Hausnotruf funktionierte nicht

Wenn der Notruf streikt: Gehbehinderte Rentnerin tagelang ohne Telefon

Für ein selbstbestimmtes Altern: Durch den Hausnotruf können Menschen in den eigenen vier Wänden alt werden. Sollte etwas passieren, sind Helfer schnell verständigt. Foto:  dpa

Hann. Münden. Hildegard Eichel hat ein Problem. Die 92-jährige schwerhörige und gehbehinderte Frau ist seit Tagen ohne Telefonanschluss und Notruf.

Hildegard Eichel ist 92 Jahre alt. Sie ist schwerhörig und gehbehindert. Trotzdem lebt sie alleine. Für ihre eigene Sicherheit hat sie einen Hausnotruf beim Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), damit sie schnell jemanden verständigen kann, sollte ein medizinischer Notfall eintreten. Durch eine Störung ihrer Telefonleitung funktionierte auch der Hausnotruf nicht mehr. Obwohl ihr Anbieter, die Telekom, sofort unterrichtet wurde, änderte sich tagelang nichts.

„Als wir festgestellt haben, dass das Telefon nicht mehr funktioniert und somit auch der Hausnotruf, haben wir sofort den ASB verständigt. Da ist auch gleich ein Mitarbeiter gekommen, hat den Notruf geprüft und festgestellt, dass es an der Telefonleitung liegt“, erzählt die Tochter der 92-Jährigen. „Daraufhin haben wir uns sofort bei der Störungsstelle der Telekom gemeldet und einen Mitarbeiter über die Wichtigkeit des Notrufes für meine Mutter informiert.“

Man wolle sich kümmern 

Die Antwort darauf sei gewesen, dass nichts bekannt ist, man sich aber darum kümmern wolle. Doch es verging ein Tag, ohne dass sich jemand meldete. „Am Tag darauf haben wir uns dann wieder bei der Telekom gemeldet und zu hören bekommen, dass man von nichts wisse und man auch nichts machen könne. Man würde den Vorgesetzten informieren und dann zurückrufen. Noch am gleichen Tag meldete sich ein Mitarbeiter der Telekom zurück, bestätigte eine Störung an der Leitung und sagte, dass ein Reperaturtermin erst in vier Tagen möglich sei.

„Vier Tage später waren wir den ganzen Tag vor Ort und haben gewartet. Nachmittags haben wir bei der Telekom nachgefragt, da bis dahin niemand erschienen war. Die Antwort: Es sei nichts bekannt, auch nicht, dass ein Hausnotruf betroffen ist. Der Mitarbeiter könnte es nicht geschafft haben“, erzählt die Tochter der Hann. Mündenerin.

Sechs Tage ohne Telefon 

Bereits da war die 92-jährige Frau sechs Tage ohne Telefon und Hausnotruf, konnte weder Notarzt noch Feuerwehr erreichen. Sie sagt, dass sie sich überhaupt nicht mehr traue, sich in der Wohnung zu bewegen, aus Angst zu stürzen und dann niemanden erreichen zu können.

Auf HNA-Anfrage teilte ein Mitarbeiter des ASB Kreisverband Göttinger-Land mit, dass es keine direkte Notrufhotline bei der Telekom für vergleichbare Fälle gebe. Auf jeden Fall sei diese dem ASB nicht bekannt.

Hildegard Eichel hilft das alles wenig. Die 92-Jährige muss warten, bis die Störung beseitigt ist - und bis dahin auch zu Hause sehr, sehr vorsichtig sein.

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