Entfrachtung am Dienstag

Weserkapitän gastierte über Ostern in Hann. Münden

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Helmut Rüffer ist Schiffskapitän mit Leib und Seele: Der 59-Jährige ist seit vier Jahrzehnten Kapitän und Eigentümer des Binnenfrachtschiffs „Otrate“, das nun über die Osterfeiertage im Mündener Weserhafen auf Entladung der Fracht nach den Feiertagen wartete.

Hann. Münden. Helmut Rüffer ist Binnenschiffer mit Leib und Seele. Seit 40 Jahren befährt der Kapitän und Eigner des Motorschiffs „Otrate“ sämtliche Wasserstraßen Deutschlands. 

Er hat dabei schon viel erlebt. Über Ostern machte er sein 80 Meter langes Binnenfrachtschiff im Weserhafen in Hann. Münden fest, wo am Dienstag zwei gewaltige Bauteile für Umspannwerke in Mecklar und Audorf entladen werden.

„Otrate hieß der Heimatort meiner Eltern an der Oder im ehemaligen Schlesien“, erklärt Helmut Rüffer den etwas sonderbar lautenden Namen seines Schiffes. Dass sich die Familiengeschichte darin widerspiegelt, ist nicht verwunderlich, stammt der 59-Jährige doch aus einer alten Binnenschifferfamilie. „Bis zu meinem Urgroßvater sind alle meine Vorfahren Kapitäne gewesen“, sagt er.

Schon als 19-Jähriger hatte sich Rüffer selbstständig gemacht, die Hälfte des Schiffes seines Vaters übernommen und war bis zu dessen Ruhestand 1990 mit ihm zusammen gefahren. Seither ist er alleine mit seiner Frau Heidemarie unterwegs, die genau wie er ein Kapitänspatent hat. „Ohne sie würde ich den Job nicht machen“, meint Rüffer.

Konzentration: Von dieser hochmodernen Brücke aus steuert Kapitän Helmut Rüffers seine „Otrate“ sicher über alle Wasserstraßen Deutschlands.

Als einer von nur noch zwei Kapitänen hat Helmut Rüffer ein Patent für die Oberweser und braucht daher auf diesem Flussabschnitt keinen Lotsen an Bord zu nehmen. „Zum Befahren ist die Weser sicher einer der schwersten Flüsse Deutschlands“, sagt der 59-Jährige. Wegen zahlreicher Engstellen und Untiefen bedürfe es auf der gesamten Länge von 200 Kilometern „höchster Konzentration“, während das auf anderen Flüssen nur in deutlich kürzeren Abschnitten der Fall sei.

Dass die Rüffers über Ostern drei freie Tage in Münden haben, ist kein Zufall. „Wir versuchen, uns in unseren Zielhäfen immer wieder Brücken einzubauen, damit wir mindestens zwei Tage zum Sightseeing haben“, sagt der Kapitän. So würden sie sich ihre Seefahrerromantik selber machen und so hätten sie große Teile Deutschlands und der Beneluxländer kennengelernt. Natürlich hätten sie in all den Jahren auch immer mal wieder einen Urlaub im Ausland eingestreut. „Aber 14 Tage am Stück an Land reichen, dann muss ich wieder los mit seinem Schiff“, so Rüffer.

Ruhe über Ostern: Im Mündener Weserhafen wartete die 80 Meter lange Otrate auf ihre Entladung.

Auch wenn der Mindener seinen Job liebt und diesen auch so lange ausüben könnte, wie es die Gesundheit zulässt – das Ende ist bereits in Sicht. „Mit 63 Jahren ist Schluss“, sagt er, „schließlich bekomme ich gerade meinen ersten Enkel und für den will ich da sein.“ Auch wenn aus der Familie niemand das Schiff übernehmen wird (seine Tochter und sein Schwiegersohn haben zwar das Kapitänspatent beim Wasser- und Schifffahrtsamt in Minden, aber auch krisensichere Jobs), macht er sich keine Sorgen.

„Vor drei Jahren haben wir die Otrate entkernt und technisch auf den allerneuesten Stand gebracht“, sagt er. In diesem Zustand werde sich leicht ein Käufer finden. Bis es soweit ist, will er die Zeit aber noch genießen. Und sicher das eine oder andere Mal auch noch in Münden festmachen. 

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