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Wegen Internet-Trend: Durchfallmedikament „Elotrans“ in Mündener Apotheken ausverkauft

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Von: Hannah Köllen

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Bei einem Kater durch zu viel Alkoholkonsum soll das Durchfallmedikament Elotrans Abhilfe verschaffen.
Bei einem Kater durch zu viel Alkoholkonsum soll das Durchfallmedikament Elotrans Abhilfe verschaffen. © Privat

Seit Monaten ist das Durchfallmedikament „Elotrans“ in Apotheken ausverkauft - auch Mündener Apotheken sind davon betroffen. Grund für den Mangel ist ein neuer Internet-Trend auf dem Videoportal TikTok.

Hann. Münden – Abends das ein oder andere Bierchen trinken und am nächsten Tag ohne Kater aufwachen: Klingt gut? Ein neuer Trend im Internet, der vor allem auf dem Videoportal TikTok kursiert, verspricht genau das.

Das Medikament Elotrans, das in erster Linie bei Durchfallerkrankungen eingesetzt wird, soll die Nachwirkungen von zu viel Alkohol mildern können. Und das führt nun in vielen Apotheken auch in Hann. Münden zu starken Engpässen.

In der Mündener Bahnhof-Apotheke sei das Medikament, das ohne Rezept erhältlich ist, schon seit mehreren Monaten nicht mehr verfügbar – und das bei einer aktuell höheren Nachfrage.

Produkt seit Mai nicht mehr nachlieferbar

„Die letzte Packung habe ich im Mai verkauft“, sagt Inhaberin Ursula Oberste-Padtberg. Seitdem sei das Produkt nicht mehr nachlieferbar.

Das Mittel sei ein Zucker-Salz-Gemisch, das den Elektrolytmangel, der bei einer Durchfallerkrankung durch den Flüssigkeitsverlust im Körper entsteht, ausgleiche. „Auch Alkohol entzieht dem Körper viel Flüssigkeit. Das merkt man ja meistens, wenn man zum Beispiel Bier trinkt und dann öfters zur Toilette muss“, sagt Oberste-Padtberg.

Auch in der Neumündener Apotheke sei das Produkt bereits seit Monaten nicht mehr vorrätig, sagt Inhaberin Ruth Oberste-Brink. „Die Nachfrage der Kunden ist da. Aber das Medikament ist aktuell einfach nicht lieferbar.“ Auch das gleich wirkende Medikament Oralpädon sei derzeit nicht verfügbar. „Normalerweise verkaufe ich jährlich rund 45 Packungen“, sagt Oberste-Brink.

Kunden müssen in Apotheken vertröstet werden

Aktuell müssen beide Apothekerinnen ihre Kunden, die das Medikament kaufen wollen, vertrösten. Ob unter den leer ausgehenden Kunden auch Menschen sind, die an Durchfall leiden, können die Apothekerinnen nicht sagen. „Die Kunden verraten uns ja nicht zwangsläufig, warum sie das Medikament benötigen“, sagt Oberste-Brink.

Um die Folgen von zu viel Alkohol zu bekämpfen, gebe es alternative Möglichkeiten als das Medikament. „Es gibt definitiv sinnvollere und auch preiswertere Lösungen“, sagt Oberste-Brink von der Neumündener Apotheke.

So würden Brausetabletten mit hoch dosierten Mineralstoffen dabei helfen, den Mineralhaushalt wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Mündener Arzt hat Zweifel an Medikament

Auch Dr. Carsten Hafer, der die Praxis Kattenbühl in Hann. Münden leitet, kann den neuen Hype um das Produkt nicht verstehen. „Das Medikament ist ja nichts anderes als eine Elektrolytzufuhr für den Körper“, sagt Hafer. Gegen einen Kater helfe alternativ auch eine Gemüsebrühe gut. Auch eine Schmerztablette könne dann ruhig eingenommen werden. „Viel Mineralwasser trinken, um den Flüssigkeitsmangel auszugleichen, hilft in den meisten Fällen schon“, sagt Oberste-Padtberg von der Bahnhof-Apotheke.

„Es wird wohl noch ein paar Wochen nicht verfügbar sein“, sagt Oberste-Padtberg. Laut Herstellerangaben sei das Produkt Anfang Oktober wieder lieferbar. „Ob das dann letztendlich so sein wird, wird sich zeigen“, sagt Oberste-Padtberg.

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