Vor Weihnachten geht die Post ab

Wenn der Postmann 220 Mal klingelt

Paketzusteller Gerald Degethof hat besonders in der Vorweihnachtszeit viel zu tun. Stolze 220 Pakete hat er im Morgengrauen in seinen gelben DHL-Transporter geladen. Fotos: Schaffner

Hann. Münden. Vor Weihnachten herrscht bei der Post Hochsaison. Seit immer mehr Menschen online bestellen, haben Paketboten noch mehr zu tun. Wir haben einen Zusteller begleitet.

Dass kurz vor Weihnachten buchstäblich die Post abgeht, bekommt ein Mann in Hann. Münden besonders zu spüren: Paketzusteller Gerald Degethof. Heute, gut eine Woche vor Heiligabend, hat er 220 Pakete geladen. „Das ist rekordverdächtig“, sagt der 51-Jährige.

Im Minutentakt schleppt der DHL-Bote Pakete aus dem Bauch seines gelben Post-Transporters. „Wer sich in seinem Bezirk nicht auskennt oder seine Tour nicht sorgfältig plant, hat bei den Mengen hoffnungslos verloren“, sagt Degethof und klingelt mit drei Päckchen beladen an der Pforte eines Mehrfamilienhauses in der Nähe des Bahnhofs.

Versandhandel boomt

„Die Post, drei Pakete“, ruft er in die Gegensprechanlage und drückt die Tür auf. Gekonnt eilt er die drei Dutzend Treppenstufen hinauf. In der zweiten Etage empfängt ihn eine Frau im Bademantel. „Alles für mich?“, fragt sie freudestrahlend. Degethof scannt die Barcodes, sie unterschreibt, weiter geht’s.

Dass der Online-Versandhandel boomt, dass Menschen wie er deshalb immer mehr zu tun haben, stört ihn nicht. „Das ist mein Job“, sagt er, räumt aber auch ein: „Gerade die Wochen vor Weihnachten sind schon krass.“

Zehn Stunden

Eine Unterschrift, bitte: Jutta Gerke, Mitarbeiterin einer Zahnarztpraxis, quittiert Gerald Degethof den Empfang eines Päckchens.

Gerald Degethof Sein Arbeitstag beginnt morgens gegen 6.30 Uhr. Dann sortiert er die Pakete, die per Lkw vom Paketzentrum in Lutterberg zur Post nach Münden gebracht werden. Rund zwei Stunden später beginnt er seine Tour, die gerade im Dezember bis in den späten Nachmittag dauern kann. „Mehr als zehn Stunden darf ich aber nicht arbeiten“, sagt der einzig verbliebene reine DHL-Paketbote Mündens.

Nächste Station: Beethovenstraße. „Jetzt geht’s zum Zahnarzt“, sagt er. Die Mitarbeiterin am Praxis-Empfang, Jutta Gerke, hat ihn schon erwartet. Man kennt sich, man wechselt ein paar nette Worte. Wenige Augenblicke später sitzt er dann aber auch schon wieder auf dem Fahrersitz. „Die meisten Mündener sind wirklich nett und freuen sich, wenn ich klingele“, sagt er.

20 Packungen Laminat

Im Laufschritt: Der Paketbote eilt in Joggingschuhen durch die Mündener Innenstadt.

Seit einem Vierteljahrhundert arbeitet Gerald Degethof schon für die Deutsche Post. Die schwerste Lieferung, die er bislang zustellen musste, bestand aus 20 Großpackungen Laminat. „Die Post hatte diesen Service mal angeboten, ihn aber glücklicherweise bald wieder eingestellt“, erinnert er sich. Inzwischen würden Bodenbeläge nur noch über Speditionen verschickt.

Lieber im Laden

Paketzusteller zu sein, ist oft im wahrsten Wortsinn Schwerstarbeit. Gerald Degethof sieht aber auch positive Seiten seines Berufs: „Das Schöne an meinem Job ist, dass ich mein eigener Herr bin und Kundenkontakt habe“. Seine Weihnachtsgeschenke bestellt der DHL-Bote übrigens nicht im Internet. „Ich kaufe sie lieber persönlich im Laden“.

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