, welcher Beruf nicht passt oder man könne es in einem anderen Betrieb versuchen. (tns) Kontakt: Sowohl Innungsbetriebe als auch interessierte Schulen können sich bei Johanna Schmolck-Pein melden, E-Mail schmolck-pein@handwerk37.de, Tel.: 0551/5760-23.

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